(eing.) Was passiert, wenn einem die eigene Geschichte genommen wird? Wenn Kinder ihrer Herkunft beraubt werden – im Namen staatlicher Fürsorge? Mit diesen Fragen setzt sich die Autorin Silvia Süess in ihrem Buch „Reden, um nicht zu ersticken“ auseinander, das sie am Mittwoch, 15. April, 19 Uhr, in der Gemeindebibliothek Möhlin vorstellt.
Es ist ein besonderer Ort, weil Silvia Suess in Möhlin aufgewachsen ist und bis heute mit dem Ort verbunden ist. Im Zentrum steht die Lebensgeschichte von Uschi Waser, die als jenisches Kind Opfer des Programms «Kinder der Landstrasse» wurde. Zwischen 1926 und 1973 wurden in der Schweiz hunderte Kinder aus jenischen Familien herausgerissen und in Heime oder Pflegefamilien gebracht – ein Unrecht, das heute als Verbrechen gegen die Menschlichkeit anerkannt ist.
Die Lesung erhält durch die Anwesenheit von Uschi Waser eine besondere Tiefe. Sie wird aus ihrem Leben berichten und damit einer Geschichte eine Stimme geben, die lange nicht gehört wurde. Ihre Erfahrungen stehen stellvertretend für viele Betroffene und machen deutlich, wie tief die Eingriffe in die Lebenswege waren – und bis heute nachwirken. Für die Bibliothek ist der Anlass mehr als eine klassische Lesung. Er ist auch ein Beitrag zur Erinnerungskultur und zur Auseinandersetzung mit einem Teil der Schweizer Geschichte, der lange verdrängt wurde. Gleichzeitig zeigt der Abend, wie wichtig es ist, Raum für persönliche Geschichten zu schaffen – und ihnen zuzuhören. Im Anschluss an die Lesung besteht beim Apéro die Möglichkeit zum Gespräch mit den beiden Protagonistinnen. Der Eintritt ist frei, aber es gibt eine Kollekte. Anmeldungen gerne über