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Stein: Startschuss der archäologischen Wanderausstellung und Buchvernissage

Stein: Startschuss der archäologischen Wanderausstellung und Buchvernissage

Die Freude ist dem Kantonsarchächologen Thomas Doppler ins Gesicht geschrieben, als er im gut besuchten Gemeindehaus in Stein die Besucherinnen und Besucher begrüsst, die zur Eröffnung der Wanderausstellung und der gleichnamigen Buchvernissage «1499 – unruhige Zeiten im Fricktal» gekommen sind. 

ANDREA WORTHMANN

«Fast auf den Tag genau vor 525 Jahren gab es eben diese politisch unruhigen Zeiten hier in der Gegend», erklärt Doppler in seiner Eröffnungsrede. Die Habsburger beherrschten die Gegend, eine Grenzregion mit Konflikten und Kriegen. Grosse Schlachten habe es zwar nicht gegeben, aber Raubzüge, bei denen die Menschen ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Er erzählt von den Ausgrabungen, die freiwillige Bodenforscher seit den 80er-Jahren gemacht haben und einen Einblick in diese Zeit erlauben. Diese Arbeitsgruppe der Fricktalisch-Badischen Vereinigung für Heimatkunde (FBVH) fand Gegenstände aus Brandschichten des Spätmittelalters. 

Funde aus dem Schwabenkrieg?
In dieser Zeit fanden auch Brandschatzungen des Schwabenkrieges 1499 statt; dies böte eine mögliche Erklärung dafür. In Stein selbst wurde zwar nichts gefunden, aber dort starteten Märsche durchs gesamte Fricktal. Aus den Funden konnte die Geschichte und das damalige Leben gezeichnet werden. «Mosaikstein für Mosaikstein ergaben ein Bild der Geschichte», so der Kantonsarchäologe. Er bedankte sich schliesslich noch bei den Unterstützern und den 25 Gemeinden, die das Projekt mitfinanziert hatten.24 09 1499 Dreibein

Gemeindeammann Beat Käser freute sich, dass die Ausstellung in seiner Gemeinde startet. Er finde es spannend zu erfahren, wie die Vorfahren gelebt haben und sagt: «Wenn man die Zukunft planen will, muss man die Vergangenheit kennen». Weitere Worte kamen von Miriam Hauser, Präsidentin der FBVH: «Stellen Sie sich vor, es ist Krieg und keiner schaut hin», sagt sie und führt weiter aus, dass sehr wenig bekannt war aus der Zeit. 

Ein weisser Fleck
Was bedeuteten die Plünderungen für die Menschen auf dem Land? Die Zeit sei wie ein weisser Fleck, der nun durch die Funde mit Leben gefüllt werde. Dazu gehört vor allem Haushaltskeramik. Scherben von Gefässen zum Servieren, Ausschenken und Kochen. «Über diese Dinge wird die Vergangenheit sichtbar, sie erzählen etwas über den Alltag der Menschen.»
Andrea Winkler, Autorin der populärwissenschaftlichen Publikation «1499 – unruhige Zeiten im Fricktal» ,berichtete abschliessend noch von den Ergebnissen des Forschungsprojektes. 15 Grabungen über ein Gebiet von 20 Kilometern wurden gemacht. Die Funde stammen aus Eiken, Frick, Gipf-Oberfrick, Kaiseraugst, Kaisten, Möhlin, Oeschgen, Wölfinswil und Zeinigen. 

Höherer Lebensstandard als angenommen
Besonders die Ofenkacheln überraschten mit ihrer hochwertigen Qualität. Dies deute auch auf einen höheren Lebensstandard hin, als angenommen. Verschiedenste Motive seien darauf zu sehen, die gerne Sujets vom höfischen Idealbild der Zeit zeigten. DurchBild 3 Vergleiche mit anderen Ausgrabungen konnten die Funde der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zugeordnet werden. Nach dem Eröffnungsprogramm scharten sich die Besucherinnen und Besucher um die Vitrine und genossen den von der Gemeinde offerierten Apéro.
Die mehr als mannshohe Säule mit rund zehn kleinen Glasvitrinen zeigt Originalteile der Funde. Die Wanderausstellung gastiert bis zum 15. Dezember in 21 Fricker Gemeinden. Im Gemeindehaus in Stein ist die Vitrine noch bis zum 3. März zu bestaunen. Danach wandert sie weiter nach Münchwilen. Eine Liste mit den Stationen und weiteren Informationen finden Interessierte hier: www.fbvh.ch/projekte/1499

Bild 1: Gemeindeammann von Stein, Beat Käser; Autorin des Buches,  Andrea Winkler von der Fricktalisch-Badischen Vereinigung von Heimatkunde (FBVH); Kantonsarchäologe Thomas Doppler; Präsidentin der FBVH, Miriam Hauser.
Bild 2: In den Vitrinen sind Originalexponate der Ausgrabungen zu sehen
Bild 3 und 4: Exponate
Fotos: Andrea Worthmann