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Obermeister Adrian Meier (l.) und Untermeister Dominik Pfoster in der Zeremonienhalle während des Rundgangs durch das Logenheim. Foto: Lilia Staiger
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«Die Welt ein wenig besser machen» –Adrian Meier und Dominik Pfoster von der Rheinfelder Odd-Fellows-Loge

Die Odd Fellows sind eine traditionsreiche internationale Organisation, deren Fokus auf den Werten Freundschaft, Liebe und Wahrheit liegt und die sich wohltätig engagiert. Seit 1922 besteht die Waldstadt-Loge Nr. 12 in Rheinfelden als Teil der Grossloge der Odd Fellows Schweiz. fricktal.info traf Adrian Meier und Dominik Pfoster von der Rheinfelder Loge.

LILIA STAIGER

Das Kettengliedersymbol der Odd Fellows am Eingang zum Logenheim der Waldstadtloge Nr. 12 am Hauptwachplatz in Rheinfelden. Foto: Lilia StaigerDie Odd Fellows wurden im 18. Jahrhundert von Handwerkern in England als Selbsthilfeorganisation ins Leben gerufen. Die Idee dahinter war, im Todesfall eines Mitglieds dessen Witwen und Waisen zu unterstützen. Ab 1870 breitete sich die Vereinigung in Europa aus. Der internationale Bund ist heute in den USA und in Skandinavien besonders aktiv. Die Schweizerische Grossloge wurde 1873 gegründet; aktuell zählt sie insgesamt 22 Logen. Weltweit gehören den Odd Fellows ca. 180 000 Mitglieder an.

Im sogenannten Refektorium findet vor den zeremoniellen Sitzungen ein Apéro und im Anschluss ein gemeinsames Essen statt. Foto: Lilia StaigerLogenheim im Herzen von Rheinfelden
Im denkmalgeschützten «Spiserhus», mitten in Rheinfeldens Altstadt, befindet sich das Logenheim der Odd Fellows, wo sich die 36 Mitglieder aus dem ganzen Fricktal – von Kaiseraugst bis Herznach – jeden zweiten Mittwoch treffen. Im unteren Teil des Untergeschosses des historischen Gebäudes am Hauptwachplatz, das über einen Seiteneingang betreten wird, befindet sich die Halle für die rituellen Sitzungen, die durch ihre gewölbte Decke beeindruckt. An der Wand hängt dort der eingerahmte Freibrief der Schweizerischen Grossloge aus dem Jahr 1923. Im darüberliegenden Bereich liegen eine Küche sowie das sogenannte Refektorium, wo sich die Mitglieder vor den rituellen Sitzungen zum Apéro und in deren Anschluss zum gemeinsamen Essen und geselligen Austausch zusammenfinden.

Traditionelle Titel
Adrian Meier trägt derzeit den Titel des Obermeisters, der dem Präsidialamt entspricht. Dominik Pfoster ist aktuell Untermeister, eine Funktion, die die Stellvertretung des Obermeisters umfasst. Besondere Bedeutung kommt zudem dem Altmeister, der dem ehemaligen Präsidenten entspricht, dem Schatzmeister, dem Protokollierenden Sekretär sowie dem Musikus zu. «Hier im Zeremonienraum hat jeder Bruder, der eine der Funktionen ausübt, auch seinen speziellen Platz», erklärt Adrian Meier beim Rundgang durch den Saal. Während der Zeremonien tragen die Mitglieder sogenannte Regalien, Zeremonienschals, auf denen das Symbol des jeweiligen Grades oder der Funktion aufgestickt ist, in dem sich das Mitglied befindet; jedes Mitglied durchläuft die vier Grade Achtsamkeit, Freundschaft, Nächstenliebe und Wahrheit.
An der Wand finden sich diverse Symbole, die für diese Grundwerte stehen; ein Totenkopf und eine Axt symbolisieren beispielsweise Achtsamkeit. Das Hauptsymbol der Odd Fellows sind die drei Kettenglieder, die für Freundschaft, Liebe und Wahrheit stehen.

Musik und vorgegebene Abläufe
«Für mich ist unser Musikus bzw. DJ besonders, da er die Musik immer passend zu den Referatsthemen auswählt – da kann auch etwas aus der Hitparade dabei sein, wohingegen andere Logen bevorzugt klassische Musik spielen», hebt Dominik Pfoster hervor, «beim Einlauf der Mitbrüder in den Saal wird ebenfalls Musik gespielt, und genau da beginnt der Moment, an dem man den Alltag und alle Sorgen draussen lässt.»
Die Abläufe der rituellen Sitzungen sind für den gesamten internationalen Bund der Odd Fellows fix vorgegeben. «Wenn ich beispielsweise in Schweden in den Ferien bin, könnte ich dort ebenfalls an einer Sitzung teilnehmen, denn es gibt ein internationales Passwort, das alle Mitglieder kennen», erläutert Adrian Meier.

An der Wand befinden sich diverse Symbole, die für die Grundwerte der Odd Fellows stehen. Foto: Lilia StaigerDen Alltag hinter sich lassen
Der Obermeister und der Untermeister verbinden beide sehr positive Eindrücke und bereichernde Erfahrungen mit den rituellen Sitzungen. «Ich fühle mich in der Runde einfach wohl. Man ist eine Stunde hier unten, und draussen kann in der Zeit passieren, was will», schwärmt Dominik Pfoster, «meine Frau meinte schon einmal, dass ich nach einer Sitzung wie ausgewechselt sei (lacht).» Adrian Meier ergänzt: «Man nimmt sich hier bewusst Zeit, und es ist immer gut – ganz egal, über welches Thema referiert und diskutiert wird. Es ist immer Platz für alle Meinungen und für einen offenen Austausch.»

Stets nah am Zeitgeschehen
Die Rheinfelder Loge ist zwar bereits über 100 Jahre alt, aber ihre Sitzungsthemen sind modern. Die Mitglieder wählen im Vorfeld ein Thema aus und setzen sich vertieft damit auseinander. «Ein Mitbruder hielt im Februar ein Referat zum Thema Krisenmanagement – eine Woche später brach die Krise im Iran aus», berichtet Dominik Pfoster, «in zwei Wochen wird es eine Diskussionsrunde zum Thema künstliche Intelligenz geben – die Themen sind immer aktuell.» Für die Odd Fellows ist es wichtig, dass die Gemeinschaft losgelöst vom beruflichen Umfeld funktioniert. «Wir machen hier keine Werbung für Firmen; ich weiss teilweise bis heute nicht, was einige der Mitbrüder beruflich machen, und es spielt hier auch keine Rolle», verdeutlicht Dominik Pfoster, «und auch Politik und Religion sind nicht relevant, ausser sie finden im Rahmen eines Referats Platz.»

Der Eingang zum Zeremoniensaal im Untergeschoss des Logenheims. Foto: Lilia StaigerWohlfahrtsfonds
Die Odd Fellows engagieren sich zudem wohltätig. Ihr Wohlfahrtsfond ist als separater Verein organisiert und steht nicht nur für die Mitglieder des Ordens offen: «Beim Wohlfahrtsfond dürfen und können alle spenden, die dies wünschen.» Pro Jahr wird ein fünfstelliger Betrag zur Verfügung gestellt; 95 Prozent des Betrags stammen von den Odd-Fellows-Mitgliedern. «Jeder gibt so viel, wie er kann und mag», erklärt Dominik Pfoster.
«Wir hatten einmal einen Gastvortrag zum Thema Armut in der Schweiz, den eine Vertreterin der Familienberatung Laufenburg hielt. Ein Mädchen aus der Ukraine erzählte von ihren Erlebnissen im Krieg», erinnert sich Dominik Pfoster. «Das war hochemotional für uns alle – das Mädchen hatte Dinge erlebt, die ein Kind niemals erleben dürfte», ergänzt Adrian Meier, «wir konnten dem Mädchen helfen, indem wir die Kosten ihres Deutschkurses übernahmen, die sonst nicht weiter übernommen worden wären.» Die Wohltätigkeitsprojekte sind sehr vielseitig. Die Odd Fellows der Rheinfelder Loge unterstützten unter anderem auch eine Familie, die vom Bergsturz in Blatten im vergangenen Jahr betroffen war. «Beim Kinder- und Jugendfest in Möhlin 2024 kamen wir beispielsweise für die Kosten der grossen Hüpfburg auf», fügt Dominik Pfoster an. «Uns ist es wichtig, dass die Unterstützung direkt an die Betroffenen geht – wir begleichen dann beispielsweise die Rechnung», erläutert Adrian Meier.

Jüngere Mitglieder gesucht
Das grosse Problem, dem sich die Odd Fellows langfristig stellen müssen, ist die Überalterung ihrer Loge. Adrian Meier ist mit 44 Jahren der jüngste Bruder. Als er 40 wurde, liess er sich von seinem Schwiegervater zu einer Sitzung mitnehmen und war fortan dabei. Auch Dominik Pfoster gehört mit 55 Jahren zu den jüngeren Mitgliedern der Loge; er trat 2022 durch Einladung eines bestehenden Mitglieds der Loge bei. «Das durchschnittliche Alter unserer Mitbrüder liegt bei 75 oder 80 Jahren», ordnet Adrian Meier ein. «Um die Zukunft unserer Loge zu sichern, suchen wir neue, jüngere Mitbrüder, nicht nur für die Übernahme der Funktionen, sondern auch, um unsere Aktivitäten und das Logenheim weiter tragen zu können.»

Jung und Alt im Austausch
Der Austausch zwischen der jüngeren und der älteren Generation in der Loge funktioniere sehr gut, merkt Adrian Meier an: «Das Wissen der älteren Mitbrüder ist sehr wertvoll für uns, und gleichzeitig schätzen sie unsere Gedanken zur heutigen Zeit, sind offen und interessiert.» Als jüngster Mitbruder Obermeister zu werden, erforderte für ihn besonderes Fingerspitzengefühl: «Es war ein Spagat zwischen der Einhaltung der Vorgaben der Grossloge und meiner Vision, frischen Wind hineinzubringen. Einmal hielt ich ein Referat zu dem Song ‹Where is the love› von den Black Eyed Peas», erinnert sich der Obermeister, «ich übersetzte auch den Text, der mich sehr bewegte, auf Deutsch; der Vortrag kam bei allen Mitbrüdern sehr gut an; fortan war ich entspannt (lacht).»

Logenstrukturen zwischen Tradition und Öffnung
Die Rheinfelder Waldstadtloge Nr. 12 ist bislang eine reine Männerloge geblieben; ein Anstoss zur Änderung dieser Struktur hat sich bisher nicht ergeben. «Bei den Gästelogen und diversen Events, die wir veranstalten, sind Frauen und die Partnerinnen der Mitglieder sowie Witwen ehemaliger Mitglieder natürlich immer willkommen», merkt Adrian Meier an. In der Schweiz gibt es seit 55 Jahren die Frauenloge Nr. 1 «Anna Seiler» als einzige Frauenloge sowie zwei gemischte Logen im Kanton Zürich.

«Experimentierfeld» für gesellschaftliche Ideen
Der persönliche Mehrwert der Mitgliedschaft bei den Odd Fellows lies-se sich schwer in Worte fassen, erklären der Obermeister und der Untermeister. «Für mich ist es eine Art Horizonterweiterung. Die Treffen helfen mir dabei, bewusst friedlicher in den Alltag zu gehen», beschreibt Adrian Meier. «Wir sind ein Netzwerk von Menschen, die humanistische und humanitäre Werte teilen und dabei aus der Berufsbubble heraustreten und sich auf ein Experimentierfeld begeben», ergänzt Dominik Pfoster. «Der friedliche und freundschaftliche Umgang unter den Mitbrüdern hilft mir, ein offenerer Mensch zu sein. Ich schätze auch das gesellige Beisammensein nach den Sitzungen; dabei wird viel gelacht, selbst wenn man unten in der Halle noch unterschiedliche Perspektiven vertrat.»
Weitere Informationen zu den Odd Fellows unter: www.oddfellows-rheinfelden.ch

Bilder:
Bild 1: Obermeister Adrian Meier (l.) und Untermeister Dominik Pfoster in der Zeremonienhalle während des Rundgangs durch das Logenheim. Foto: Lilia Staiger
Bild 2: Das Kettengliedersymbol der Odd Fellows am Eingang zum Logenheim der Waldstadtloge Nr. 12 am Hauptwachplatz in Rheinfelden. Foto: Lilia Staiger
Bild 3: Im sogenannten Refektorium findet vor den zeremoniellen Sitzungen ein Apéro und im Anschluss ein gemeinsames Essen statt. Foto: Lilia Staiger
Bild 4: An der Wand befinden sich diverse Symbole, die für die Grundwerte der Odd Fellows stehen. Foto: Lilia Staiger
Bild 5: Der Eingang zum Zeremoniensaal im Untergeschoss des Logenheims. Foto: Lilia Staiger