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Prof. Dr. Beat Habegger referiert vor den Abgeordneten des Gemeindeverbandes Fricktal Regio. Foto: Jörg Wägli

«Gesucht: Gemeinderat» – einige Lösungsansätze – Referat von Prof. Dr. Beat Habegger an der AV von Fricktal Regio

Im zweiten Teil der Abgeordnetenversammlung des Planungsverbandes Fricktal Regio in Bözen stand unter dem Titel «Gesucht: Gemeinderat» ein Referat von Prof. Dr. Beat Habegger, Co-Leiter Institut für Nonprofit und Public Management der Fachhochschule Nordwestschweiz: Thema: «Herausforderungen und Lösungsansätze für Gemeinden».

JÖRG WÄGLI

Nächstes Jahr steht im Aargau eine weitere grosse Wahlrunde auf dem Programm. Dieses Mal geht es nicht um National- und Ständeratsmitglieder oder Grossrätinnen und Grossräte, vielmehr finden in jeder Gemeinde die Gesamterneuerungswahlen der Gemeindebehörden und -kommissionen statt. – Kein leichtes Unterfangen, bei Vakanzen jeweils die freiwerdenden Sitze neu zu besetzen. Entsprechend wünschte sich Fricktal-Regio-Präsidentin Françoise Moser vom Referenten Ausführungen gespickt mit guten Vorschlägen, evtl. explizit auch für Frauenkandidaturen. «Denn», so Moser, «der Frauenanteil im Fricktal ist ‹lausig›!» «Wir wären nicht von der Fachhochschule, wenn wir nicht Ideen hätten», meinte Habegger und nahm gleich eines vorweg: «Wer Frauen will, muss auch Frauen fragen!»
Sein Referat startete Habegger mit einigen Zahlen. Rund 15 000 Gemeinderatssitze zählte die Schweiz vor knapp 10 Jahren. Heute sind es etwas weniger. Geleistet wurden damals gemäss Studie 2015 über 1 Mio. Arbeitsstunden pro Jahr. Und: Rund 50 Prozent der Gemeinden gaben an, es schwer zu haben, geeignete Kandidierende zu finden.
Die Ursachen für diese unerfreuliche Tatsache, welche sich eher noch verschlechtert haben dürfte, ortete Habegger bei den höheren fachlichen Anforderungen und einer höheren Arbeitsbelastung im Amt, bei zu wenig Anerkennung und Wertschätzung für das Amt, einer mangelnden Flexibilität betreffend Sitzungszahl/-rhythmus sowie der allgemeinen Belastung durch Arbeitsalltag und Pendlerei, die im Laufe der Jahre zugenommen hat.

«Finden heisst auch suchen»
Was also tun? Wichtig sei, gemäss dem Motto «Finden heisst auch suchen», gezielt auf geeignete Personen zuzugehen, besonders auf Junge und Frauen. Denn rund zwei Drittel der in einer Studie angefragten Gemeinderäte hätten angegeben, motiviert worden zu sein. Hilfreich könnte auch eine Flexibilisierung der Sitzungstermine (evtl. auch Online-Sitzungen), eine Effizienz­steigerung bei Sitzungen, und eine Reduktion des zeitlichen Aufwands sein. Letztere liesse sich etwa durch eine intensive Zusammenarbeit mit der Verwaltung für fachliche Unterstützung oder eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Gemeinden und/oder Auslagerung der Aufgaben erreichen.

Fricktal-Regio-Präsidentin Françoise Moser dankt dem Referenten Beat Habegger für dessen spannende Ausführungen. Foto: Jörg WägliAnständige Bezahlung
Weiter sei wichtig, dass Amtsträger für ihre Arbeit anständig bezahlt würden. Denn, so Habegger, oft verlange das Amt nach einer Reduktion des Arbeitspensums oder der Familienzeit. Und schliesslich müsse auch die Wertschätzung gesteigert und damit die Attraktivität des Amtes erhöht werden. Ein Amt biete die Möglichkeit, sich beruflich weiter zu qualifizieren und könne als Leistungsausweis für anderes dienen.
Wo vorhanden, riet Beat Habegger auch dazu, Parteien mehr einzubeziehen, denn: «Menschen mit Parteizugehörigkeit verbleiben länger im Amt.» Zudem unterstützten Parteien die Organisation von Wahlen und würden zu einer aktiven Diskussionskultur in der Gemeinde beitragen. Und Parteien würden gerade neugewählten Personen fachliche und menschliche Unterstützung bieten.
Abschliessend zog der Co-Leiter des Instituts für Nonprofit und Public Management das Fazit: «Anspruchsvoll, aber machbar». Behördenwahlen stellten für Schweizer Gemeinden eine Herausforderung dar. Politik und Verwaltung seien komplexer geworden, die Menschen seien anspruchsvoller und damit die Amtsführung schwieriger und aufwändiger. Auch im Beruf und in der Familie seien viele Leute stark gefordert. Aber, so Habegger: «Es gibt Wissen zu dem, was funktioniert – in der Umsetzung braucht es aber etwas Mut: Organisation verändern, besser bezahlen, ‹Marketing› machen, Parteien stärken.»
Aus der Versammlung kamen zudem die Hinweise, dass auch die Frage der Altersvorsorge für Amtsträger im Milizsystem nicht vernachlässigt werden dürfe und Gemeinden gut beraten wären, die Kommissionsarbeit vermehrt zu pflegen. Denn: Kommissionsarbeit könne ein niederschwelliger Einstieg in die Behördenarbeit sein.

Bilder
Erstes Bild: Prof. Dr. Beat Habegger referiert vor den Abgeordneten des Gemeindeverbandes Fricktal Regio.Foto: Jörg Wägli
Zweites Bild: Fricktal-Regio-Präsidentin Françoise Moser dankt dem Referenten Beat Habegger für dessen spannende Ausführungen. Foto: Jörg Wägli