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Stefanie Hafner während ihres Vortrages im Saalbau in Stein. Foto: Peter Schütz

Dem Fachkräftemangel auf der Spur: Wirtschaftforum des Fricktal Region Planungsverbands in Stein

Das Wirtschaftsforum vom Fricktal Regio Planungsverband ging am Donnerstag dem Fachkräftemangel auf die Spur. Als Massnahmen wurden unter anderem Weiterbildung und Umschulung, Imagekampagnen und Ausbildungsoffensiven vorgeschlagen. 140 Personen nahmen an dem Anlass im Saalbau teil.

PETER SCHÜTZ

Drei Referenten zeigten Lösungsansätze auf: Boris Zürcher, Leiter der eidgenössischen Direktion für Arbeit SECO, Stefanie Hafner Auf dem Podium (von links): Boris Zürcher, Barbara Bourouba, Stefanie Hafner und Moderator Patrick Rohr. Foto: Peter Schützvon der Unternehmensberatung Neoviso sowie Barbara Bourouba, Leiterin Human Resources (Personalwesen) der Erne-Gruppe mit Sitz in Laufenburg. Moderator war Patrick Rohr.

«Attraktiv bleiben»
SECO-Chef Boris Zürcher führte den Fachkräftemangel auf die Konjunktur zurück. In Zahlen: Von 2009 bis 2022 betrug das Beschäftigungswachstum in der Schweiz 803 874 Stellen. Davon entfielen auf das Gesundheits- und Sozialwesen rund 270 000 Stellen. Betroffen vom Fachkräftemangel seien die MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik), Ingenieure sowie IT-Berufe – «unabhängig von der Konjunktur, es ist immer schwierig, gute Leute zu finden», sagte Zürcher. Als Massnahmen schlug er vor: Rekrutierungsanstrengungen, Weiterbildung und Umschulung, Imagekampagnen, Ausbildungsoffensiven. Angebot und Nachfrage an Fachkräften in Übereinstimmung zu bringen sei nicht in erster Linie eine staatliche Aufgabe. Zumal «das liberale Arbeitsrecht der Schweiz Unternehmen und Erwerbstätigen grossen Gestaltungsspielraum bietet», so Zürcher. Die Schweizer Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik würde Anreize setzen und gute Rahmenbedingungen schaffen: zur Nach- und Höherqualifizierung, zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, zur Erwerbstätigkeit bis zum Rentenalter und darüber hinaus sowie zur Förderung von Innovationen. Die Schweiz sei «eine reiche und gleichzeitig alternde Volkswirtschaft» bemerkte er, «die Potenziale sind beschränkt und wo sie existieren, sind sie teuer zu mobilisieren». Ausserdem, so Zürcher, «ist die demographische Wende da.» Die Schweiz sei nicht allein mit diesen Herausforderungen, sagte er, habe jedoch eine Chance, aus einem Pool von über 300 Millionen Erwerbsfähigen rekrutieren zu können. «Sie muss dafür aber attraktiv bleiben», so Zürcher.

Steins Gemeindeammann Beat Käser, Rheinfeldens Stadtammann Franco Mazzi mit Moderator Patrick Rohr (von links). Foto: Peter SchützOhne Zuwanderung kein Wirtschaftswachstum
Was auch eine Rolle bei der Bewältigung des Fachkräftemangels spielt: die Zuwanderung. «Wir brauchen die Leute aus dem Ausland», stellte Zürcher klar, «die Schweiz ist auf Zuwanderung im Rahmen der Personenfreizügigkeit angewiesen». Ohne Zuwanderung, so Zürcher, gebe es kein Wirtschaftswachstum. Aber auch ohne die Jungen. «Wir haben ein Problem mit dem Nachwuchs. Alle wollen die Jungen, wenn wir sie nicht bekommen, können wir den Laden dicht machen», sagte Patrick Rohr. Die Jungen, die die Generation Z (Jahrgang 1997 bis 2012) bilden, haben Ansprüche an die Arbeit: Bedürfnis nach Selbstverwirklichung, Streben nach Sinn und Visionen, Flexibilität, klare und kurz gesteckte Zielvorgaben, schnelle Weiterentwicklung in den ersten 24 Monaten nach Stellenantritt, top motivierte Vorgesetzte. Bei der Arbeitgeberwahl würde das gute Verhältnis im Team an erster Stelle stehen, so Hafner, gefolgt von interessanter Arbeit und flexiblen Arbeitszeiten. Erst an fünfter Stelle würde der Anspruch an einen hohen Lohn stehen. Stefanie Hafners Empfehlung an die Arbeitgeber: «Seid im ganzen Bewerbungsprozess schnell. Speed ist wichtig.» Und: «Sagt den Jungen, sie dürfen sich bewerben, wie es ihnen am liebsten ist: Text, Fotos, Videos.» Man soll nicht davon ausgehen, dass alles klar ist. Hafners Tipp: «Macht es einfach, Fragen zu stellen, zum Beispiel via WhatsApp.» Einen Schritt in diese Richtung hat Erne, eines der führenden Holzbauunternehmen der Schweiz, bereits vollzogen. «Im Bewerbungsgespräch sind wir per du – das passt zu uns», sagte Barbara Bourouba. Ihre Feststellung: «Man muss offen und flexibel sein und mit neuen Trends gehen.»

Der Fricktal Regio Planungsverband
Info. Der Verband. Der Fricktal Regio Planungsverband organisiert seit vielen Jahren das Wirtschaftsforum Fricktal. Das Wirtschaftsforum gilt als wichtiger Treffpunkt für Fricktaler Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.
Als Gemeindeverband engagiert sich Fricktal Regio für eine dynamische Region mit hoher Lebensqualität. Mit
seinen 32 Mitgliedsgemeinden ist Fricktal Regio der grösste Planungsverband des Kantons Aargau.

Bilder:
Stefanie Hafner während ihres Vortrages im Saalbau in Stein. Foto: Peter Schütz
Auf dem Podium (von links): Boris Zürcher, Barbara Bourouba, Stefanie Hafner und Moderator Patrick Rohr. Foto: Peter Schütz
Steins Gemeindeammann Beat Käser, Rheinfeldens Stadtammann Franco Mazzi mit Moderator Patrick Rohr (von links). Foto: Peter Schütz