Am Montag diese Woche hat Nick Sigrist die ersten Mehlschwalben am Himmel über Oeschgen gesichtet. «Ich denke, in ein bis zwei Wochen wird der grosse Teil kommen», sagt er. Er hat sich gut auf die Ankunft der gefiederten Glücksbringer vorbereitet. Denn sein freistehendes Schwalbenhotel ist einzugsbereit.
PETER SCHÜTZ
Offen ist, ob die Schwalben es annehmen. Jedenfalls bietet es ihnen eine gute Alternative zu den am Haus der Familie Sigrist in der Hofmatt seit vielen Jahren hängenden Nester. Deren Nachteil: «Leider ist die Verschmutzung nicht ganz unerheblich», berichtet Nick Sigrist. Und: «Ich habe lange nach einer Lösung gesucht, wie ich diese Verschmutzung vom Haus wegbringe – auch aufgrund geplanter Hausisolation und weiterem Ausbaus.» Ein Abbau der Nester am Haus kam für ihn nie in Frage, «dazu bin ich zu sehr naturverbunden», sagt er. Hinzu kommt, dass dies ohnehin nicht erlaubt wäre, da die Mehlschwalbe eine geschützte Vogelart ist. Durch Zufall entdeckte er bei Anwil in Baselland ein sehr grosses Schwalbenhotel, das als freistehende Nisthilfe errichtet worden ist. So kam er auf die Idee, auch ein solches zu bauen, nur kleiner und rund zehn Meter vom Wohnhaus entfernt.
Erst Recherche, dann Baugesuch
Erster Akt: Nick Sigrist startete umfangreiche Abklärungen, kontaktierte BirdLife Schweiz sowie den Erbauer des in Baselland gesehenen Schwalbenhotels. Führte weitere Recherchen durch, um herauszufinden, was alles beachtet werden muss. «Die Konstruktionspläne erstellte ich selbst und versuchte so kostengünstig wie möglich zu bleiben», berichtet Nick Sigrist. Im Dezember 2023 reichte er bei der Gemeinde Oeschgen ein Baugesuch ein, obwohl es möglicherweise für ein solches Bauwerk, zumal es sich auf Privatgrundstück befindet, gar keines bräuchte. Nachträglich erachtet er das Baugesuch als Fehler, auch, weil ein Nachbar Einsprache einreichte. «Auch die Gemeinde tat sich etwas schwer mit diesem sehr speziellen Baugesuch», blickt Sigrist zurück. Immerhin: Nach über einem Jahr bekam er die Genehmigung und durfte mit dem Bau starten.
18 Nester
«Die grosse Arbeit war zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits fertig», erklärt er, «die ganze Unterkonstruktion und der Nesteraufbau». Nick Sigrist verwendete für die Unterkonstruktion Restholz oder altes abgerissenes Baumaterial, «als gelernter Schreiner konnte ich das gut machen». Die Dachüberdeckung wurde von der Spenglerei Meyer aus Herznach «im Namen der Natur» gesponsert. Für den Aufbau benutzte Sigrist ein verzinktes Stahlrohr, das er eineinhalb Meter tief im Boden verankerte und mit Beton füllte, damit es standhaft bleibt. Darauf setzte er die Plattform mit den 18 Nestern so, dass sie nach der Schwalbensaison zum Säubern herabgelassen werden kann.
Akustischer Lockruf
Trotz feuchtem Jahresbeginn sei es möglich gewesen, das ganze Schwalbenhotel innerhalb eines Monats auf- und fertigzustellen, berichtet er. Mit Eigenleistung und dank gesponsertem Material kam er auf Kosten von rund 300 Franken. Ein akustischer Lockruf, der jedoch für menschliche Gehör kaum wahrnehmbar sein soll, dient den eintreffenden Schwalben als Orientierungshilfe. Üblicherweise, so Nick Sigrist, könnten die bestehenden Nester am Haus um ein Drittel reduziert werden, «um einen kleinen Druck zu erzeugen, neue Nistmöglichkeiten zu suchen». Dies sei jedoch nicht erlaubt, berichtet er, «da die Gemeinde mit dem Baugesuch die Auflage machte, die alten Nester am Haus erst abzuhängen, wenn an der neuen Stelle Schwalben eingezogen sind».
Brutgeschäft nicht stören, Nester erhalten
Die rechtliche Situation ist eindeutig: Alle Schwalbenarten sind nach dem Schweizerischen Jagdgesetz geschützt. Wer das Brutgeschäft der Schwalben stört, macht sich strafbar. Nester sollten möglichst erhalten bleiben.
Die geschützte Mehlschwalbe hatte früher selber Nester mit ihrem Speichel und vermischtem Lehm der Naturstrassen gebaut. Sie wurde durch den zunehmenden Siedlungsbau und den damit verbundenen Siedlungsdruck jedoch immer mehr verdrängt. Wegen fehlendem Baumaterial sind sie oft auf Kunstnester angewiesen.