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Von links: Vikar Felix Berki, Pfarrer Jonas Meier, Pfarrerin Laura Klingenberg und Kirchenpflegepräsident Dr. med. Roland Arnold; darüber das Fenster mit der Taube in der reformierten Kirche Rheinfelden. Foto: Klaus-Christian Hirte
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Zwei neue Pfarrpersonen für die reformierte Kirche Rheinfelden

(af) Das Pfarrteam der reformierten Kirchgemeinde Region Rheinfelden befindet sich im Umbruch. Die Pfarrstelle in Magden sowie ein Teilpensum in Rheinfelden sind derzeit vakant und durch Stellvertretungen besetzt. Und im Frühjahr wird der langjährige Rheinfelder Pfarrer Leszek Ruszkowski-Hauri in den Ruhestand gehen. In der ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung am vergangenen Sonntag im Anschluss an den Gottesdienst sind nun zwei neue Pfarrpersonen gewählt worden.

Das Eingangsspiel klang aus, zwei junge Menschen – eine Frau und ein Mann um die Dreissig – traten nach vorn, begrüssten die zahlreichen Anwesenden, stellten sich vor. Pfarrer Jonas Meier ist seit Sommer letzten Jahres als Stellvertreter in Rheinfelden, Pfarrerin Laura Klingenberg derzeit als Stellvertreterin in Ormalingen tätig. Im Eingangsgebet sprach Laura Klingenberg Gott in weiblicher Form als göttliche Geistkraft an. Im Predigttext, den sie anschliessend vortrug, war die Rede von eben dieser Geistkraft, die sich bei der Taufe als Taube auf Jesus niedersenkt (Matthäus 3, 13-17).

Darüber sprach Jonas Meier in seiner Predigt. Ausgangspunkt war das Fenster in der Rheinfelder Kirche, auf dem eine Taube dargestellt ist. Diese, stellte sich Jonas Meier vor, nehme uns mit auf eine Reise durch Raum und Zeit, die unter anderem ans Ende der Sintflut führte, wo die Taube den Ölzweig zur Arche Noah bringt. Weiter führte die Reise vom Rhein an den Jordan, dorthin, wo vor zwei Jahrtausenden Johannes der Täufer Jesus tauft.

«Sky» und «Heaven»

Gleichsam aus der Vogelperspektive schilderte Jonas Meier das Geschehen. Der Himmel öffnet sich, wobei es, wie Meier betonte, hilfreich sei, mit der englischen Sprache zwischen «Sky» und «Heaven» zu unterscheiden. «Sky» stehe für den «Raum mit Sonne und Heissluftballonen», «Heaven» für das Reich Gottes, die göttliche Wirklichkeit. Dass der «Heaven» auf Erden erfahrbar werde, dass wir ihm Raum geben, zum Beispiel, wenn wir Gottesdienst feiern, «indem wir unsere Herzen für die himmlische Geschichte öffnen», das ist Jonas Meiers Wunsch für sein Wirken in der Gemeinde. «Ich bin gern mit Ihnen unterwegs im Glauben, auf dass sich der Himmel immer wieder neu öffnet. So wird die Taube lebendig und fliegt über uns, Gottes Geistkraft, die uns treu begleitet», sagte er zum Schluss seiner Predigt.

Im Anschluss an den Gottesdienst lud der Präsident der Kirchgemeinde, Roland Arnold, zur ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung ein, in der die beiden als Pfarrerin bzw. Pfarrer gewählt wurden. Jonas Meier brauchte sich nicht mehr vorzustellen. Als er im Sommer, nach dem Theologiestudium in Zürich, Marburg, Bern und Berlin und dem Vikariat am Basler Münster, frisch ordiniert seine Arbeit aufnahm, wurde für ihn und die Gemeinde rasch spürbar, dass es passt. «Das Team und die Gemeinde haben mich herzlich aufgenommen. Mich begeistern die vielen engagierten Menschen und die spannenden kirchlichen Projekte, gern werde ich weiterhin Teil davon sein und meine Fähigkeiten und Leidenschaften bestmöglich einbringen», sagte er.

Gott als pure Lebendigkeit

Laura Klingenberg, die der Gemeinde noch nicht bekannt war, stellte sich vor ihrer Wahl vor: Sie hat nach einer Erstausbildung zur Sozialarbeiterin an der Universität Basel Theologie studiert. Es seien existenzielle Fragen, die sie dazu getrieben hatten, erzählte sie. Dass man mit Menschen auf Augenhöhe persönliche Themen besprechen und sie in unterschiedlichen Lebenssituationen begleiten dürfe, mache den Pfarrberuf so wertvoll und interessant. Laura Klingenberg erwähnte, dass Gott für sie verschiedene Facetten habe, auch weibliche. «Gott», sagte sie, «ist für mich pure Lebendigkeit, ist Atem und das, was in uns nach Gerechtigkeit lechzt». Die junge Pfarrerin lebt mit ihrer Familie in Pratteln; in ihrer Freizeit ist sie – wandernd, joggend, skifahrend – so oft wie möglich in der Natur unterwegs. «Auch das Musizieren, Lesen und Theaterspielen gehören zu den Dingen, die mir guttun», fuhr Klingenberg fort und sagte zum Schluss: «Ich freue mich sehr, wenn ich gewählt werde und gemeinsam mit Ihnen das kirchliche Leben in der Region Rheinfelden gestalten darf».

Nun, die Wahl war eine Formsache. Beide wurden mit Glanzresultaten gewählt. Laura Klingenberg wird ihre Stelle im Juli, nach der Pensionierung von Pfarrer Leszek Ruszkowski, antreten.

Nachwuchs aus dem Basler Münster

Eingangs des Gottesdienstes sagte Jonas Meier, es sei eine Feier «mit überraschend vielen Beteiligten». Zu ihnen gehörten die beiden Kirchenpflegerinnen Ursula Schnepp und Verena Michel, die als professionelle Geigerin bzw. Flötistin gemeinsam mit der Organistin Nina Haugen den Gottesdienst musikalisch gestalteten. Die drei spielten Sätze aus Trio-Sonaten des deutschen Barock-Komponisten Georg Philipp Telemann (1681-1767).

Zu den Beteiligten gehörte auch Felix Berki, derzeit – wie einst Jonas Meier – Vikar am Basler Münster. Das Münster, wurde gewitzelt, entpuppe sich als Rekrutierungsort erster Güte für den pastoralen Nachwuchs in der Region Rheinfelden. Berki stellte sich am Schluss der Kirchgemeindeversammlung vor als von der Kirchenpflege vorgeschlagener Kandidat für die Pfarrstelle in Magden und Olsberg. Er freue sich, sagte er, sich bei der nächsten Kirchgemeindeversammlung zur Wahl zu stellen, nach seiner Ordination im August dieses Jahres, gemeinsam mit seiner Frau Anne-Sophie, ins Pfarrhaus im «Gässli» einzuziehen und das Team zu komplettieren.

Anschliessend an die Kirchgemeindeversammlung wurde im Anbau der Kirche auf engem Raum in gehobener Stimmung auf die gemeinsame Zukunft angestossen.

Bild: Von links: Vikar Felix Berki, Pfarrer Jonas Meier, Pfarrerin Laura Klingenberg und Kirchenpflegepräsident Dr. med. Roland Arnold; darüber das Fenster mit der Taube in der reformierten Kirche Rheinfelden. Foto: Klaus-Christian Hirte