Am vergangenen Samstag veranstaltete der reformierte Kirchenchor Möhlin gemeinsam mit der Kulturkommission Möhlin anlässlich ihrer beider Jubiläen einen Abend ganz im Zeichen Italiens.
LILIA STAIGER
Der reformierte Kirchenchor Möhlin feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen (fricktal.info berichtete), und auch die Kulturkommission Möhlin hat anlässlich ihres 60-Jahr-Jubiläums Grund zu feiern (Interview mit fricktal.info im Januar 2026). Der gemeinsam organisierte Konzertabend verband den Wunsch beider Kulturträger, Synergien mit anderen Organisationen in Möhlin zu schaffen und beide Jubiläumsprogramme zu ergänzen. Für den kulinarischen Teil des Abends sorgte der Circolo ACLI mit italienischen Gaumenfreuden.
Begrüssung und kurze Zeitreise
Ab 17.30 Uhr trafen die Besucherinnen und Besucher zum Apéro vor der reformierten Kirche in Möhlin ein; um 18 Uhr begann das Konzert. Kirchenchorpräsidentin Andrea Giger begrüsste die Konzertgäste und blickte kurz auf die Anfänge des Kirchenchors: «Vor genau 100 Jahren, im Herbst 1926, schlossen sich Männer und Frauen in Möhlin zusammen, um den reformierten Kirchenchor zu gründen – und dies noch lange bevor es die reformierte Kirche in Möhlin gab», erläuterte Andrea Giger, «zu Beginn probte der Chor im Schulhaus Obermatt.» Besonders freue es sie, dass das Cembalo, das der Kirchenchor bereits vor einiger Zeit angeschafft hatte, erstmals beim Konzert zum Einsatz komme, fügte Andrea Giger an. Die Kirchenchorpräsidentin bedankte sich anschliessend bei der Kulturkommission Möhlin für die gute Zusammenarbeit und Organisation des Events. «Im Namen des gesamten Kirchenchors freue ich mich, diesen Abend mit Ihnen zu feiern und wünsche Ihnen viel Vergnügen», ergänzte sie.
Werke aus Renaissance und Frühbarock
Auf dem Programm standen Werke aus der Renaissance und dem Frühbarock von Komponisten wie Diego Ortiz, Giovanni Giacomo Gastoldi, Giuseppe del Biado, Girolamo Frescobaldi, Andrea Falconieri, Claudio Monteverdi, Giovanni Felice Sances und Filippo Vitali. Das abwechslungsreiche Programm bot verschiedene Besetzungen: Neben Liedern, bei denen der Chor von Gambe, Cembalo und Theorbe begleitet wurde, gab es gemeinsame Stücke von Chor und Solistin Maria Pujades Seguí. Zudem erklangen Instrumentalwerke mit solistischen Passagen sowie Lieder, bei denen die Sängerin von Gambe, Theorbe und Cembalo begleitet wurde.
Cembalo-Premiere und Gambe aus dem 17. Jahrhundert
Nicola Cumer, Gesamtleiter des Chors, spielte an dem Abend das Cembalo – eine langersehnte Premiere für den Kirchenchor. Daniele Caminiti begleitete an der Theorbe und Leonardo Bortolotto an der Viola da Gamba, bei der es sich um ein Originalinstrument aus dem 17. Jahrhundert handelte. Eine Besonderheit der historischen Gambe ist, dass sie über Darmsaiten verfügt.
So erklang als erstes Lied das fröhlich-lebhafte «Il ballerino» («Der Tänzer) von Giovanni Giacomo Gastoldi, bei dem der Chor von den drei Instrumenten begleitet wurde. Filippo Vitalis’ «Infelice quel core» entfaltete hingegen eine besonders empfindsame und klagende Stimmung. Als Solistin interpretierte die Sängerin Claudio Monteverdis «Si dolce è il tormento» («So süss ist die Qual»), begleitet von Viola da Gamba und Theorbe. Die kleine Besetzung liess die ausdrucksvolle Gesangslinie besonders zur Geltung kommen.
Stehende Ovationen und Zugaben
Insgesamt wurden 16 Werke aufgeführt, davon zwölf mit Gesang. Vier Instrumentalwerke ergänzten das Programm, darunter zwei Cembalo-Soli, die die feierliche Einweihung des Instruments im Rahmen des Jubiläumskonzerts besonders zur Geltung brachten.
Ein besonderer Höhepunkt war «Fuggi, fuggi» («Flieh, flieh») von Giuseppe del Biado. Das lebhaft-dramatische Werk gehört, wie
Chorsängerin Astrid Pfoster im Anschluss verriet, zu den Lieblingsstücken des Chores und wurde im Rahmen der Zugaben sogar ein zweites Mal aufgeführt. Der begeisterte Applaus des Publikums wollte kaum enden. Nachdem Chor und Musiker den Raum bereits verlassen hatten, kehrten sie für eine weitere Zugabe nochmals zurück. Schliesslich bedankte sich das Publikum mit stehenden Ovationen für den gelungenen Konzertabend.
Altitalienisch als Herausforderung
Während das Publikum die Texte beim Konzert nicht nur im italienischen Original, sondern auch in deutscher Übersetzung – eigens von einem Chormitglied übersetzt – im Programmheft verfolgen konnte, mussten sich die Chorsängerinnen und -sänger die altitalienischen Texte aneignen. Chormitglied Astrid Pfoster zeigt sich im Anschluss an das Konzert zufrieden: «Die Probenzeit war lang und anstrengend, insbesondere war die altitalienische Sprache für die meisten eine Herausforderung», berichtet Astrid Pfoster, «aber jetzt bin ich einfach glücklich darüber, wie es gelaufen ist.»
Begeistertes Publikum
Anschliessend durften die Gäste im Gemeindesaal der reformierten Kirche zum Apéro riche Platz nehmen. Das Publikum schien durch und durch begeistert von der musikalischen Leistung: «Es war einfach wunderbar; alles hat harmoniert, auch die Solostimme mit dem Chor», äusserte Gast Bruno Oser. Unter den Konzertgästen waren auch Sandor Janko (Interview mit fricktal.info) und Ehefrau Hariet, die über 40 Jahre Kirchenchormitglieder waren: «Es war sehr schön; eine grosse Leistung des Chors», schwärmte Sandor Janko, «am liebsten hätte ich mitgesungen.»
Der Circolo ACLI verwöhnte die Gäste mit «Antipasti ricco freddo» sowie «Antipasti ricco caldo», darunter Bruschetta mit Thonmousse und Kapern sowie Kirchererbsencreme mit Käse. Zum Abschluss gab es italienisches Gelato mit Waldfrüchten und italienischen Espresso. Auch während des Apéro riche durften die Gäste nochmals ein kleines musikalisches Programm mit Sopranistin Maria Pujades Seguí, von Nicola Cumer am Flügel begleitet, geniessen. Es wurden unter anderem Werke von Giovanni Paisello und Gioachino Rossini vorgetragen.
Chorleiter sehr zufrieden
Kirchenchorleiter Nicola Cumer zeigte sich im Anschluss an das Konzert sehr zufrieden mit der Leistung des Chores: «Es war vor allem sprachlich eine grosse Herausforderung für alle», betonte er, «denn es handelt sich bei den Texten nicht um moderne italienische Sprache. Die Chormitglieder haben viel Willen und Enthusiasmus bewiesen, und über ihre Leistung, vor allem für die kleine Besetzung, bin ich sehr froh. Ebenso bin ich dankbar, dass wir zwei so tolle Instrumentalisten dabei haben durften; ich kenne sie beide seit unserer Zeit bei der Schola Cantorum Basiliensis», ergänzte Cumer. Maria Pujades Seguí freute sich ebenfalls über die Zusammenarbeit mit dem Kirchenchor: «Ich fand es sehr schön, als Profimusikerin mit einem Laienchor zusammenzuarbeiten, und es hat grossen Spass gemacht. Die Qualität des Konzerts und die Stimmung waren einfach toll.»
Dankesworte der Veranstalter
Zum Abschluss der Veranstaltung richtete Dominik Pfoster, Präsident der Kulturkommission Möhlin, noch ein paar Worte an den Kirchenchor sowie an das Publikum und zitierte dabei Jean Jaurès: «Wir freuen uns, dass wir heute gemeinsam feiern konnten, dass der Kirchenchor bei seiner langen Geschichte heute noch die Freude an Musik und wir, die Kulturkommission, die Freude an kulturellen Veranstaltungen weitertragen – und das unsere Anlässe heute noch so gut ankommen», erläuterte er, «‹Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers› – herzliche doppelte Gratulation an euer grosses Jubiläum sowie zu diesem grossartigen Konzert heute.» Abschliessend dankte Dominik Pfoster allen, die den Abend möglich gemacht haben, darunter auch dem Circolo ACLI sowie an alle «stillen« Helferinnen und Helfer. Auch Kirchenchorpräsidentin Andrea Giger fügte ein paar Worte an: «Wir gratulieren der Kulturkommission ebenfalls herzlich zu ihrem Jubiläum, und wir sind froh, mit Projekten wie diesem Synergien für die Zukunft zu schaffen – es war uns eine Freude, für diesen Anlass mit zwei so tollen Vereinen aus Möhlin zusammenzuarbeiten.»
Bilder:
Bild 1: Der reformierte Kirchenchor wurde von ihrem Chorleiter sowie Daniele Caminiti an der Theorbe und Leonardo Bortolotto an der Viola da Gamba begleitet. Foto: Lilia Staiger
Bild 2 und 3: Apéro vor Beginn des Konzerts beim Eingang der reformierten Kirche in Möhlin. Foto: Lilia Staiger
Bild 4: Das neu eingeweihte Cembalo des Kirchenchors. Foto: Lilia Staiger
Bild 5: Dominik Pfoster, Präsident der Kulturkommission Möhlin, und Kirchenchorpräsidentin Andrea Giger richteten ein paar dankende Worte an das Publikum. Foto: Lilia Staiger