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Von links: Regierungsrat Alex Hürzeler mit Gründungsmitglied Viktor Bäumlin und Stiftungsratspräsident Hans A. Wüthrich. Foto: Lilia Staiger

50 Jahre MBF: Ein Jubiläum der Extraklasse mit rund 2000 Besucherinnen und Besuchern am Tag der offenen Tür in Stein

Am vergangenen Samstag feierte die Stiftung MBF auf dem Areal in Stein ihr 50-jähriges Bestehen, mit geladenen Gästen sowie insgesamt 2000 Besucherinnen und Besuchern aus Stein und dem gesamten Fricktal beim Tag der offenen Tür. fricktal.info war beim Anlass dabei und hat zahlreiche Eindrücke vom umfangreichen Festangebot gesammelt.

LILIA STAIGER

Das Apéro-Festbuffet wurde vom Küchenteam der Stiftung MBF zubereitet. Foto: Lilia StaigerAlles begann mit einer kleinen Werkstatt in Kaisten, in der sechs Personen in der Vereinigung Werkstätte für Behinderte (WBF) am 21. Januar 1974 eine Montagetätigkeit aufnahmen. Später folgte der Umzug der WBF nach Rheinfelden in die Räumlichkeiten von Feldschlösschen, wo eigens für die Stiftung ein Umbau umgesetzt wurde. Schliesslich wagte die WBF einen Neubau in Stein und zog 1986 in diesen um. 1988 wurde die Stiftung zur Förderung Behinderter im Raum Rheinfelden (FBR) errichtet, und im Jahr 2000 übernahm die Stiftung MBF die Aktivitäten der beiden Vorgängerstiftungen WBF und FBR. Der heutige Hauptstandort in Stein wurde stetig erneuert und erweitert, zuletzt mit dem grossen Neubau «Widacher» im Jahr 2019. Ebenfalls ein wichtiger Meilenstein waren die Übernahme der Trägerschaft und 2021 der Bezug der Heilpädagogischen Schule Fricktal (HPS) in Mumpf.

In den Ateliers boten die Mitarbeitenden ihre selbst hergestellten Produkte an. Foto: Lilia StaigerBetreutes Wohnen und kreative Arbeitsplätze
Die Stiftung MBF begleitet nun seit 50 Jahren Menschen mit Unterstützungsbedarf und ist im Fricktal die mit Abstand grösste Sozialinstitution ihrer Art – sie ermöglicht heute 366 Menschen mit Unterstützungsbedarf ein selbstbestimmtes Leben. Dazu zählen das individuelle Wohnen an fünf Standorten im Fricktal und das betreute Wohnen in Eiken, Möhlin und in Rheinfelden. In den Ateliers in Stein entstehen an barrierefreien Arbeitsplätzen Produkte für die Läden und Märkte der Stiftung MBF. Des Weiteren werden Produktions- und Dienstleistungen, unter anderem aus den Bereichen Metall- und Holzbearbeitung, Montage, Verpackung und Gartenpflege angeboten. Vor Ort gibt es geschützte Arbeitsplätze, die um Einsätze am ersten Arbeitsmarkt mit Betreuung durch geschultes Fachpersonal ergänzt werden.
In den Ateliers boten die Mitarbeitenden ihre selbst hergestellten Produkte an. Foto: Lilia StaigerBereits ab 10 Uhr morgens trafen am Samstag zahlreiche Besucherinnen und Besucher bei sonnigem Spätsommerwetter auf dem Areal der Stiftung MBF ein – kurz vor 11 Uhr war das mehrstöckige Parkhaus bis in die höchste Ebene belegt. Für Kinder gab es eine Schatzsuche, einen Ballonstand und später eine Clown-Show sowie weitere Unterhaltung. Zahlreiche Food-Trucks sorgten für ein vielseitiges kulinarisches Angebot, und in der Fotobox wurden lustige Bilder gemacht.

Gründungsmitglied René Probst (links) und der langjährige Geschäftsführer Werner Fasel beim Apéro. Foto: Lilia StaigerFestakt mit Moderation
Um 11 Uhr begann der offizielle Festakt im Lindensaal, an dem geladene Gäste teilnahmen, darunter diverse Vertreterinnen und Vertreter aus der Politik sowie ehemalige und amtierende Mitglieder des Stiftungsrats der MBF und der Geschäftsleitung.
Ein Moderationsteam, bestehend aus Mitarbeitenden der Stiftung (Menschen mit Unterstützungsbedarf), führte durch das Programm. Martin Weiss, Präsident des Bewohnendenrats und seit 12 Jahren bei der Stiftung MBF, und Willi Solberger, Präsident des Mitarbeitendenrats und seit 13 Jahren bei der MBF als Küchenmitarbeiter tätig, begrüssten die Gäste.

Würdigung prägender Persönlichkeiten
Stiftungsratspräsident Hans A. Wüthrich betonte in seiner Rede, dass die heutige Existenz der Stiftung MBF «einzigartigen Persönlichkeiten, die mit Weitblick, Mut, hohem Engagement und grosser Beharrlichkeit eine Vision verfolgt haben» zu verdanken sei. Er ehrte die heute noch lebenden Gründungsmitglieder Verena Bachmann, Viktor Bäumlin, Hermine Hintermann, Silvia Obrist, René Probst und Franz Weiss. Viktor Bäumlin und René Probst waren anwesend und bekamen von Mitarbeiter Jan Grenacher ein Präsent überreicht. René Probst war der erste Vereinspräsident und gleichzeitig auch Betriebsleiter der WBF. Ebenfalls würdigte Hans A. Wüthrich Rudolf Vogel, den ehemaligen Präsidenten der FBR. Auch der anwesende Werner Fasel, der die Stiftung 27 Jahre lang (von 1979 bis 2006) «mit grosser Umsicht» geleitet hat, wurde stellvertretend für die Geschäftsführer geehrt. Der Stiftungsratspräsident würdigte des Weiteren Jean-Paul Schnegg, der die Stiftung während 13 Jahren als Geschäftsführer (von 2006 bis 2020) prägte und leider 2020 früh verstarb. Vertretend für die 13 Vereinspräsidentinnen und -präsidenten wurden Alois Leuthard (Vereinspräsident 2004–2014) und für die sechs Stiftungsratspräsidentinnen und -präsidenten Ursula Brun Klemm, (Stiftungsratspräsidentin 2000–2020) geehrt.
Einen besonderen Dank sprach Hans A. Wüthrich unter anderem Hansueli Bühler, ehemaliger Gemeindeammann von Stein, aus, der sich 30 Jahre lang «mit vorbildlichem Engagement für Menschen mit Unterstützungsbedarf im Fricktal eingesetzt hat.»

Die Kinder freuen sich über Ballons vom Ballonstand. Foto: Lilia Staiger
«Dogmatismus ist nicht zielführend»

Zum Abschluss seiner Rede hatte Hans A. Wüthrich noch ein besonderes Anliegen: Sorge bereite ihm die in der Gesellschaft feststellbare Polarisierung und dadurch auch eine spürbare Verhärtung der geführten Diskussionen zu dem durch die UNO-Behindertenrechtskonvention (2014 ratifiziert) angestossenen Thema der Inklusion, zum Beispiel für und gegen Inklusion in der Schule. Seine Überzeugung sei hierzu, dass Dogmatismus nicht zielführend sei. Der Weg der Stiftung MBF sei es, «unter Einbezug der Menschen mit Unterstützungsbedarf pragmatisch passende Lösungen in einem nie endenden Lernprozess [zu] finden.»

Ansprachen der Geschäftsleitung
Auch die Mitglieder der Geschäftsleitung der Stiftung MBF Nicole Füllemann McMenamin, Roland Baumgartner, Zbigniew Gruchola und Urs Jakob hielten Ansprachen. Roland Baumgartner berichtete unter anderem von neuen Projekten wie der Zusammenarbeit mit dem Wohnwerk Basel: Seit Frühling 2024 bereiten Mitarbeiter der MBF die Sitzungsräume im Roche-Tower in Basel vor und halten die Kaffeestationen aller Etagen sauber. Ein weiteres Projekt ist die Bioklappenbewirtschaftung im unteren Fricktal in Zusammenarbeit mit dem GAF, und weitere seien in der Pipeline.

Grussworte von Regierungsrat und Gemeindeammann
Unzählige Menschen hätten mit Herzblut an dem heutigen Erfolg der Stiftung gearbeitet, betonte Alex Hürzeler, Regierungsrat des Kantons Aargau, der die Stiftung MBF seit 2009 begleiten darf, in seiner Ansprache. «Diese Leistung verdient unseren Respekt», fügte er an. Alex Hürzeler unterstrich auch die bedeutende Stellung der MBF, die unter anderem mit 120 geschützten Arbeitsplätzen und 100 Sonderschulplätzen die grösste Fricktaler Einrichtung für Menschen mit Unterstützungsbedarf sei.
Beat Käser, Gemeindeammann von Stein, erwähnte, dass die Stiftung MBF einen Massstab gesetzt habe und mit ihrem Engagement für die Menschen, die nicht die grössten Chancen im Leben haben, den grössten Respekt verdiene. «Wir in Stein sind stolz auf diesen Einsatz; die Stiftung MBF hat unsere Dorfgemeinschaft bereichert», ergänzte er.

Zahlreiche Besucherinnen und Besucher stehen standen bei den Foodtrucks an. Foto: Lilia StaigerEinblicke in die Wohngruppen und Ateliers
Im Anschluss an den Festakt und den Apéro luden die Gastgeber dazu ein, das umfassende Angebot des Tags der offenen Tür wahrzunehmen. Einblicke bekamen die Besucherinnen und Besucher zum einen in die Wohngruppen, zum anderen in die geschützten Arbeitsplätze in den Ateliers, wo die von den Mitarbeitenden selbst hergestellten Produkte zum Verkauf angeboten wurden.
Die Bewohnerinnen und Bewohner freuten sich, den Gästen ihre Wohngruppen zu zeigen. Eine von ihnen ist Bernadette Bauer; sie ist Mitarbeiterin in der Verpackung 1. Die Betreuerinnen und Betreuer der Wohngruppen standen den Besuchern zudem Rede und Antwort. So auch Tabea Stucki, Fachfrau Betreuung in der Wohngruppe Weiss: «Ich schätze die direkte Art der Bewohnerinnen und Bewohner sehr und das familiäre Arbeitsklima.»
In dieser Wohngruppe, die helle Räume sowie grosszügige Gemeinschaftsbereiche und eine Terrasse mit Garten bietet, wohnen vor allem junge Menschen (ab 19 Jahren) mit Unterstützungsbedarf. Alle Bewohner der Wohngruppe arbeiten bei der Stiftung.

Heilpädagogik verstehen
In dem «Erlebnisraum Autismus» konnte man bei einem 1,5-minütigen Film eine Vorstellung davon bekommen, welche Sinneseindrücke ein Kind mit Autismus bei einem Besuch in einem Einkaufszentrum erlebt.
Heilpädagogin Regina Hegi, Angestellte bei der HPS, zeigte ausserdem anhand von Piktogrammen, wie sie ihre Schülerinnen und Schüler, die kognitive Einschränkungen haben, bei der Kommunikation unterstützt.
Zahlreiche Familien waren mit ihren Kindern gekommen, um das Fest zu geniessen und zu sehen, wie in der Stiftung gewohnt und gearbeitet wird – so auch Tanja Inderwildi. Sie arbeitet seit sieben Jahren als Fachfrau Betreuung in der Wohngruppe Blau und kommt jedes Jahr mit ihrer Familie zum Tag der offenen Tür: «Jedes Jahr gibt es hier wieder etwas Neues zu entdecken; es ist immer spannend.» Bis 15 Uhr durften die Gäste das vielseitige Angebot nutzen und gemeinsam mit der Stiftung MBF ein ganz besonderes Jubiläum feiern.

Bilder:
1. Von links: Regierungsrat Alex Hürzeler mit Gründungsmitglied Viktor Bäumlin und Stiftungsratspräsident Hans A. Wüthrich.
2. Das Apéro-Festbuffet wurde vom Küchenteam der Stiftung MBF zubereitet.
3. + 4. In den Ateliers boten die Mitarbeitenden ihre selbst hergestellten Produkte an. 
5. Gründungsmitglied René Probst (links) und der langjährige Geschäftsführer Werner Fasel beim Apéro.
6. Die Kinder freuen sich über Ballons vom Ballonstand.
7. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher stehen standen bei den Foodtrucks an.
Fotos: Lilia Staiger