Am Wochenende des 6. und 7. Juni steht Zeihen ganz im Zeichen von Motorenlärm, sportlichem Ehrgeiz und gelebter Tradition. Mit der beliebten Schnäpperli-Challenge und einem erstmals seit 75 Jahren wieder durchgeführten Rad-Bergrennen erwartet Besucherinnen und Besucher ein vielseitiges Programm.
SONJA FASLER
Eine alte Festschrift, die das «Rössli»-Wirtepaar Caroline und Robert Probst von einem Stammgast erhielt, brachte den Stein ins Rollen. «Eigentlich ist Radsport nicht meins», sagt Robert Probst schmunzelnd. Aber die Idee, ein Bergrennen nach 75 Jahren wieder nach Zeihen zu holen, liess den «Rössli»-Wirt nicht mehr los.
Robert Probst, der in seiner Freizeit der Leidenschaft für Oldtimer-Mofas frönt, und eigentlich für die Schnäpperli-Challenge verantwortlich ist, wollte nur Ideengeber sein – und schon hing er selbst mit drin. Bei Swiss Cycling Fricktal und dem Velo Moto Club Zeihen stiess er auf offene Ohren und gemeinsam beschloss man, Kräfte zu bündeln und das Bergrennen am Sonntag nach der zum achten Mal stattfindenden Schnäpperli-Challenge durchzuführen. So kann auch das Bergrennen am Sonntag von der Infrastruktur mit Festwirtschaft und Zeitmessung profitieren.
«Lustig und froh, alle Radler sind so»
Am 9. September 1951 wurde der Anlass vom Radfahrerbund Zeihen, wie der Verein damals noch hiess, organisiert. Die Festschrift von anno dazumal vermittelt einen lebendigen Eindruck der Veranstaltung. In seinem «Gruss und Willkomm» schrieb der Radfahrerbund Zeihen gemeinsam mit dem Organisationskomitee: «Der Verein freut sich und fühlt sich geehrt, mit der Durchführung vom Kantonalen Bergrennen beauftragt worden zu sein.» Unter dem Motto «Lustig und froh, alle Radler sind so» sei es der innigste Wunsch des OKs gewesen, dass Radfahrer, Radsportfreunde und Festbesucher «ein paar schöne und unvergessliche Stunden» erleben können. Ein Blick ins damalige Programm zeigt, wie stark der Anlass im Dorfleben verankert war: Der Tag begann bereits um 6.45 Uhr mit einer Frühmesse sowie einem Gottesdienst um 9 Uhr. Gestartet wurde – wie heute – in Hornussen. Am Nachmittag traten Junioren, Senioren und Amateure zum Rennen an. Doch damit nicht genug: Ab 15 Uhr wurde «bei rassigem Tanzorchester» in der Festhütte getanzt, ergänzt durch Darbietungen von Vereinen und Reigenmannschaften. Den Abschluss bildete ab 20 Uhr ein «gros-ser bunter Abend», unter anderem mit Einlagen der mehrfachen Schweizer Meister, den Freien Radlern Dietikon, die mit 6er-Reigen und Kunstfahren begeisterten.
Einst mitgliederstärkster Verein im Dorf
Der VMC Zeihen besteht zwar seit Jahren nur noch auf dem Papier, doch die verbliebenen Mitglieder erklärten sich bereit, den Anlass unter ihr Patronat zu stellen und tatkräftig mitzuhelfen. Der Verein wurde 1921 gegründet. «1943 erhielt der Velo-Club eine eigene Fahne, wurde zu einem festen Bestandteil des Zeiher Vereinslebens und avancierte in den Folgejahren zum mitgliederstärksten Verein von Zeihen. Mit dem ‹Moto› im Vereinsnamen wollte man der aufkommenden Motorisierung Rechnung tragen und wohl auch entsprechend die Motorradfahrer ansprechen», erklärt VMC-Präsident Rolf Basler.
Zu seiner «Blütezeit» war das rege Vereinsleben durch die Teilnahme an Rennen in der Umgebung oder die Organisation eigener Rennen, wie eben beispielsweise das Bergrennen vor 75 Jahren, geprägt. Auch andere, mit dem Radsport verbundene Anlässe wurden organisiert. «Noch heute erinnern sich die älteren Mitglieder gerne an die Organisation der Tour-de-Suisse-Durchfahrt vom 12. Juni 1984 durch das Dorf Zeihen zurück.»
Ab den 2000er-Jahren sei es zunehmend ruhiger geworden, bedauert der VMC-Präsident, der sich von der Idee, das 75-Jahre-Jubiläum als Aufhänger zu nehmen, wieder ein Bergrennen zu organisieren, spontan begeistern liess. Er sieht darin die Möglichkeit, die Vereinsmitglieder wieder einmal zusammenzubringen und dabei nicht nur in Erinnerungen zu schwelgen, sondern ein neues gemeinsames Vereinserlebnis zu schaffen.
Erster Start um 10 Uhr
Das Bergrennen startet in Hornussen und führt über die Hornusserstrasse Richtung Zeihen, vorbei am Festgelände, weiter durch das Dorfzentrum und via Oberzeihen hinauf zum Ziel beim Schiessplatz Eichwald. Der erste Start erfolgt um 10 Uhr. Da die Strecke für ein klassisches Bergzeitfahren zu kurz ist, wird sie von den Fahrerinnen und Fahrern zweimal absolviert. Während für lizenzierte Kategorien eine Startberechtigung erforderlich ist, steht das Rennen in weiteren Kategorien auch Hobbyfahrern sowie Kindern offen. Das Startgeld beträgt 10 Franken für Schüler und 20 Franken für Erwachsene. Während der Rennen kann es zu temporären Sperrungen von Strassen und Kreuzungen kommen.
Bei Swiss Cycling Fricktal, dem regionalen Dachverband der Fricktaler Veloclubs, ist man froh über den neuen Veranstaltungsort. Das Bergrennen ist Bestandteil des traditionellen «Fricktaler Cups», zu dem jeweils vier bis fünf Rennveranstaltungen gehören und allen Rennfahrern und breitensportinteressierten Radfahrern der Region und insbesondere dem Nachwuchs eine Start- und Vergleichsmöglichkeit bietet. «Erfahrungsgemäss nehmen 100 bis 150 Sportler aus dem Fricktal und darüberhinaus an den Rennen teil», heisst es auf der Website von Swiss Cycling Fricktal.
PS-Stärke statt Muskelkraft am Samstag
Den Auftakt zum Zweirad-Wochenende in Zeihen macht am Samstag, 6. Juni, aber erst mal die bereits achte Ausgabe der Schnäpperli-Challenge. Das Töffli-Treffen hat sich längst zu einem Publikumsmagneten entwickelt und zieht jedes Jahr zahlreiche Mofa-Fans aus der ganzen Schweiz ins Dorf. Austragungsort ist das Festgelände bei der Häseli AG an der Hornusserstrasse, wo sich der Start- und Zielbereich befinden.
Der Wettkampf, also die «Challenge», besteht aus zwei Disziplinen: einer Panorama-Rundfahrt durch das Fricktal sowie einem Beschleunigungsrennen. Bei der Rundfahrt gilt es neben der schönen Aussicht verschiedene Posten zu absolvieren. Gestartet wird zwischen 9.30 und 12 Uhr. Parallel dazu zeigen die Teilnehmenden beim Beschleunigungsrennen von 10 bis 15 Uhr, wie schnell ihr Schnäpperli beschleunigt. Gestartet wird in verschiedenen Klassen, die sich nach der PS-Leistung am Hinterrad richten.
Auch die jüngsten Töffli-Fans kommen auf ihre Kosten
Auch für den Nachwuchs ist gesorgt: Zwischen 12 und 13 Uhr gehört die Strecke den jüngsten Töffli-Fans, die mit Elektrotöfflis erste Fahrerfahrungen sammeln können. Ergänzt wird das Angebot durch eine Hüpfburg und – neu in diesem Jahr – eine Abendunterhaltung auf dem Festgelände. Für die Durchführung des Anlasses bleibt die Hornusserstrasse zwischen Zeihen und Hornussen von 7 bis 18 Uhr gesperrt.
Organisiert wird die Schnäpperli-Challenge von einem kleinen Kernteam rund um Caroline und Robert Probst mit Marcel Winkler, Dani Affentranger, Stefan Schaffner und Christian Erhard. Unterstützt werden sie von rund 30 freiwilligen Helferinnen und Helfern sowie von lokalen Gewerbebetrieben, die Infrastruktur und Material zur Verfügung stellen.
Weitere Informationen zum Bergrennen in Zeihen und zur Schnäpperli-Challenge findet man auf den Websites
www.swisscycling-fricktal.ch/fricktaler_cup und www.schnaepperli.ch
Bilder:
Erstes Bild: Er brachte den Stein oder besser die Zweiräder ins Rollen: Robert Probst mit seiner Frau Caroline und VMC-Vizepräsidentin Sonja Basler. Das Mofa hat Robert Probst übrigens für seine Frau in Schuss gebracht und mit einer speziellen Lackierung versehen (natürlich in Oranje für die gebürtige Niederländerin). Foto: Sonja Fasler
Zweites Bild: Der Festführer von anno dazumal. Foto: zVg