Ein Produkt der  
Die grösste Wochenzeitung im Fricktal
fricktal info
Verlag: 
Mobus AG, 4332 Stein
  Inserate: 
Texte:
inserat@fricktal.info
redaktion@fricktal.info
Fricktalwetter
Bedeckt
21.2 °C Luftfeuchtigkeit: 42%

Dienstag
10.7 °C | 19.8 °C

Mittwoch
10.3 °C | 15.9 °C

Monika Wiederkehr bewies eindrücklich ihre Kompetenz beim Thema Demenz. Foto: Fritz Imhof
Featured

Zuzgen: Leben mit Demenz – eine Herausforderung für Betroffene und Angehörige

(im) Am 30. April fand im Reformierten Kirchgemeindezentrum in Zuzgen ein informativer Nachmittag zum Thema «Leben mit Demenz» statt. Monika Wiederkehr, Leiterin der Tagesbetreuung des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) im Kanton Aargau, referierte über die Auswirkungen der Krankheit auf die Betroffenen sowie deren Angehörige. Sie teilte einem aufmerksamen Publikum ihr umfangreiches Wissen und gab praktische Tipps für den Umgang mit Demenz, insbesondere im Pflegealltag.

Monika Wiederkehr leitet das Tageszentrum für Demenzkranke in Aarau und die Tagesstätte in Frick. Sie betonte, wie wichtig es ist, pflegende Angehörige zu entlasten, die oft die Hauptlast der Pflege tragen.

Demenz: Eine komplexe Krankheit
Demenz ist eine Erkrankung, bei der Gehirnzellen absterben, was Auswirkungen auf alle Körperfunktionen mit sich bringt. Sie führt zu einem fortschreitenden Verlust geistiger Fähigkeiten und beeinträchtigt auch die körperlichen Funktionen. In der Schweiz sind derzeit etwa 11'960 Menschen im Kanton Aargau und jährlich rund 34'800 Menschen landesweit von Demenz betroffen. Die Kosten der Demenz belaufen sich auf etwa 11,8 Milliarden Franken pro Jahr, wobei die Hälfte dieser Kosten durch das Engagement der Angehörigen getragen wird.
Die Krankheit beginnt oft zehn Jahre vor der Diagnose, und etwa die Hälfte der Betroffenen erhält keine fachärztliche Diagnose. Der Verlauf der Demenz ist unaufhaltsam und endet meist mit dem Tod des Patienten. Zu den häufigsten Symptomen gehören Gedächtnisstörungen, Orientierungsprobleme und psychische Veränderungen wie Depressionen und Angstzustände. Auch der Verlust von körperlichen Funktionen wie Inkontinenz und Schlafstörungen ist typisch.

Auswirkungen auf die Kommunikation
Monika Wiederkehr betonte, dass die Kommunikation mit Demenzkranken zunehmend schwierig wird. Betroffene verlieren die Fähigkeit, komplexe Gedanken zu äussern, und kommen oft nicht mehr zu Wort. Sie stellen wiederholt dieselben Fragen und verlieren das Interesse an vielen Dingen. Besonders wichtig ist es, auf positive Dinge einzugehen und den Betroffenen nicht zu korrigieren. «Reden mit einem Demenzkranken ist wie eine Fremdsprache», sagte Wiederkehr.
Empfohlen wird, Gespräche mit einfachen, positiven Themen zu führen und schnelle Themenwechsel zu vermeiden. Auch sollte man Störreize reduzieren, langsam und klar sprechen sowie Ablenkungen einbauen, um den Gesprächspartner zu entlasten.

Herausforderungen für Angehörige
Die Betreuung eines Demenzkranken ist eine enorme Belastung für die Angehörigen. Der schleichende Verlust des erkrankten Familienmitglieds und die Ungewissheit über die Zukunft stellen eine psychische und physische Herausforderung dar. Angehörige sind oft jahrelang mit der Pflege beschäftigt, was ihre Lebensqualität stark beeinträchtigt. Dies betrifft nicht nur den emotionalen Bereich, sondern auch die finanzielle und soziale Situation.
Wiederkehr erläuterte, dass viele Angehörige sich mehr Verständnis und Anerkennung für ihre Aufgabe wünschen. Sie forderte, dass die Gesellschaft die Pflegeleistung der Angehörigen stärker anerkennt und konkrete Unterstützungsmöglichkeiten bietet.

Entlastungsangebote für Angehörige
Ein zentrales Anliegen von Monika Wiederkehr ist die Entlastung der pflegenden Angehörigen. Das SRK bietet verschiedene Angebote wie Tagesbetreuung, Entlastungsdienst, Fahrdienste und Beratungsdienste an. In den Tageszentren des SRK können Demenzkranke ihre Tage mit strukturierten Aktivitäten wie Kochen, kreativen Arbeiten und sozialen Spielen verbringen. Dies fördert nicht nur ihre geistige Aktivität, sondern bietet den Angehörigen auch eine dringend benötigte Auszeit.
Monika Wiederkehr betonte, dass diese Entlastungsangebote nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für deren Angehörige von unschätzbarem Wert sind. Sie erhalten Zeit für sich selbst, können sich erholen und neue Kraft schöpfen. «Unsere Angebote bieten nicht nur den Betroffenen eine Unterstützung, sondern auch den pflegenden Angehörigen eine wichtige Auszeit», erklärte Wiederkehr.

Eine sinnstiftende Aufgabe trotz der Belastung
Trotz der vielen Herausforderungen, die mit der Pflege von Demenzkranken verbunden sind, betonte Monika Wiederkehr, dass diese Aufgabe auch eine sinnstiftende Dimension hat. Sie ermutigte die Anwesenden, trotz aller Schwierigkeiten die positiven Aspekte der Betreuung zu sehen und die Bedeutung von Unterstützung und Austausch innerhalb der Gesellschaft zu erkennen.
Die Veranstaltung bot den Teilnehmenden eine wertvolle Gelegenheit, sich über die Krankheit Demenz zu informieren und praktische Tipps für den Umgang mit den täglichen Herausforderungen zu erhalten. Sie zeigte auf, wie wichtig es ist, sich frühzeitig mit der Krankheit auseinanderzusetzen und Unterstützung zu suchen, um sowohl den Betroffenen als auch den pflegenden Angehörigen zu helfen.
Die Angebote des SRK Kanton Aargau bieten eine wertvolle Unterstützung für Demenzkranke und deren Angehörige. Weitere Informationen zu diesen Entlastungsangeboten können auf der Webseite des SRK eingesehen werden. (im.)

Bild: Monika Wiederkehr bewies eindrücklich ihre Kompetenz beim Thema Demenz. Foto: Fritz Imhof