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Nadja Wüthrich betreut auf dem Gnadenhof Animal´s Soul in Stein aktuell sieben Pferde. Foto: Peter Schütz
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Eine Zukunft für ausgemusterte Pferde – Gnadenhof Animal’s Soul in Stein lädt zum Blick hinter die «Hoftüren» ein

Zorro, Jahrgang 2005, war weltweit als Galopper auf Rennbahnen unterwegs. Bis der schwarze Wallach quasi ausgedient hatte und ausgemustert wurde. Sein Leben hätte im Schlachthof geendet, doch Nadja Wüthrich hatte einen anderen Plan. Sie nahm Zorro bei sich auf dem Gnadenhof Animal’s Soul in Stein auf und schenkte ihm eine Zukunft, ein zweites Leben.

PETER SCHÜTZ

«Er hatte einen schweren Weg hinter sich», berichtet die Präsidentin des 2018 gegründeten, gemeinnützigen Vereins «Animal’s Soul». Zorro ist kein Einzelfall. Ein anderes Pferd, Ramona, das auf dem Gnadenhof seinen Lebensabend verbringt, war im Polospiel im Einsatz. Oder Punta: Die braune, 27-jährige Stute, stammt aus einer Beschlagnahmung durch das Veterinäramt des Kantons Aargau. Sie war abgemagert und verbissen, litt unter Pilzbefall und Abszessen auf den Hufen. Ihr Leiden ist Punta heute nicht mehr anzusehen, sie erfreut sich guter Gesundheit.
Nadja Wüthrich betreut mit einem kleinen freiwilligen Team aktuell sieben Pferde – die meisten sind ehemalige Sportpferde, alle haben eine Patenschaft. Hinzu kommen drei Esel. «Die Pferde sind hier im Ruhestand», bringt sie es auf den Punkt.

Gutes Miteinander. Nadja Wüthrich und ihre Pferde verstehen sich bestens. Foto: Peter SchützSeit 2020, als Corona ausbrach, betreibt Nadja Wüthrich den Gnadenhof auf einem ehemaligen landwirtschaftlichen Betrieb. Der Verein «Animal’s Soul» hat es sich zur Aufgabe gemacht, sich um heimatlose, misshandelte oder vernachlässigte Pferde zu kümmern.
Der Gnadenhof am Ortsrand von Stein mit acht Boxen, einer Reithalle, einem Aussenstall und Weiden soll eine dauerhafte und sichere Unterbringung für Pferde in Not sein. Die Pferde haben ihre eigenen Boxen und individuelles Futter. Dass hinter dem Projekt viel Arbeit und Engagement steckt, ist Nadja Wüthrich nicht anzumerken. Aber: «Ich hatte auch schon schlaflose Nächte.» Und: «Eine starke Beziehung zu den Pferden reicht nicht aus», weiss sie.
Existenzielle Fragen gehören zum Alltag: Wie und wo soll das Heu, das Futter gekauft werden? Wie können Sponsoren gewonnen werden? Wieviel Werbung ist nötig? Pro Monat kommt sie auf Kosten von bis zu 9000 Franken. Sie weiss: «Spenden allein reichen nicht aus.» Ihre Devise: «Nimm nicht mehr Pferde auf, als du finanzieren kannst.» Denn, so Nadja Wüth­rich: «Man muss den Tieren und dem Betrieb gerecht werden.»

Viel Platz. Nadja Wüthrich an der Boxe von Zorro, einem nicht mehr aktiven Rennpferd. Zorro hält sich grad draussen auf. Foto: Peter SchützViel Erfahrung
Nadja Wüthrich bringt viel Erfahrung im Umgang mit Pferden mit. Schon als Mädchen hat sie zu reiten begonnen. Vor 20 Jahren übernahm sie die Präsidentschaft des Tierschutzbundes Basel Regional, der sich seit 100 Jahren für heimatlose, streunende Katzen und Hunde einsetzt. Die ausgebildete Medizinische Praxisassistentin kennt sich mit tierischen Schicksalen aus. Sie kann auf ein beachtliches Netzwerk zugreifen, immer zum Wohl des Tieres, hat aber auch die Menschen im Blick: Seit Februar 2025 bietet der Verein «Animal’s Soul» in Kooperation mit dem Tierschutzbund Basel Regional am Gnadenhof in Stein Stellen zur Wiedereingliederung und erste Arbeitsversuche für Menschen an, die keinen Zugang mehr zum ersten Arbeitsmarkt haben. Dies erklärt auch die Zusammenarbeit von «Animal’s Soul» mit der IV, RAF und dem Sozialdienst. Der Verein erhält – wie viele andere gemeinnützigen Vereine – keine staatlichen Subventionen, ist also auf Unterstützung, Spenden und Legate angewiesen. Eine Möglichkeit zur Sicherung der Finanzierung des Betriebs ist die Vermietung von Seminarräumen vor Ort.

Schild an der Aussenwand vom Gnadenhof Animal´s Soul in Stein. Foto: Peter Schütz«ProTier»-Hoftage
Am Samstag, 5. September, bietet der Gnadenhof «Animal’s Soul» der Bevölkerung die Gelegenheit, hinter seine Tore blicken zu dürfen. Der Verein nimmt an den schweizweiten «ProTier»-Hoftagen teil.
Die von «ProTier», einer Stiftung für Tierschutz und Ethik mit Sitz in Zürich, organisierten Tage der offenen Tür sollen Besucherinnen und Besuchern «einzigartige Begegnungen mit geretteten Tieren und Einblick in Höfe, auf denen sogenannte Nutztiere ein Leben frei von jeglicher Nutzung führen dürfen», geben. Nadja Wüthrich übernimmt in Stein drei Führungen durch den Gnadenhof «Animal’s Soul», um 11, 13 und 15 Uhr.
 www.animalssoul.ch 

Bilder
Erstes Bild: Nadja Wüthrich betreut auf dem Gnadenhof Animal´s Soul in Stein aktuell sieben Pferde. Foto: Peter Schütz
Zweites Bild: Gutes Miteinander. Nadja Wüthrich und ihre Pferde verstehen sich bestens. Foto: Peter Schütz
Drittes Bild: Viel Platz. Nadja Wüthrich an der Boxe von Zorro, einem nicht mehr aktiven Rennpferd. Zorro hält sich grad draussen auf. Foto: Peter Schütz
Viertes Bild: Schild an der Aussenwand vom Gnadenhof Animal´s Soul in Stein. Foto: Peter Schütz