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Von Geflüchteten zu Kursleitern. Foto: zVg

Migrantinnen besser integrieren: «Runder Tisch Integration Rheinfelden» von «mit.dabei-Fricktal» und Stadt Rheinfelden

Zweimal jährlich organisieren die Stadt Rheinfelden und die Integrationsfachstelle «mit.dabei-Fricktal» den «Runden Tisch Integration Rheinfelden» mit regionalen Akteuren des Gesellschaftslebens. Am letzten Treff ging es um die Begeisterung der Migrantenfrauen für die Integrationsangebote im Fricktal.


KUJTIM SHABANI

20 Teilnehmende, vier Programmpunkte, ein Thema. Das war in einem Satz der 37. Runde Tisch Integration Rheinfelden vom 21. März 2024 im Seffelraum, Rotes Haus. Die Anwesenden, die sich für die Integration der Migrantinnen und Migranten engagieren, brachten Ideen, wie Migrantenfrauen für Integrationsangebote im Fricktal gewonnen werden können. Dem gingen voraus ein Interview über die Herausforderungen der Migrantinnen auf ihrem Integrationsweg, ein Bericht über ein Freiwilligenangebot und die Präsentation des Mutter-Kind-Deutschkurses.

Deutsch für Mutter und Kind
Seit 1997 engagiert sich das Institut machbar Bildungs-GmbH in der Integrationsarbeit. Mehrere Mutter-Kind-Deutschkurse führt es jährlich im Fricktal durch. 16 bis 18 Wochen dauert der Kurs mit mindestens acht Frauen aus unterschiedlichen Kulturen mit ihren Kindern bis zum Kindergartenalter. Er umfasst 2,5 Doppellektionen pro Woche. Die Frauen beteiligen sich dabei praktisch mit 5 Franken pro Lektion, den restlichen Aufwand von mehr als 50 Prozent finanzieren der Staat bzw. die Gemeinde, wie Livia Stirnimann von der Fachleitung ausführte.
Mu-Ki-Deutsch unterstützt Mütter und Kinder bei der Integration. Frauen lernen die Sprache Deutsch und das Land besser kennen, die Kinder begegnen Deutsch und Schweizerdeutsch und machen die erste Schulerfahrung. Sie erhalten dabei Informationen über das Schulwesen an ihrem Wohnort. Den Kern des Kurses machen Wortschatz und Grammatik aus. Es werden Alltagsthemen wie Familie, Gesundheit, Wohnen, Arbeit usw., behandelt. Gesprächsanlässe wie Arztbesuch, Amtsgänge, Post, Bank, Bahnschalter und Einkauf werden geübt.

Mehr Wortschatz, weniger Grammatik
Sonja Graf geht auch mal mit ihren Kursteilnehmerinnen zur Migros, um mit ihnen den Wortschatz zu üben. Sie bietet seit sieben Jahren freiwillig das Sprachangebot «Deutsch Konversation (A1+A2) für Frauen» in Rheinfelden an. Es findet jeweils am Montag von 15.30 bis 16.45 Uhr im Seffelraum statt.
Ursprünglich war es ein gemischtes Sprachangebot für Frauen und für Männer, erzählt Graf. Die Konstellation hat sich aber nicht bewährt. Zwölf bis 15 Frauen aus 18 verschiedenen Ländern besuchen momentan ihren Konversationskurs. Der Fokus liegt beim Wortschatz und Alltagsituationen. Grammatik ist weniger angebracht. Auch Informationen über die Schweiz werden vermittelt. Mittlerweile ist es gegenseitig geworden: die Frauen erzählen von ihrem Herkunftsland und ihrer Kultur. Den Jahreszeiten entsprechend gibt es ein passendes Programm: Im Sommer geniessen sie ein Eis auswärts, im Herbst bereiten sie Raclette und im Dezember veranstalten sie ein Lichterfest.

Oft braucht es ganz wenig
Die Bereichsleiterin von «mit.dabei-Fricktal» und Organisatorin des Treffs, Aurelia Munz, führte ein Interview mit Shadiya Al-Jaf durch. Ihr Beispiel alleine sagt viel aus. Al-Jaf hat den ganzen Weg – von der Geflüchteten zur Integrierten – durchlaufen. Dienstags, 9 bis 11 Uhr, leitet sie im Rahmen vom Freiwilligenverein Sprachmobil – im Seffelraum – den Sprachkurs «Deutsch reden und Fragen beantworten». Ausserdem ist sie als Schlüsselperson bei «mit.dabei-Fricktal» tätig.
Mindestens sieben Migrantenfrauen besuchen den Sprachkurs von Al-Jaf. Sie bringt ihrer Schülerinnen Deutsch bei. Al-Jaf fordert und fördert ihre Integration in die Schweizer Gesellschaft. Männer müssen oft verstehen, so Al-Jaf, dass nicht nur sie, sondern vor allem ihre Frauen Unterstützung bei der Integration brauchen.
Ihre Vorstellung, wie Neuzugezogene besser erreicht werden können: Schlüsselpersonen sollen sie zu Hause besuchen, um ihnen die Angst vor fremden Kontakten zu nehmen. Manchmal muss man den Migrantinnen ganz einfache Vorgänge, wie das Lösen eines Bustickets, erklären. Oft, weiss Al-Jaf, fehlt es ihnen an finanziellen Mitteln für das Busticket, um an Integrationsanlässen teilzunehmen.

Migranten, Strukturen und das Angebot
Die Teilnehmenden waren sich in den zwei Arbeitsgruppen darüber einig: Schlüsselpersonen können eine wesentliche Rolle bei der Gewinnung der Migrantinnen für die Integrationsangebote spielen. Ausserdem ist der Einsatz der unterschiedlichen Migrantenvereinigungen gefragt. Eine Wirkung auf das Mitmachen der Migrantenfrauen könnte das Interesse an der Integration haben, aber auch ihre materiellen Möglichkeiten.
Die Schule so wie die Einwohner- und Sozialdienste der Gemeinden sind Mobilisierungsfaktoren für die Migrantinnen. Eine Vereinheitlichung des finanziellen Unterstützungsmodells seitens der Gemeinden wäre wünschenswert, beispielsweise die Fahrkostenübernahme.
Die Vielfalt des Integrationsangebots, die Gruppenzusammensetzung der Angebote, die Dauer der Sprachkurse, die Niederschwelligkeit der Sprache bzw. die Einfache Sprache können als ausschlaggebend für die Begeisterung der Migrantinnen für die Integrationsangebote erweisen.
Der nächste «Runde Tisch Integration Rheinfelden» findet am 24. Oktober statt. Das Hauptthema ist jetzt schon bekannt: Die Integration der Migrantinnen und Migranten im Fricktal. Träger sind wiederum die Stadt Rheinfelden und «mit.dabei-Fricktal», die eine Fachstelle des Gemeindeverbands Sozialbereiche Bezirk Rheinfelden (GSBR) ist.

Bild: Von Geflüchteten zu Kursleitern. Foto: zVg