Rund 190 Teilnehmende waren aus dem Fricktal, dem angrenzenden Baselbiet sowie aus der restlichen Schweiz nach Rheinfelden zur Marte-Meo-Fachtagung mit Maria Aarts angereist. Die charismatische Begründerin der Kommunikationsmethode beeindruckte mit ihrem Werdegang, ihrem Wissen und nicht zuletzt ihrem Humor.
BRIGITTE KELLER
Einer der Sätze, die Maria Aarts an diesem Tag mehrmals wiederholte, lautete: «Alle Menschen haben ein Recht auf Glück.» Dahinter steht der Gedanke, dass der Fokus im Leben, insbesondere bei Menschen mit besonderen Bedürfnissen, viel zu oft auf den Problemen liegt und dem, was noch nicht oder nicht mehr geht. Aarts und die von ihr entwickelte Methode setzt stattdessen konsequent auf die gelingenden Momente und die Möglichkeiten und Lösungen, die sich daraus ergeben.
Viele der angereisten Fachleute aus den Bereichen Therapie, Pädagogik, Pflege und weiteren sozialen Berufen hörten den Satz nicht zum ersten Mal, denn sie haben bereits eine oder mehrere Stufen der Marte-Meo-Ausbildung gemacht und setzen sie tagtäglich in ihren Institutionen und in der Beratung ein. Wer die Methode noch nicht kannte, konnte sich an diesem Tag darüber informieren und dafür begeistern lassen.
Organisiert hatte die Tagung Erwachsenenbildnerin Claudia Berther aus Wallbach. Sie hörte 2006 erstmals von der entwicklungsorientierten Methode und wusste von der ersten Minute an, dass sie mehr darüber wissen wollte. Etwas, das Maria Aarts damals in einem Nebensatz gesagte hatte, ist ihr bis heute in Erinnerung geblieben und hatte sie damals auf verschiedenen Ebenen inspiriert: «Wenn dem Kind ein Ei auf den Boden fällt, gleich noch eines geben, damit es den Umgang damit lernen kann.» Längst ist sie lizenzierte Marte Meo Supervisorin und bildet schweizweit Fachleute und interessierte Angehörige aus.
Aus eigener Kraft
Marte Meo bedeutet sinngemäss «aus eigener Kraft». Aarts hat die videobasierte Methode zur Förderung der zwischenmenschlichen Kommunikation entwickelt und lässt alle an ihrer Begeisterung dafür teilhaben. Seit über vier Jahrzehnten gibt sie ihr Wissen weiter; mittlerweile wird die Methode in über fünfzig Ländern gelehrt. Begonnen hatte alles bei ihrer Arbeit mit autistischen Kindern, wie sie in ihrem kurzen Rückblick auf die «Geburtsstunde» der Methode erzählte.
Eigentlich begann es jedoch noch viel früher. Sie hätte schon als Kind sehr gerne und intensiv andere Menschen und Familien beobachtet und sich Gedanken über die Unterschiede gemacht. «Kind, du musst aufhören damit», habe ihre Mutter anfänglich gesagt und versucht, sie davon abzuhalten, da es sich nicht gehöre. Wie sich herausstellen sollte, war exakt dieses genaue Beobachten eine ihrer grossen Stärken, die sich wie ein roter Faden durch ihr ganzes Leben zieht. «Wenn man nicht aufhören kann, mach einen Beruf daraus» ist die Lektion, die dadurch gelernt werden könne, so Aarts. Sie hat es getan und geniesst es jeden Tag.
Nach Jahren erfolgreicher Arbeit sei sie einmal gebeten worden, die Methode «upzugraden», damit sie akademischer daherkäme. Dazu habe sie selbstbewusst «Nein» gesagt. «Nein, da wird kein Wörtchen geändert», gab sie selbstbewusst zur Antwort. Denn genau diese einfachen, für alle Beteiligten verständlichen Worte, Grundsätze und Regeln seien die Stärke der Methode.
Wie damit im Alltag gearbeitet werden kann, demonstrierten die mitgebrachten und gezeigten Filmausschnitte. Diese Filme, ausgestattet mit kurzen Texten und Erläuterungen der Entwicklerin, stehen als sogenannte «Learning Sets» bereit, im Alltag eingesetzt zu werden. Es ist beeindruckend, mit eigenen Augen zu sehen, welche Erfolge erzielt werden können.
Ein Filmausschnitt aus einem Kompetenzzentrum für Menschen mit Behinderung im Kanton Graubünden zeigte auf eindrückliche Weise, welche Glücksmomente möglich sind, wenn der betreuten Person genug Raum und Zeit gegeben wird. Da und dort im Saal wurde in diesem Moment verstohlen über die Augen gewischt.
Bilder:
Das Interesse an der Marte-Meo-Fachtagung mit Maria Aarts war gross. Foto: Brigitte Keller
Erwachsenenbildnerin Claudia Berther aus Wallbach mit Referentin Maria Aarts. Foto: Brigitte Keller