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Genau 163 Stimmbürgerinnen und -bürger waren am Donnerstagabend in den Saalbau zu Stein gekommen.

Die Stimmbürger von Stein genehmigten alle Anträge des Gemeinderates – auch das Budget 2026 mit einem Steuerfuss von 88 Prozent

Eine sehr umfangreiche Tagesordnung hatten die Steiner Stimmbürger, Gemeinderäte und Verwaltungsmitarbeiter am Donnerstagabend zu bewältigen. Der Souverän billigte mit überwältigenden Mehrheiten die meisten Anträge des Gemeinderates, unter anderem die Investitionen in die Sportanlage.

MICHAEL GOTTSTEIN

Jeweils ohne Gegenstimmen genehmigte das Plenum das Budget 2026, das einen gleichbleibenden Steuerfuss von 88 Prozent vorsieht, und die Sanierung der Brotkorbstrasse. Die Frage nach der Belastung des Trinkwassers mit den «Ewigkeitschemikalien» PFAS dominierte den Punkt «Verschiedenes». Von den 1651 Stimmberechtigten der Gemeinde waren 163 in den Saalbau gekommen.

Kreditabrechnungen wurden genehmigt

Die Gemeinderäte durften die erfreuliche Nachricht überbringen, dass die Planer bei den Kostenschätzungen im Allgemeinen gut gerechnet hatten. Nur die Sanierung der Schulstrasse im Abschnitt Brotkorb/Münchwilerstrasse kostete insgesamt rund 685'000 Franken, das sind knapp 13'000 Franken mehr als vorgesehen. Zurückzuführen ist dies auf Kanalisationsarbeiten, die etwas aufwändiger ausfielen als geplant. Die Abrechnung wurde ohne Gegenstimmen bei 148 Ja-Stimmen gebilligt. Die Gemeinde Stein hatte sich an der Sanierung der Abwasserreinigungsanlage Bad Säckingen beteiligt und in drei Schritten rund 639'000 Franken bewilligt, doch die Investitionskosten lagen erfreulicherweise gut 96'000 Franken unter dem Verpflichtungskredit. Auch diese Abrechnung erhielt 154 Ja-Stimmen ohne Gegenvoten.

Sanierung der Brotkorbstrasse

Die Brotkorbstrasse soll saniert werden.Im Abschnitt Bäumliackerstrasse/Schulstrasse sollen die Brüche an den Leitungen repariert, die Randabschlüsse erneuert und der schadhafte Strassenbelag ersetzt werden. «Es wird eine Strasse für alle», erklärte Gemeinderat Vanik Kaufmann. Man werde die Kanten zum Gehweg hin anschrägen, um den Gehbehinderten und Rollstuhlfahrern den Übergang von der Strasse zum Trottoir zu erleichtern. Acht Monate lang sollen die sektorenweise vorzunehmenden Arbeiten andauern. Parkplätze bleiben erhalten und werden so angeordnet, dass Automobilisten zu langsamerer Fahrweise angehalten werden. Die Stimmbürger billigten den Verpflichtungskredit in Höhe von 1,63 Millionen Franken mit 149 Ja-Stimmen ohne Gegenstimme. Aus dem Plenum gab es Anregungen, Massnahmen zur Erhöhung der Sicherheit von Schulkindern vorzunehmen. Der Abschnitt zwischen Schaffhauser- und Schulstrasse wird zu einem späteren Zeitpunkt saniert.

Sportanlage Bustelbach

Die Sportplatzbeleuchtung aus dem Jahr 1996 soll im nächsten Jahr auf LED-Technik umgerüstet werden. Dafür müssen die alten Masten verstärkt werden, und sechs von ihnen, die derzeit das Hauptfeld beleuchten, sollen durch vier neue, 22 Meter hohe Kandelaber ersetzt werden, die näher zur Feldmitte hin rücken. Neben den 21 neuen LED- Schweinwerfern werden auch neue Lautsprecher installiert. Mit 150 zu null Stimmen wurde der Verpflichtungskredit in Höhe von 373'000 Franken genehmigt.
Umfangreiche Investitionen in die Sportanlage Bustelbach wurden genehmigt. Im Hinblick auf das kantonale Turnfest 2028 in Stein möchte die Gemeinde die Sportanlage mit ungedeckten Tribünenstufen an den Böschungen der beiden Längsseiten ergänzen. Das Projekt sieht den Bau von elf Tribünensektoren (acht an der Südseite, drei im Norden) vor. Insgesamt entstehen 876 neue Sitz- oder Stehplätze, und auf den bestehenden Betonelementen auf der Sportplatzebene finden 250 Personen Platz. Der Verpflichtungskredit von 882'000 Franken wurde mit 138 Ja- bei fünf Nein-Stimmen genehmigt. Vize-Ammann Bernadette Ankli erklärte, dass die Gemeinde unter Umständen Zuschüsse erhalten werde; die entsprechenden Anträge könne man allerdings erst nach der Genehmigung des Verpflichtungskredits stellen.

Teiländerung Bau- und Nutzungsordnung

Gemeinderätin Sabine Datz informierte über die Teiländerung der Bau- und Nutzungsordnung für die Spezialzone Breitenloh. Das Areal wird heute als Parkplatz genutzt und ist im Eigentum der J. Safra Sarasin Anlagestiftung in Basel. Dank der Lage am nördlichen Ortseingang und beim Sisslerfeld ist das Areal von grosser städtebaulicher Bedeutung und laut kantonalem Richtplan Teil des Wohnschwerpunktes Breitenloh/Neumatt. Gegen das ursprüngliche, mit dem Investor ausgearbeitete Konzept waren 42 Einwendungen eingegangen, die bei der aktuellen Überarbeitung Berücksichtigung fanden, so dass bei der jüngsten Offenlage keine Einwände mehr erhoben wurden. Auf dem Areal sollen Wohnungen und Geschäftsräume entstehen, wobei der Wohnanteil erhöht wurde und nun 92 Einheiten vorsieht. Die Bauhöhen im Grenzbereich zu den Einfamilienhäusern wurden reduziert – ein Kompromiss, denn Sabine Datz stellte klar: «Wir werden um verdichtetes Bauen nicht herumkommen.» Durch abgestufte Höhen werden die Mehrfamilienhäuser weniger massiv ausfallen, denn anstelle eines Riegelbaus sollen entlang einer Strasse nun vier unterirdisch miteinander verbundene Einzelgebäude entstehen. Der Eckbau weist sechs Geschosse auf, die beiden angrenzenden Blöcke jeweils vier Geschosse mit Attikageschoss und das vierte Gebäude drei Stockwerke plus Attikageschoss. Die beiden Gebäude entlang der rechtwinklig einmündenden Strasse werden dreigeschossig ausfallen, eines davon wird ein Attikageschoss bekommen. Nähere architektonische Details regelt der Gestaltungsplan. Die Anpassung der Bau- und Nutzungsordnung führt zu einer Wertsteigerung des Grundstücks, und die Mehrwertabgabe von 1,3 Millionen Franken fliesst der Gemeinde Stein zu. Die Teiländerung wurde mit 118 Ja- bei 25 Gegenstimmen genehmigt.

Kauf eines Grundstücks

Mit 137 Ja- bei zwei Nein-Stimmen hiess die Versammlung den Verpflichtungskredit von einer Million Franken für den Kauf der Parzelle 644 von der Firma Novartis gut. Das rund 10'000 Quadratmeter grosse Areal liegt zwischen der Leichtathletikanlage und dem zukünftigen Areal der Kantonsschule und ist daher für die öffentliche Hand von Interesse. «Wir haben die Novartis um eine Million heruntergehandelt, und der Quadratmeterpreis liegt bei rund 100 Franken», berichtete Gemeindeammann Beat Käser.

Das Budget 2026

Das Budget für das kommende Jahr umfasst ein Volumen von 16,8 Millionen Franken (im Jahr 2025 sind es 15,1 Millionen) und schliesst mit einem negativen operativen Ergebnis von 760'000 Franken ab (2025 wird ein Plus von 32'000 Franken erzielt). Der Steuerfuss bleibt bei 88 Prozent. Gründe für die Abweichungen sind höhere Personalkosten, höhere Abschreibungen und ein höherer Transferaufwand, etwa durch den Finanz- und Lastenausgleich und Ausgaben in Zusammenhang mit Bildung. Beat Käser sprach von einem soliden finanziellen Fundament, denn die Gemeinde Stein sei schuldenfrei. Auch wenn die Finanzplanung für die nächsten Jahre weiterhin von negativen operativen Ergebnissen ausgeht, soll der Steuerfuss von 88 Prozent konstant bleiben. Mit 144 Ja-Stimmen wurde das Budget ohne Gegenstimme genehmigt.

Mitteilungen des Gemeinderates

Beat Käser teilte mit, dass die Gemeinde 67'100 Quadratmeter Landwirtschaftsland für knapp 440'000 Franken erwerben möchte. Er begrüsste die grenzüberschreitende Buslinie, deren dreijährige Testphase Ende 2027 starten soll. Vorgesehen ist ein Halbstundentakt während der Stosszeiten, und die Buslinie zwischen den Bahnhöfen Stein und Bad Säckingen soll das Sisslerfeld und eine Haltestelle beim Coop einbeziehen. Besonders erfreulich sei, dass Stein mit dem Fahrplanwechsel im Dezember viertelstündliche Bahnverbindungen nach Basel bekommen werde. Käser teilte mit, dass sich der Gemeinderat für die Erhaltung der Poststelle einsetzen werde. Der Abbau von 550 Arbeitsplätzen bei der Novartis bis Ende 2027 sei «ein Schock für Stein», so der Gemeindeammann, dennoch solle man nicht «in Trübsinn verfallen, sondern positiv nach aussen hin auftreten», schliesslich seien in der Vergangenheit wegfallende Stellen durch Investitionen an anderer Stelle kompensiert worden. Im Namen der Gemeinde dankte er Roland Gröflin, dem Leiter des Bereichs «Bau und Planung», für seine Tätigkeit. Dieser wird in Rheinfelden eine neue Herausforderung annehmen.

Die Trinkwasserfrage

Die Frage nach den «Ewigkeitschemikalien» PFAS im Trinkwasser beschäftigte die Versammlung unter dem Punkt «Verschiedenes». Der Bürger Franz Meier hatte angekündigt, mehrere Anträge zu stellen. Hintergrund ist die Tatsache, dass Stein eine von acht Gemeinden mit dem höchsten PFAS-Anteil im Trinkwasser ist – der schweizerische Grenzwert von 0,3 Mikrogramm pro Liter wird eingehalten, aber der strengere EU-Wert von 0,1 Mikrogramm war bereits punktuell überschritten worden. Die Sisslerfeld-Gemeinden investieren erhebliche Beträge, um die Wasserversorgung sicherzustellen, etwa durch den Bau eines Grundwasserpumpwerks Ägerte im Hardwald. Bei diesem Projekt gebe es Verzögerungen und Mehrkosten durch ein Beschwerdeverfahren, teilte der Gemeindeammann mit. Nach Aussage der Gemeinde werde das Wasser aus dem Hardwald den EU-Grenzwert unterschreiten.

Franz Meier stellte kritische Nachfragen, vor allem zur PFAS-Belastung des Trinkwassers.Besonders kritisch sieht Franz Meier das Wasser aus dem Pumpwerk Bäumliacker, das seiner Darstellung nach zu hohe Chemikalien-Verunreinigungen aufweist. Er ersuchte die Gemeinde zu prüfen, ob dieses Wasser mit Wasser aus anderen Quellen gemischt werden könne, um die PFAS-Belastungen zu reduzieren. «Woher sollte das Wasser kommen, die Nachbargemeinden haben doch das gleiche Problem», erwiderte Beat Käser. Zwar seien Grenzwerte schon einmal überschritten worden, doch «das Amt für Verbraucherschutz sagt uns, dass das Trinkwasser unbedenklich sei, und diese Aussage ist für uns massgeblich». Das Amt empfehle zur Sicherstellung der Trinkwasserversorgung den Bau des Pumpwerks im Hardwald, «aber dies verzögert sich bekanntlich wegen einer Beschwerde», so Käser. Eine längerdauernde Versorgung mit Grundwasser aus dem Pumpwerk Bäumliacker komme nach Inkrafttreten des neuen Höchstwertes nicht in Frage, doch wenn es nur zu einem Notversorgungswerk umdisponiert werde, sei dort keine Aufbereitungsanlage erforderlich, so die Stellungnahme des Amtes. Der Antrag Franz Meiers wurde mit 93 Nein- bei vier Ja-Stimmen abgelehnt. Auch sein Antrag, Bodenproben im Umfeld des Pumpwerks Bäumliacker, besonders auf dem Kinderspielplatz Grün 91, zu untersuchen, scheiterte mit 91 Nein- bei sechs-Ja-Stimmen.

Bild 1: Genau 163 Stimmbürgerinnen und -bürger waren am Donnerstagabend in den Saalbau zu Stein gekommen.
Bild 2: Die Brotkorbstrasse soll saniert werden.
Bild 3: Umfangreiche Investitionen in die Sportanlage Bustelbach wurden genehmigt.
Bild 4: Franz Meier stellte kritische Nachfragen, vor allem zur PFAS-Belastung des Trinkwassers.
Fotos: Michael Gottstein