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Drei ehrenamtliche Mitarbeiterinnen sorgen für einen reibungslosen Ablauf und eine ansprechende Auslage der vielen Artikel. Foto: zVg

Gegenpol zur Wegwerfgesellschaft Kinderkleiderbörse Möhlin – ein Ort, wo Secondhand Sinn macht

Die Kinderkleiderbörse Möhlin ist für viele Familien in der Region längst zu einer Institution geworden. Allerdings stellen die ehrenamtlichen Betreiberinnen fest, dass immer mehr Waren abgegeben als verkauft werden. Dabei braucht es heute vielleicht mehr denn je einen Ort, an dem gut erhaltene Kinderkleider, Bücher, Spielsachen und mehr weitergegeben werden, anstatt im Altkleidercontainer oder gar im Müll zu landen.

SONJA FASLER

In der Kinderkleiderbörse Möhlin findet sich ein erstaunlich grosses Sortiment an gut erhaltenen Kinderartikeln – vorbeischauen lohnt sich. Foto: zVgSeit über 40 Jahren gibt es sie: die Kinderkleiderbörse Möhlin. Dahinter steckt ein kleines Wunder an Nachhaltigkeit und eine beeindruckende Geschichte – und heute wie damals viel Herzblut. Gegründet wurde sie 1983 von vier engagierten Frauen: Jutta Rotzler, Christiane Wehrli, Christine Lützelschwab und Angela Pesch.
Was mit einem kleinen Verkaufstisch im Pfarreizentrum Schallen begann, findet heute im 90 Quadratmeter grossen Pfarrsaal gleich neben der katholischen Kirche statt, der kostenlos genutzt werden darf. Der Grundgedanke ist bis heute derselbe geblieben: Gut erhaltene Kinderkleidung, Spielsachen, Bücher und mehr im Kreislauf halten – anstatt sie wegzuwerfen. Ganz im Sinne von Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung.

Gruppe von 14 Frauen
14 Frauen führen die Börse ehrenamtlich, ohne Vereinsstruktur, ohne finanzielle Interessen, mit viel Einsatz und einem grossen Herzen für Nachhaltigkeit und einer sozialen Ader. 20 Prozent des Verkaufserlöses geht an die Börse. «Wir machen das nicht, um Geld zu verdienen», betont Monika Bitterli, die seit rund viereinhalb Jahren im Team ist und die Kasse führt. Der Jahresgewinn – im Schnitt zwischen 2000 und 3000 Franken – wird für wohltätige Zwecke gespendet. Einzige Ausnahme dieses Jahr: Ein Teil des Geldes fliesst in dringend benötigtes Mobiliar und Büromaterial.
An den Verkaufstagen werden die Kleider fein säuberlich an Bügeln an Kleiderständern aufgehängt, andere Artikel finden auf Tischen Platz. Ein Teil kommt vor den Eingang, um Passanten anzulocken. Nach «Ladenschluss» muss alles wieder weggeräumt werden, denn der Raum wird auch anderweitig genutzt, etwa für Pilatesstunden, Kirchenkaffee oder Apéros. Dafür steht der Börse ein Keller- und ein Abstellraum zur Verfügung, wo ein ausgeklügeltes Ordnungssystem herrscht, um möglichst viel unterbringen zu können, was innert kürzester Zeit wieder aufgestellt werden kann. Gibt es einmal etwas Schweres zu heben oder etwas zu flicken, dürfen die Frauen auf Abwart André Paulin zählen, der immer hilfsbereit zur Stelle ist.
Im Schnitt arbeiten vier Frauen pro Verkaufs-/Annahmetag. «Ausser bei Saisonwechsel, da müssen wir schon zu siebt sein», sagt Barbara Velayos, die seit über 20 Jahre in der Börse mitarbeitet und die Dienstälteste im Team mit entsprechend viel Erfahrung ist. Anstatt eines Lohns gehen die Frauen vom Kinderkleiderbörsen-Team jeweils um die Weihnachtszeit miteinander auswärts essen.

Nebst Kleidern und Schuhen werden auch diverse Spielsachen, Bücher und Gesellschaftsspiele angeboten. Foto: zVgZwischen 600 und 700 Kunden
Die Abläufe sind effizient, aber bewusst einfach gehalten: Die Kundendaten – es sind rund 600 bis 700 Kunden – werden mit Karteikärtchen erfasst – ein bewährtes System, das keiner Digitalisierung bedarf. Ein Taschenrechner reicht. «Wir führen eine einfache Buchhaltung auf Excel-Tabellen, die jährlich von Revisoren der katholischen Kirchgemeinde kontrolliert wird. Die staunen jeweils über unser gut funktionierendes System», sagt die Kassenführerin schmunzelnd und nicht ohne Stolz.
Die Börse ist zweimal pro Woche geöffnet, jeweils dienstags von 8.30 bis 11 Uhr (Annahme bis 10.45 Uhr) und donnerstags von 14 bis 17.15 Uhr (Annahme bis 17 Uhr). Abgegeben werden dürfen pro Annahmetag maximal 20 Artikel – saisongerecht und in gutem Zustand, das heisst ohne Flecken und Löcher, Spiele müssen komplett sein. Kleidung ist in den Grössen 50 bis 176 willkommen. Strümpfe und Unterwäsche werden aus hygienischen Gründen nicht angenommen, Kinderwagen nicht aus Platzgründen. Und auf Autositze oder Velohelme wird aus Sicherheitsgründen verzichtet.

Es wird mehr gebracht als verkauft
Was nicht verkauft wird, geht zurück an die Besitzerinnen oder wird gespendet. Und genau hier zeigt sich ein wachsendes Problem: Die Menge an nicht verkaufter Kleidung nimmt zu. Immer öfter wird deutlich mehr gebracht als gekauft. «Es wird zu viel zu billig gekauft – und entsprechend unachtsam wieder aussortiert», sagt eine der Helferinnen. «Fast Fashion» hat längst auch den Kinderkleiderschrank erreicht. Ein Trend, der zum Nachdenken anregt.
«Für ausgediente Kinderkleidung gibt es in der Schweiz leider noch keine befriedigende Entsorgungslösung», macht Monika Bitterli die Problematik deutlich. Vieles landet im Kleidersack – doch was dann damit geschieht, bleibt oft unklar. Für die Frauen der Börse ist das keine Option. Sie achten darauf, dass jedes Stück wieder in Umlauf kommt.
Die Kinderkleiderbörse Möhlin ist ein Beispiel dafür, wie Nachhaltigkeit im Alltag gelebt werden kann. Still, lokal – und mit Wirkung. Wer also gut erhaltene Kinderkleider sucht oder abzugeben hat, findet hier mehr als nur einen Verkaufstisch. Man findet eine Gemeinschaft, die Verantwortung übernimmt.

Ab 12. August wieder offen
Zurzeit sind noch Sommerferien, aber danach geht der Betrieb in der Kinderkleiderbörse Möhlin wieder los. Erster Öffnungstag nach den Ferien ist der 12. August. «Da geht der Verkauf meist durch die Decke, weil Sporttage, Schulreisen und dergleichen ansteht», freut sich Monika Bitterli.

Erstes Bild: Drei ehrenamtliche Mitarbeiterinnen sorgen für einen reibungslosen Ablauf und eine ansprechende Auslage der vielen Artikel. Foto: zVg 
Zweites Bild: In der Kinderkleiderbörse Möhlin findet sich ein erstaunlich grosses Sortiment an gut erhaltenen Kinderartikeln – vorbeischauen lohnt sich. Foto: zVg
Drittes Bild: Nebst Kleidern und Schuhen werden auch diverse Spielsachen, Bücher und Gesellschaftsspiele angeboten. Foto: zVg