Messerscharfe Zähne, immer in Bewegung und blitzschnell: Kennen Sie die kleinsten Raubtiere im Jurapark Aargau? Die Rede ist nicht etwa von Wildkatze, Fuchs oder Luchs. Nein, es geht um Wiesel, Hermelin und ihren grossen Bruder, den Iltis – Tier des Jahres 2024.
SANDRA KYEWSKI-DITZ
Diese fleissigen Räuber fressen Landwirtschaftsschädlinge und sind darum sehr nützlich für den Menschen. Allerdings ist ihr Lebensraum bedroht, denn es gibt immer weniger strukturreiche Landschaften, die den Tieren Schutz und Nahrung bieten. Daher sind sie auf Ihre Mithilfe angewiesen!
Der Iltis – Tier des Jahres 2024
Ein Tier, das sehr zurückgezogen lebt und daher nur selten zu sehen ist, ist der Iltis (Mustela putorius). Im Jahr 2020 gelangen im Rahmen des Spurentunnel-Monitorings im Jurapark Aargau verschiedene Nachweise. Zu erkennen ist das langestreckte Tier an seinem dunkelbraunen bis schwarzen Fell mit durchschimmernden hellen Partien und der markanten weissen Gesichtszeichnung. Er ist meist nachtaktiv und ernährt sich vorwiegend von Kröten und Fröschen, aber auch Mäuse und Insekten stehen auf seinem Speiseplan. Hat er ein Areal nach Nahrung abgesucht, zieht er weiter durch sein Streifgebiet von etwa einem Quadratkilometer Fläche. Unterwegs ist er immer wieder auf Unterschlüpfe und Versteckmöglichkeiten angewiesen. Die Tiere sind sehr menschenscheu und bei Gefahr stossen sie aus ihren Analdrüsen ein übelriechendes Sekret aus. Im Herbst fressen sich Iltisse Fettreserven an, sodass sie im Winter ihre Jagdaktivitäten stark einschränken können.
Die Naturschutzorganisation Pro Natura hat den Iltis zum «Tier des Jahres 2024» gekürt, weil er für gut vernetzte Kulturlandschaften und Feuchtgebiete mit vielen Versteckmöglichkeiten steht. Zudem ist das Raubtier auf der Roten Liste der Säugetiere der Schweiz als «verletzlich» eingestuft. Weil er so selten zu sehen ist, lässt sich seine genaue Verbreitung nur schwer bestimmen. Daher soll in diesem Jahr für diesen diskreten und wenig bekannten Räuber sensibilisiert werden.
Mauswiesel und Hermelin – quirlige Nützlinge
Im Jurapark Aargau kommen zwei Wieselarten vor: das kleine Mauswiesel (Mustela nivalis) und ihr etwas grösserer Verwandter, das Grosse Wiesel oder Hermelin (Mustela erminea). Während das Mauswiesel das ganze Jahr über braun gefärbt ist und einen kürzeren Schwanz hat, ist das Hermelin vor allem in der kalten Jahreszeit gut wegen seines makellos weissen Winterfells und der ganzjährig schwarzen Schwanzspitze zu erkennen. Sein Fell ziert heute noch Mäntel von Königen, Päpsten und Würdenträgern. Da es jedoch in unseren Gegenden immer seltener schneereiche Winter gibt, ist das Hermelin mit einem weissen Fell schlechter getarnt und leichter sichtbar für seine Fressfeinde. Einige Hermeline passen sich langsam an die veränderte Klimasituation an. Sie behalten auch bei kalten Temperaturen ihr braunes Fell oder bleiben im Fellwechsel «stecken» – ihr Fell ist dann weiss-braun-gefleckt. Schneit es in einem Winter wiederum mehr, funktioniert die Tarnung dieser Individuen nicht mehr – ein Dilemma, das im immer schnelleren Klimawandel begründet ist.
Beide Wieselarten ernähren sich hauptsächlich von Wühlmäusen, was sie besonders nützlich für die Landwirtschaft macht. Weil sie einen sehr hohen Energieverbrauch haben, sind sie fleissige Jäger und auch im Winter immer auf Zack. Wer einmal das Glück hat, eine Hermelin-Familie beim Spielen zu beobachten, wird schnell merken, wie verspielt und blitzschnell die quirligen Akrobaten sind.
Lebensraum schaffen
Beide Wieselarten sowie der Iltis fühlen sich besonders dort wohl, wo etwas «Unordnung» herrscht. Das heisst, sie bevorzugen strukturreiche Lebensräume und vernetzte Kulturlandschaften, die ihnen viele Versteck- und Schutzmöglichkeiten bieten. Denn oft werden sie vom Jäger zum Gejagten: Sie haben viele natürliche Fressfeinde wie Füchse, Greifvögel, Eulen, Störche und Graureiher – oder nahe der Siedlung auch Hauskatzen. Damit die kleinen Nützlinge den Jurapark Aargau weiterhin ihr Zuhause nennen, brauchen sie Ast- und Steinhaufen, dichte Hecken, gestufte Waldränder, Krautsäume an Feldern und Altgrasstreifen im Grünland. Für den Iltis sind zudem Feuchtgebiete, Quellen und Bäche lebenswichtig. In Gebieten mit genügend Futter freuen sich Wiesel und Hermeline über die Anlage von speziellen «Wieselburgen» mit Aufzuchtkammern – eine kostenlose Anleitung dazu gibt es zum Download auf der Webseite des Jurapark Aargau, der die Wiesel als Zielart fördert und das Projekt «Wiesellandschaft Jurapark» ins Leben gerufen hat. Und der Iltis ist im Winter dankbar, wenn man ihm in Scheunen oder Ställen einen Unterschlupf lässt.
Halten Sie die Augen offen!
Für die Gewinnung von Erkenntnissen über die Verbreitungsgebiete und die Förderung der scheuen Räuber ist der Jurapark Aargau auf Mithilfe angewiesen. Der Aufruf in der letzten Jurapark-Zytig hat erfreuliche und bisher nicht bekannte Hinweise zu aktuellen Hermelin-Sichtungen geliefert. Aus diesem Grund rufen die Verantwortlichen des Juraparks gerne nochmals dazu auf, mit wachem Blick im Parkgebiet unterwegs zu sein. Wem ein Iltis, Hermelin oder Wiesel im Parkgebiet begegnet, meldet dies gerne mit Foto/Video, Angaben zu Ort (am besten mit Koordinaten), Zeitpunkt, Art und – sollte es sich um ein Hermelin handeln – auch mit Angabe zur Fellfarbe (braun, weiss oder gefleckt) an Anja Trachsel, Natur & Landschaft:
Mehr über das Jurapark-Projekt «Wiesellandschaft Jurapark» und die kostenlose Anleitung für den Bau von Wieselburgen zum Download finden Interessierte unter: www.jurapark-aargau.ch/wiesel