(pd) Der ehrenamtliche Mitarbeiter der Archäologie Baselland George Sprecher fand in der Flur Oberholz bei Füllinsdorf einen Faustkeil. Rund fünfzig Jahre nach der Entdeckung des berühmten Faustkeils von Pratteln ist dies erst das zweite Steingerät seiner Art im Kanton Basel-Landschaft. Archäologische und naturwissenschaftliche Untersuchungen sprechen für ein Alter des Fundes von mindestens 45 000 Jahren – eine Zeit als hier Neandertaler lebten.
Georges Sprecher, Entdecker zahlreicher steinzeitlicher Fundstellen in der Region, lokalisierte bereits 2016 eine Siedlungsstelle im Oberholz bei Füllinsdorf und barg seither mehr als 1000 Silex- und Felsgesteinartefakte aus der Jungsteinzeit (um 4000 v. Chr.) Vor einiger Zeit fand er nun nichts weniger als eine archäologische Sensation: einen Faustkeil aus der mittleren Altsteinzeit.
Mehr als ein einzelner Zufallsfund
Der sehr gut erhaltene Faustkeil gehört typologisch in die Moustérien-Kultur, genauer das Moustérien de tradition acheuléenne (zirka vor 60 000 bis 40 000 Jahren). Eine erste Analyse des gesamten Fundmaterials brachte weitere mittelpaläolithische Werkzeuge zum Vorschein, zum Beispiel einen Schaber aus Radiolarit (Sedimentgestein) und das Fragment eines so genannten Levalloiskerns aus Silex. Damit ist klar, dass der Faustkeil nicht zufällig verloren ging, sondern dass er von einem Rastplatz stammt, an dem sich Neandertaler aufgehalten haben.
Naturwissenschaftliche Untersuchung bestätigt Alter
Um mehr über die Herkunft der Artefakte herauszufinden, wurde beim Fundort eine Untersuchung des Untergrunds durchgeführt. Bei den angetroffenen Schichten aus Löss und Verwitterungslehmen mit Lössanteilen handelt es sich um Windstaub, der unter arktischen Bedingungen aus dem vegetationsarmen Rheintal ausgeweht und hier abgelagert wurde. Mittels dem Verfahren der optisch stimulierten Lumineszenz (OSL) kann untersucht werden, wie lange eine Schicht nicht mehr dem Sonnenlicht ausgesetzt war. Eine entsprechende Analyse der mutmasslichen Fundschicht durch ein spezialisiertes Labor in Südfrankreich bestätigte das typologisch bestimmte Alter des Faustkeils von mindestens 45 000 Jahren.
Beziehung in den Jura
Das Rohmaterial des Faustkeils von Füllinsdorf stammt von einer Lagerstätte bei Alle, Noir Bois im Jura, rund 50 km vom Fundort entfernt. Dort wurden bei umfangreichen Grabungen auch mehrere moustérienzeitliche Aufenthaltsplätze dokumentiert. Aufgrund des Rohmaterials und der gleichartigen Datierung könnten die beiden Fundstellen in Beziehung gestanden sein.
Möglich ist, dass eine Gruppe von Wildbeutern auf ihren Wanderungen beide Orte aufsuchte.
Die ältesten Werkzeuge der Menschheit
Faustkeile sind zweiseitig bearbeitete Steinartefakte mit runder Basis und gegenüberliegender Spitze. Die Allzweckgeräte gehören zu den frühesten Werkzeugen der Menschheit. Der Faustkeil von Pratteln ist mit einem Alter von mindestens 300 000 Jahren das älteste archäologische Objekt aus dem Gebiet der heutigen Schweiz. Der Neufund von Füllinsdorf ist mit seiner Zeitstellung hierzulande bislang einzigartig. Auch die weiteren Exemplare sind so selten, dass sie sich an einer Hand abzählen lassen.
Weitere Informationen
www.archaeologie.bl.ch/entdecken/fundstelle/169/