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Reges Treiben herrschte bei der Berufsschau «Schule trifft Wirtschaft». Foto: Jörn Kerckhoff

«Hört auf euch selbst» – Schüler der Oberstufe aus Möhlin treffen an der Berufsmesse auf Unternehmen aus der Region

Im Leben auch mal zu scheitern, sollte für junge Leute kein Stigma sein, sondern eher ein Hinweis darauf, einen anderen Weg einzuschlagen. Mit dieser Botschaft richtete sich Serge Corpataux, Leiter der Nachwuchsförderung der Firma Roche, an die Jugendlichen, die am Freitag die Berufsmesse «Schule trifft Wirtschaft» in der Mehrzweckhalle Fuchsrain in Möhlin besuchten. Vielleicht eine ungewöhnliche Botschaft für junge Leute, die sich im nächsten oder übernächsten Jahr auf Berufssuche begeben, doch Corpataux weiss, wovon er spricht.
JÖRN KERCKHOFF

«Ich bin ein Gymnasialabbrecher», gestand Serge Corpataux ganz zu Beginn seiner Rede an die Klassenstufe zwei der Oberstufe der Steinli Schule. «Im besten Fall könnte man sagen, wir haben uns in gegenseitigem Einverständnis getrennt, aber so war es nicht», erzählte Corpataux seine Geschichte. Bei der Roche habe er nach dem Schulabbruch eine Ausbildung zum Chemielaboranten absolviert, anschliessend mehrere Jahre in den USA gearbeitet und dort auch zwei Semester seines Managment-Studiums absolviert, das er dann in Angriff nahm. Heute leite er ein zehnköpfiges Team und sei sehr glücklich über sein «Scheitern» am Gymnasium.

Stolpersteine gehören dazuSerge Corpataux referierte über Scheitern und Chancen. Foto: Jörn Kerckhoff
Manchmal brauche es eben Umwege und auch Stolpersteine, um den eignen Weg zu finden. Aber natürlich könne man auch den direkten Weg gehen, dafür sei es aber wichtig zu wissen, was man selbst möchte. «Macht nicht, was eure Eltern wollen oder was euch eure Kollegen sagen. Macht, woran ihr Spass habt», forderte der Experte in Sachen Nachwuchsförderung die jungen Leute auf, mutig zu sein – auch auf die Gefahr hin, mal ins Solpern zu geraten. «Entscheidend für die Berufswahl ist, dass ihr euch bewusst entscheidet», so Serge Corpataux. Und wenn dies geschehen sei, dann gebe es für die Bewerbung natürlich einige Dinge zu beachten, die dabei helfen können, den Traumjob auch zu bekommen: «Euer Lebenslauf und das Motivationsschreiben sollten einwandfrei, also fehlerfrei, sein. Informiert euch gut über die Firma und überlegt euch für ein Vorstellungsgespräch gute Fragen – solche, die nicht schon beim Betrachten der Homepage des Unternehmens beantwortet werden. Und nehmt etwas zum Schreiben mit. Selbst, wenn ihr nichts aufschreibt, vermittelt dies den Eindruck, dass ihr wirklich Interesse habt», so Corpataux
«Die Schule Möhlin ist ein Ort, an dem Menschen lernen, Verantwortung zu übernehmen», prangt auf der Startseite der Homepage der Schule Steinli. Ein Satz, der in die gleiche Richtung geht wie die Aussagen von Serge Corpataux. Schulleiterin Astrid Zeiner, die ebenfalls an der Messe anwesend war, die vom Gewerbeverein Möhlin und Umgebung (GMU) organisiert worden war, sagt: «Wir leben diesen Satz bei uns an der Schule.» Fehler dürften gemacht werden, wer Fehler mache, werde nicht mit dem Siegel des Scheiterns gebrandmarkt, aber natürlich müsse jeder die Verantwortung für seine Fehler tragen und daran wachsen. «Wir arbeiten bei uns förderorientiert nicht defizit-orientiert», so Astrid Zeiner.
Für etwa 350 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen zwei und drei der Oberstufe war die Berufsmesse am Freitag eine Pflichtveranstaltung, für die Klassenstufe eins sowie für Eltern war die Messe auch am Samstag noch geöffnet. Zwischen der Klassenstufe zwei und drei gibt es einen grossen Unterschied: Während sich die Klassenstufe zwei am Freitagnachmittag noch ganz ungezwungen über verschiedene Berufsbilder und Unternehmen informierte, ging es für die Jugendlichen der Klassenstufe drei am Freitagvormittag darum, auch bereits Kontakte zu Unternehmen zu knüpfen, eventuell ein Praktikum zu vereinbaren, um im Unternehmen selbst zu erfahren, ob die Realität im Berufsalltag mit den eigenen Vorstellungen übereinstimmt.

Remzi Xheladini und Hendrik Caspar (v.l.) führten ganz unterschiedliche Gespräche mit den Jugendlichen. Foto: Jörn KerckhoffGanz unterschiedliche Gespräche geführt
So unterschieden sich denn auch die Gespräche zwischen den Ausbildungsleitern der Firmen und den Jugendlichen am Vor- und Nachmittag – und zwar bei jedem anders. «Am Vormittag haben die Jugendlichen schon viel direktere Fragen nach der Ausbildung und dem Arbeitsalltag bis hin zum Lehrlingslohn gestellt», erzählt etwa Hendrik Caspar von der Firma Streck in Möhlin. Dabei seien vier bis fünf sehr interessante Kontakte entstanden, von denen sich Caspar zumindest Bewerbungen für die insgesamt zwölf zu besetzenden Lehrstellen im kaufmännischen und gewerblichen Bereich verspricht. Bei den Zweitklässlern am Nachmittag sei es eher darum gegangen, welche Ausbildungen die Firma Streck überhaupt anbiete.
Ganz andere Erfahrungen machte Martin Daniel, Inhaber des Autohauses Daniel in Mumpf. «Die Jugendlichen am Nachmittag waren viel gelöster und wissbegieriger als die am Morgen. Denen mussten wir alles präsentieren, da kam kaum eine Frage. Man merkte ihnen an, dass sie doch unter dem Druck stehen, einen Ausbildungsplatz finden zu müssen.»
Wie viele Ausbildungsverhältnisse sich durch die Berufsmesse in der Vergangenheit ergeben haben, kann Anita Kym, Präsidentin des GMU, indes nicht sagen, sie wisse aber von Unternehmen, bei denen die Messe im vergangenen Jahr tatsächlich dazu geführt habe, dass Schüler auf ihren heutigen Ausbildungsbetrieb getroffen seien.

Bilder: (1) Reges Treiben herrschte bei der Berufsschau «Schule trifft Wirtschaft».
(2) Serge Corpataux referierte über Scheitern und Chancen.
(3) Remzi Xheladini und Hendrik Caspar (v.l.) führten ganz unterschiedliche Gespräche mit den Jugendlichen. Fotos: Jörn Kerckhoff