Nach zweijährigem Unterbruch konnte die Gemeinde Stein ihre Einwohnerinnen und Einwohner wieder zu einem Neujahrsapéro einladen. Nebst dem Rück- und Ausblick des Gemeindeammanns lag der Fokus auf den Ehrungen diverser Sportlerinnen sowie von Fritz Käser für seine grossen Verdienste rund um den FC Stein.
SONJA FASLER HÜBNER
Gemeindeammann Beat Käser blickte auf ein ereignisreiches Jahr 2022 zurück, angefangen mit den Corona-Massnahmen, die am 17.
Februar aufgehoben wurden, während die Welt nur eine Woche später die Hiobsbotschaft des russischen Angriffts auf die Ukraine erreichte. Auch Stein habe geflüchtete Frauen und Kinder aufgenommen, die teilweise bei Privatpersonen untergekommen seien. Man sei also von einer Krise in die nächste geschlittert. Sorgen bereitete der heisse und trockene Sommer, welcher der Wasserversorgung arg zugesetzt habe.
Doch sei nicht alles schlecht gewesen letztes Jahr: Die Gemeindeversammlung vom 3. Juni erteilte dem Antrag zur Teiländerung der Nutzungsplanung «Neumatt Ost» für den Standort der Mittelschule Fricktal grünes Licht. Auch der Regierungsrat gab seinen Segen dazu und der Kanton habe die notwendigen Grundstücke erworben. «Somit steht der Standort der Kantonsschule Fricktal in Stein definitiv fest», führte Käser aus. Und besonder gefreut habe ihn ein Brief von Landammann Alex Hürzeler, in welchem dieser der Gemeindeverwaltung und dem Gemeinderat für die gute Zusammenarbeit gedankt habe. «Auch der Standort des Provisoriums der Mittelschule wird in Stein sein, nämlich auf dem Rasen des Schulareals zwischen Turnhalle und Münchwilerstrasse», so Käser weiter. Baubeginn dafür sei im Juni 2024. Positiv in Erinnerung bleibe auch die Einweihung des neu gestalteten Rheinuferwegs am 11. Juni bei schönstem Wetter. «Erfreut hat der Gemeinderat die Nachricht der Firma Lonza zur Kenntins genommen, einen Produktionsstandort mit bis zu 400 Mitarbeitern zu errichten. So wird das Klumpenrisiko der Firma Novartis kleiner», schloss Käser seinen Rückblick.
Beim Blick auf das laufende Jahr erwähnte er den Start der Um- und Ausbauarbeiten für das Primarschulhaus ab dem 9. Januar sowie die Sanierung der Schulstrasse, Teilstück Münchwilerstrasse-Brotkorbstrasse, welche bis im Frühjahr fertiggestellt sein sollte. Am 10. Januar beginne die Renovation des Hochzonenreservoirs, führte Käser weiter aus. Und auch das Sisslerfeld werde mit Sicherheit ein Thema bleiben. «Der Gemeinderat und die Verwaltung sind motiviert und setzen alles daran, unser Dorf auch im 2023 weiterzubringen», betonte er.
Steinstösserinnen und Volleyballerinnen geehrt
Frau Vizeammann Benie Ankli durfte junge Steinerinnen ehren, die 2022 mit besonderen sportlichen Leistungen geglänzt haben. Allen voran waren das die beiden Steinstösserinnen Sandra Leimgruber und Naomi Christen, welche unter anderem 2022 im Teamwettkampf mit dem 6-kg-Stein die Goldmedaille gewonnen haben, aber auch in Einzelkonkurrenzen brillierten. Ausserdem wurden die in der Gemeinde wohnhaften Volleyballerinnen des VBC Stein geehrt, nämlich Sarah Amstad, Eva Cali, Ana Ayala Perez, Beyza Yldirim sowie Alina und Ilenia Porriciello. Die Mannschaft qualifizierte sich unter anderem zweimal für die Schweizer Meisterschaften und erreichte in Genf einmal den grandiosen 7. Platz. In der Kategroie U17 wurden sie Aargauer Meister. Ilenia Porriciello, die zusätzlich in Möhlin trainiert, holte zusammen mit ihrer Beachvolleyball-Partnerin an den Aargauer Meisterschaften die Silbermedaille.
Die Frau Vizeammann bedankte sich bei allen Vereinen für ihren Sondereffort während der Corona-Zeit. Besonders strich sie dabei die Leistungen von Walter Leimgruber, dem Präsidenten der Betriebskommission der Sportarena Bustelbach, heraus, der für die Einhaltung aller Schutzkonzepte verantwortlich war.
Benie Ankli rief die Bevölkerung dazu auf, der Gemeindeverwaltung Personen zu melden, die sich in irgendeiner Weise verdient gemacht hätten. Oft fänden Leistungen im Stillen statt und fänden keine Erwähnung, bedauerte sie.
Die gute Seele des FC Stein
Besondere Ehren wurden Fritz Käser zuteil. Er habe sich stets für das Dorf eingesetzt und sich besonders um den FC Stein verdient gemacht, hob der Laudator, Gemeinderat Hanruedi Schlatter, hervor. «Fritz ist ist unser lebendiges Geschichtsbuch. Er war 1962 Gründungsmitglied des FC Stein und jahrelang als Aktivspieler tätig.» Er baute die Juniorenabteilung auf und war Trainer verschiedener Juniorenmannschaften und fungierte zusätzlich als Schiedsrichter und Platzwart. Und er setzte sich stark für das neue Clublokal ein. Als Ehrenmitglied, Archivar und Präsident der Supportervereinigung ist er nach wie vor aktiv. «Er ist ein unersetzbares Mitglied unseres FC Stein», fasste Schlatter zusammen.
Vereinssterben bereitet Sorgen
Fritz Käser bedankte sich gerührt. Er sei ob der Einladung zu diesem Abend schon etwas erstaunt, ja sogar irritiert gewesen. «Mit einer solchen Ehrung hatte ich nun wirklich nicht gerechnet.» Es mache ihn tatsächlich etwas verlegen, hier zu stehen, in Anbetracht der vielen Leute im Dorf, die so tolle Freiwilligenarbeit leisteten. «Ich bewundere alle, die sich für hilfsbedürftige Menschen einsetzen, Flüchtlinge aus der Ukraine aufnehmen, sich für die Natur, die Kultur und die Vereine einsetzen, Rotkreuz-Fahrdienst verrichten und anderes mehr»,
betonte er. Umso mehr bereite ihm Sorge, wenn Traditionsvereine wie Männerchor, Musikgesellschaft, Samariterverein, Velo-club und andere aus dem Dorfleben verschwänden. «Dass weitere Vereine wie beispielsweise der Gemeinnützige Frauenverein in ihrer Existenz ernsthaft gefährdet sind, sind für mich Hiobsbotschaften.» Unverbindlichkeit und Eigennutz dominierten heute leider und er wünsche sich eine Trendumkehr. «Meine Motivation, auch weiterhin etwas für das Gemeinwohl zu leisten, bleibt. Ich bin in Stein verwurzelt und habe dieses Dorf gern», schloss er seine Dankesrede.
Musikalisch umrahmt wurde der Anlass mit dem anschliessenden Apéro, der regen Zuspruch fand, von Kurt Kopp aus Münchwilen mit seiner Handorgel.