Die Idee einer Fusion mit der Nachbargemeinde Stein hat in Sisseln einen schweren Stand. Dies das Fazit nach einer mit über 160 Personen sehr gut besuchten Informationsveranstaltung. Grundtenor: «Wir können uns die Eigenständigkeit leisten.» Und überraschender Zusatz: «Wenn Fusion, dann tendenziell eher mit allen vier Sisslerfeld-Gemeinden.»
JÖRG WÄGLI
Sisseln und Stein überraschten Mitte Februar mit der Einladung zu zwei gleichzeitig stattfindenden Informationsveranstaltungen zum Thema «Sisseln und Stein als eine Gemeinde – was meinen Sie dazu?». Gestern Abend war es so weit, jeweils um 19.30 Uhr in der Turnhalle Sisseln und im Saalbau Stein.
In Sisseln wies Gemeindeammann Rainer Schaub einleitend nochmals darauf hin, wieso nach Ansicht der beiden Gemeinderäte jetzt der richtige Zeitpunkt sei, einen Zusammenschluss zu prüfen, die Stimmung in der Bevölkerung auszuloten. «Wir stehen ganz am Anfang und möchten spüren, wie die Bevölkerung zu diesem Vorhaben steht.» Und: «Sie geben den Takt vor und sagen, wohin die Reise hingeht.» Entsprechend, so Schaub, solle der Abend einerseits Informationsanlass sein, vor allem aber auch ein Austausch zwischen Gemeinderat und Bevölkerung.
In guten Zeiten vorsorgen
Vorerst zeigte Rainer Schaub auf, wieso der Gemeinderat den Fusionsgedanken aufgenommen hat – ohne «zwingenden Grund und ohne Zeitdruck, aus einer Position der Stärke heraus». Die Anforderungen, vor allem auch für kleinere Gemeinden, würden kontinuierlich steigen und der Gemeinderat sei der Ansicht, dass in guten Zeiten vorgesorgt werden sollte. Entsprechend sei mit Blick in die Zukunft die Prüfung einer Zusammenarbeit mit all ihren Chancen und Risiken zumindest prüfenswert. Dabei sei Stein ein Partner «auf Augenhöhe». Eine Fusion aller vier Sisslerfeld-Gemeinden (Eiken, Münchwilen, Sisseln und Stein), so Schaub, sei derzeit zu komplex, als Ausbau zu einem späteren Zeitpunkt jedoch durchaus denkbar. «Doch die Gleichartigkeit ist bei den vier Gemeinden nicht im selben Masse vorhanden wie zwischen Stein und Sisseln», führte der Gemeindeammann aus.
Viele Voten
Rainer Schaubs Einladung zur Meinungsäusserung nahmen die in der vollbesetzten Sissler Turnhalle Anwesenden gerne an. Dabei stiess die Fusionsidee mehrheitlich auf Skepsis und Ablehnung. Der Verlust an Eigenständigkeit wurde mehrfach als Begründung genannt, aber auch, dass grössere Gebilde träge seien, Flexibilität und die Möglichkeit zum raschen Handeln verloren gehe. Weiter wurde darauf hingewiesen, dass es zu früh sei, über eine Fusion nachzudenken, sich Sisseln vorerst die Eigenständigkeit leisten könne, ganz nach dem Motto «lieber etwas mehr Steuern zahlen und dafür die Selbstständigkeit behalten», wie es ein Versammlungsteilnehmer formulierte.
Vierer-Fusion?
Etwas überraschend wurde mehrfach auch betont, dass wenn schon eine Fusion geprüft werden solle, dann bitte mit allen vier Sisslerfeld-Gemeinden. Dies sei zukunftsorientierter und werde früher oder später ohnehin Thema. Auch wurden Zweifel an der erwähnten Gleichartigkeit der beiden Gemeinden Stein und Sisseln geäussert. In der Gemeinde Stein werde politikorientierter agiert, in Sisseln sachorientierter, wurde etwa erwähnt.
Selbstverständlich fielen auch Voten zugunsten der angedachten Fusionsabklärungen. Es müsse an spätere Generationen gedacht werden und es sei richtig, heute mehr wissen zu wollen, wurde etwa betont. Insgesamt musste der Sissler Gemeinderat aufgrund der Wortmeldungen jedoch zur Kenntnis nehmen, dass das Vorhaben eher einen schweren Stand haben dürfte, das «zarte Pflänzchen», welches die Fusionsidee heute noch darstelle (so Gemeindeammann Schaub), auf steinigem Boden steht und seine Wachstumschancen ungewiss sind.
«Es war wichtig, dass wir viele Stimmen gehört haben», betonte Rainer Schaub nach gut einer Stunde, als die Diskussion erschöpft war. Die vielen Wortmeldungen würden nun ausgewertet und im Gemeinderat das «Wie weiter?» diskutiert – ohne Druck und Zwang, sagte Rainer Schaub und lud zum Apéro ein, welcher Gelegenheit zu weiteren 1:1-Gesprächen bot.
Bilder
Erstes Bild: Gemeindeammann Rainer Schaub lädt zu Meinungsäusserung ein. Foto: Jörg Wägli
Zweites Bild: Rainer Schaub erläutert, wie es weitergehen könnte. Foto: Jörg Wägli
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