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Eindrücke von der Pilgerreise der Möhliner Gruppe. Foto: zVg 
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Pilger aus Möhlin auf dem Weg des Friedens − von Curtilles nach St-Prex

(mg) Was haben Origami-Tauben mit dem Pilgern auf dem Jakobsweg und dem fernen Japan zu tun? Die Antwort auf diese Frage und noch viele weitere Informationen erhielten die Pilger am Kennenlern- und Einführungsabend in der röm.-kath. Kirch in Möhlin vier Tage vor der Abreise.

Eindrücke von der Pilgerreise der Möhliner Gruppe. Foto: zVg In Hiroshima werden noch heute von Schülern ganze Kränze bestehend aus Origami-Kranichen beim Memorial-Denkmal mit dem Wunsch und der Bitte für Frieden abgelegt. So lernten die Pilger wie man Origami-Tauben faltet, um diese auf den Weg des Friedens mitzunehmen. Zudem erhielten die Pilger je zwei von Erwachsenen und Jugendlichen der Pfarrei Möhlin verfasste Fürbitten mit auf den Weg.

Donnerstag, 14. Mai, «den inneren Frieden suchen»

Obwohl die Wettervorhersagen auf allen Kanälen für die kommenden drei Tage Regen und Kälte prognostizierten, liessen sich die Pilger nicht von ihrem Vorhaben abbringen und reisten mit dem Zug nach Lucens/Curtilles. Bereits nach der letzten Verneigung der Achtsamkeitsübung «Shibashi» setzte der Regen ein und die PilgerInnen begannen ihre «Pèlerinage» in den Pelerinen. Zum Glück standen den Pilgern unterwegs die Kirchen in Moudon, Vucherens und Montpreveyres als vom Regen geschützte Orte zur Verfügung. Als Basis für die Impulse unterwegs diente ein Text über den Frieden von Black Elk, einem Medizinmann der Oglala Lakota-Indianer. Beim Gehen im Schweigen hiess es, in sich hineinzuhören und den inneren Frieden zu suchen. Das Regenwetter und die begrenzte Sicht unterstützten diesen Prozess und auch die Stilleübung ALI (Atmen, Lächeln, Innehalten) half ruhig zu werden und Abstand zum Alltag zu gewinnen. In der Kapelle von Montpreveyres überraschte Ursula Rohrer die Pilger mit einigen kurzen Orgelstücken. Danach fuhr die Gruppe per Bus und Metro zur Unterkunft, der Jugendherberge in Lausanne.

Freitag, 15. Mai, «den Frieden in unseren Beziehungen finden»

Erstaunlicherweise wollte keine einzige Person in Lausanne zum Sightseeing bleiben und alle fuhren erneut via Bus und Metro zum Ausgangspunkt nach Montpreveyres. Dort regnete es bereits so heftig, dass die Gruppe beim Busunterstand einen Moment verweilte. Die Pilgerbegleiterinnen Christine Toscano und Martina Grenacher waren ratlos, wussten sie doch, dass es auf dem ganzen Weg nur einen einzigen Unterstand geben würde. So begann der Tag mit der Einführung ins Thema und einigen Flötentönen zur Aufmunterung im Busunterstand. Danach ging die Gruppe im Schweigen bis zu einem grossen Waldhaus. Dort konnten neben der «Shibashi»-Übung sämtliche Bedürfnisse befriedigt werden, bevor es im Regen weiterging.

Mitten im Wald standen die «bösen Kerle» (aus Holz geschnitzte Räuber) und warteten mit Beschimpfungen auf die armen Pilger: «Jetzt längts! Ich han dir doch scho 100mol erklärt wiemer das Wärkzüg id Hand nimmt!», stand auf einem der an den bösen Kerlen klebenden Zettel. Die Pilger besuchten die bösen Kerle zu zweit und notierten ihre Gefühle, welche sie bei einer solchen Aussage empfinden. Sie versuchten auch herauszufinden, welches Bedürfnis des bösen Kerles wohl hinter der Aussage stecken könnte, und welche eigenen Bedürfnisse dabei nicht befriedigt wurden. Nach einem Austausch in der Gruppe erhielten die Pilger ein Friedens-Kärtchen mit Ideen für eine empathische und friedliche Kommunikation untereinander.

Eindrücke von der Pilgerreise der Möhliner Gruppe. Foto: zVg Noch immer regnete es heftig und der Weg wurde zunehmend schlammiger. Der Pilgerbegleiterin blieb keine andere Wahl, als bei einem Bauernhaus zu läuten und um einen trockenen Platz in einem Schopf zu bitten. Die Gruppe hatte Glück und fand unter einem breiten Vordach Schutz vor dem Regen. Kurz darauf erschien ein Hausbewohner und offerierte einen heissen Kräutertee, der bei dem nasskalten Wetter sehr willkommen war. Gestärkt und aufgewärmt setzte die Gruppe den Weg in Richtung Lausanne fort und langsam zeigten sich einige Sonnenstrahlen. Beim Sauvabelin-Turm konnte die Gruppe ihr Glück kaum fassen: die Sonne schien, und vom 35,2 Meter hohen Holzturm aus bot sich freie Sicht auf den See und die Umgebung. Ja, tatsächlich sah man den Jet d’eau von Genf, da die Luft vom vielen Regen klar war. Da es einen solchen Höhepunkt auch auf dem Jakobsweg, dem Freudenberg «Monte do Gozo» gibt, wo die Pilger zum ersten mal die Türme der Kathedrale in Santiago sehen, hatten die Pilgerbegleiterinnen für dieses Moment in weiser Voraussicht einen Gipfeltrunk und Muschel-Aenisbrötli mitgetragen. So konnten die Pilger diesen einmaligen Blick auf ihr Ziel in Genf gebührend feiern.

Frohen Mutes gingt die Wanderung weiter bis zur Kathedrale in Lausanne, wo der Kirchenführer Pierre Keller die Gruppe in Empfang nahm. Highlights dieser Führung waren das Portal und die bunte Bemalung der Marienkirche, die Ausführungen über das Leben der frühen Pilger und der Besuch des Grabes des Ritters von Grandson mit Jakobsmuscheln, welche ihn als Pilger auszeichneten.

Unterhalb der Kathedrale von Lausanne befindet sich die Franziskanerkirche, wo die Pilger den Tagesabschluss mit einem Verbundenheits-Ritual begingen. Danach pilgerte die Gruppe noch eine Stunde im Trockenen zur Jugi. Um 21 Uhr traf man sich zu einem Abendspaziergang am See. Bei einer kleinen Bucht verteilten die Pilgerbegleiterinnen selbst gebastelte Friedensschiffchen aus Nussschalen, gefüllt mit Bienenwachs. Die Nüsse und der Bienenwachs stammten beide aus Eigenproduktion der Mitpilgernden. Die Bienenwachskerzen-Schiffchen wurden angezündet und von jedem Pilger mit Friedenswünschen sachte auf den See hinausgeschickt. In einem magischen Moment, der gar nicht enden wollte, schwammen die Schiffchen durch Steine hindurch, strandeten und wurden wieder weggespült, einige erloschen und andere brachten das Licht hinaus in die dunkle Nacht. Nach einem gemeinsamen Friedenslied und dem Gebet der Vereinten Nationen, fing es wieder zu regnen an. Nun war es Zeit für die Nachtruhe in der Jugi.

Eindrücke von der Pilgerreise der Möhliner Gruppe. Foto: zVg Samstag, 16. Mai, «Was können wir für den Weltfrieden tun?»

Nach einem letzten feinen Frühstück in der Jugi begab sich die Gruppe erneut auf den Jakobsweg. Am Seeufer stellte sich die Gruppe auf einem Spielplatz unter den Flügeln eines grossen Vogels auf, um beim morgendlichen «Shibashi» nicht allzu nass zu werden. Der Regen hielt an, doch blieben die Pilger wie auch an den Tagen zuvor gutgelaunt und erreichten in Kürze den Hafen und die romanische Kirche von St. Sulpice. In einem Impuls lasen die Pilger Texte bekannter Persönlichkeiten zum Thema Frieden. Danach gab es einen Austausch über die Frage, wie jeder persönlich zum Weltfrieden beitragen könnte. Die in Möhlin gefalteten Friedenstauben wurden ausgepackt und darauf in Stichworten Ideen notiert. Nach dem bekannten Friedenslied «Shalom chaverim» wanderte die Gruppe nach Morges. Unterwegs gab es eine Kolonie mit Kormoranen, welche sich auf der Reise in Richtung Norden befanden, zu beobachten. Da das geplante Schwimmen im Genfersee wegen Kälte niemanden reizte, blieb für das Beobachten ausreichend Zeit. Die Gruppe war in diesem Jahr sehr kompakt und flott unterwegs. Sie erreichte die Kirche von St-Prex bereits kurz nach 14 Uhr. Im Pilgergottesdienst kam nochmals in Musik, Lied und Wort der Wunsch nach dem dreifachen Frieden (innerer Frieden, Frieden in Beziehungen, Beitrag an den Weltfrieden) zum Ausdruck. Jeder Pilger las die von ihm mitgetragenen Fürbitten vor und zerriss danach die Zettel in kleine Stückchen, welche nach der Feier auf einem Schiffssteg Wind und Wasser übergeben wurden. Möge Gott die aus Möhlin mitgebrachten Bitten erhören und erfüllen!

Nach einem Rundgang durch die hübsche Altstadt von St-Prex konnte die Gruppe sogar noch einen Apéro bei Sonnenschein geniessen – das tat richtig gut. Danach hiess es mit einem vom Frieden erfüllten Herzen für ein Jahr Abschied nehmen von St-Prex und mit dem Zug heimzureisen.

Bilder: Eindrücke von der Pilgerreise der Möhliner Gruppe. Fotos: zVg