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Die Fridolinskapelle in Sisseln. Foto: Jörg Wägli

200 Jahre Kapelle Sisseln – Festschrift erschienen – Festgottesdienst mit anschliessendem Festakt am Sonntag

Die Fridolinskapelle in Sisseln ist dieses Jahr 200 Jahre alt. Ein Jubiläum, das würdig gefeiert werden will – mit einer Festschrift sowie einem Festtag mit musikalischem Festgottesdienst und einem in ein Spaghettiessen eingebundenen Festakt am nächsten Sonntag (siehe unten).

JÖRG WÄGLI

«Die Fridolinskapelle gehört nebst den Wegkreuzen zu den sieben Kulturobjekten in Sisseln», schreibt Gemeindeammann Rainer Schaub in der druckfrischen Festschrift im Grusswort des Gemeinderates. «Die dem hl. Fridolin geweihte Kapelle ist für Sisseln ein Denkmal von besonderer Bedeutung. [...] Die Kapelle ist wie eine Insel, die mich einlädt zu Besinnung», hält Diakon Urs Buser aus Stein zur Bedeutung der Kapelle für das Dorf Sisseln fest. Und Walter Wicky, Präsident des Kapellenvereins, meint unter anderem: «Die Fridolinskapelle gehört zu Sisseln wie der Rhein. Beides hat seine Anziehungskraft, je nach dem inneren Bedürfnis jedes einzelnen. Einmal sucht man Entspannung, Erholung, Abwechslung am Rheinufer; ein andermal Stille, Friede, Stärkung, Spiritualität in der Kapelle, unabhängig davon, ob man sich zu einer Religion zugehörig fühlt oder nicht.»
Wie Historiker Linus Hüsser, welcher den Kapellenverein bei der Erarbeitung der Festschrift massgeblich unterstützt hat, fricktal.info auf Anfrage erklärt, stehen im Fricktal noch drei Dorfkapellen aus dem 19. Jahrhundert: Oberhof (1818), Sisseln (1823) und Oberzeihen (um 1840). Von diesen Kapellen ist diejenige von Sisseln die grösste.

Nach der Sanierung erstrahlt die Fridolinskapelle in neuem Glanz. Foto: Jörg WägliKapelle statt Pfarrkirche
In allen drei Dörfern gibt es keine Pfarrkirche. «Den Einwohnern dieser Dörfer war es jedoch ein grosses Anliegen», so Hüsser weiter, «vor Ort Kapellen zu haben, in denen der Pfarrer Messen lesen konnte und die Gläubigen Andachten und individuelle Gebete verrichten konnten. Dieses Bedürfnis war so gross, dass die Sissler ohne die endgültige Baubewilligung des Kantons mit dem Kapellenbau begannen.» Möglicherweise hätten ihnen, so der Historiker, die Oberhöfler als Vorbild gedient, die wenige Jahre zuvor ihr Gotteshaus ohne kantonale Baubewilligung erstellt und «Aarau» damit verärgert hätten.
Wie Hüsser weiter ausführt, konnte der Bau dieser Kapellen nur Dank viel Fronarbeit der Dorfbevölkerung verwirklicht werden. Zur Innenausstattung erklärt der Historiker, dass nicht üppiger Barock oder verspieltes Rokoko das Innere der Fridolinskapelle präge, sondern der schlichte, eher streng wirkende Klassizismus. Sie sei denn auch die einzige Kapelle des Fricktals mit einer künstlerischen Innenausstattung in der Formensprache des Klassizismus.

Walter Wicky, der Präsident des Kapellenverein, freut sich über die Festschrift und auf den bevorstehenden Jubiläumsanlass. Foto: Jörg WägliFestschrift
Der Bau der Kapelle sowie seine ganze Vorgeschichte sind in der vor Kurzem druckfrisch von der Mobus AG in Stein ausgelieferten Festschrift, welche unter anderem auch in der Kapelle für Interessierte aufliegt, beschrieben. So erfährt der Lesende hier beispielsweise auch, dass sich die kleine Gemeinde Sisseln mit dem Kapellenbau offenbar überfordert hatte, sie nicht zuletzt die Kosten für die Innenausstattung unterschätzt hatte, im Jahr 1825 jedoch die Bitte um einen Staatsbeitrag «an den unternommenen Kapellenbau» von der Kantonsregierung abgelehnt wurde.
Ausführlich beschrieben sind in der Festschrift aber auch die Innenausstattung und die liturgischen Geräte sowie die Entstehung und Entwicklung des 1947 gegründeten Kapellenvereins, in dessen Verantwortung die Kapelle samt Kapellengut übergeben wurde. Seither obliegen dem Verein die Verwaltung und der Unterhalt der Kapelle. Die nötigen Mittel werden einerseits durch Mitgliederbeiträge und freiwillige Zuwendungen aufgebracht, andererseits seit 1970 durch einen jährlichen Zustupf der Kirchgemeinde Eiken-Münchwilen-Sisseln in der Höhe von 15 Prozent des jeweiligen Kirchensteuerbetrages der Sissler Katholiken. Zudem werden in den Jahresrechnungen der Kirchgemeinde für grössere Unterhalts- und Sanierungsaufwendungen der Kapellen Münchwilen und Sisseln je 10 000 Franken zweckgebunden zurückgestellt. Diese Rückstellungen konnten nun auch zur Finanzierung der umfassenden Sanierungsarbeiten hinsichtlich des 200-Jahre-Jubiläums der Fridolinskapelle herangezogen werden. 120 000 Franken erhielt der Verein aus diesen zweckgebundenen Rückstellungen für die Renovation. Über diesen Zuschuss sei man beim Kapellenverein natürlich froh gewesen, heisst es in der Festschrift, da wegen unvorhergesehenen Arbeiten, wie sie bei jeder Renovation vorkommen würden, die Kosten überschritten worden seien und sich schliesslich auf insgesamt 165 000 Franken beliefen. Dazu kommen die Kosten für die neuen Sitzbänke im Betrag von rund 75 000 Franken, welche der Verein möglichst über eine Spendenaktion finanzieren möchte. Aktuell, so heisst es in der Festschrift, seien über 30 000 Franken eingegangen. Der Festsonntag bietet nun sicher beste Gelegenheit, den Spendenbarometer nochmals ansteigen zu lassen.

In der Festschrift finden sich auch Erläuterungen zu den Fensterbildern; auf dem Foto das Anna-Fenster von 1928. Foto: Jörg WägliFestgottesdienst und Jubiläumsfest
Am kommenden Sonntag, 5. März, findet um 10 Uhr der feierliche Gottesdienst zum 200-Jahre-Jubiläum der Fridolinskapelle statt. Der Jodelclub Laufenburg/Rheinfelden singt die Jodlermesse. Mit dabei ist auch das Alphornterzett Wicky/Hauser, welches von Simone Küpfer an der Orgel begleitet wird.
Da in der Fridolinskapelle nur etwa 100 Sitzplätze zur Verfügung stehen, wird der Gottesdienst in Bild und Ton in die Turnhalle übertragen. Hier können sich die Festbesucher im Anschluss an den Festgottesdienst beim Spaghettiplausch sowie vom Dessert-/Kuchenbuffet verwöhnen lassen. Zudem erwartet die Besucher in der Turnhalle eine Powerpoint-Präsentation der umfassenden Kapellensanierung im vergangenen Jahr, musikalische Unterhaltung sowie – nach dem Essen – ein offizieller Festakt mit Begrüssung durch Walter Wicky, den Präsidenten des Kapellenvereins, sowie Grussworten des Sissler Vizeammanns Ralf Dümpelmann.

Bilder
Erstes Bild: Die Fridolinskapelle in Sisseln. Foto: Jörg Wägli
Zweites Bild: Nach der Sanierung erstrahlt die Fridolinskapelle in neuem Glanz. Foto: Jörg Wägli
Drittes Bild: Walter Wicky, der Präsident des Kapellenverein, freut sich über die Festschrift und auf den bevorstehenden Jubiläumsanlass. Foto: Jörg Wägli
Viertes Bild: In der Festschrift finden sich auch Erläuterungen zu den Fensterbildern; auf dem Foto das Anna-Fenster von 1928. Foto: Jörg Wägli