Das Lehrer*innentheater Möhlin (LTM) hat in diesem Jahr mit «Geh auf Bata – Du träumst gut!» eine Grossproduktion über die Historie des Unternehmens Bata in Möhlin umgesetzt. Das Ensemble wurde um viele Mitwirkende erweitert, und das Theaterstück wird an dem Schauplatz präsentiert, an dem sich dessen Geschichte ereignet hat: im Bata-Park in Möhlin. fricktal.info war am Freitagnachmittag beim Pressegespräch mit Regisseur Walter Küng dabei.
LILIA STAIGER
«Es fängt mit einem Traum an», so begann Regisseur Walter Küng, ein echter «Batalianer», über das Theaterstück zu erzählen und zog damit die Anwesenden bereits in seinen Bann – oder in jenen der Bata-Geschichte in Möhlin. Walter Küng ist in der Bata-Kolonie in Möhlin aufgewachsen. Küngs Vater war Schuhmacher und einer der rund 700 Beschäftigten bei Bata. Walter Küng arbeitet seit vielen Jahren hauptberuflich als Schauspieler und Regisseur. Zurück im Traum des Protagonisten Kurt Wilhelm: Er träumt von seiner Bata-Zeit und wird dann von einer Kinderschar in die wiederbelebte Bata-Kolonie geführt, wo er seinem jungen Ich begegnet. Als Grundlage für die Geschichte diente zum einen das Tagebuch von Paul Metzger aus den Jahren 1932 bis 1934 aus dem Bata-Archiv. In diesem Tagebuch beschrieb der junge Auszubildende, der die klassische Bata-Lehre, zum Teil auch in Zlín (Tschechien), wo Bata 1894 gegründet wurde, absolvierte. Zum anderen flossen biografische Elemente eines früheren Nachbarn von Küng aus der Bata-Zeit ein. Der Bewerbungsprozess wird gemäss dem dokumentierten Vorgehen beim Bata-Konzern nachgespielt. Die Auszubildenden durchliefen unter anderem die Stationen der Arbeit am Fliessband sowie im Einkauf und in der Planung. Das Theaterstück spielt vorwiegend Ende der 1950er- und Anfang der 1960er-Jahre. Auch eine Liebesgeschichte wird im Stück erzählt.
Neben Küng waren Dieter Schlachter, Produktionsleiter beim LTM, Lotti Berner vom Vorstand des LTM, sowie die Schauspieler Peter Ender und Ayhan Eranil, die beide die Hauptfigur Kurt Wilhelm verkörpern, einmal in Jung und einmal als Pensionierter, beim Pressegespräch anwesend.
Peter Ender ist ein deutscher Schauspieler, Regisseur sowie Schauspieldozent und ist seit 2014 als Professor an der Zürcher Hochschule der Künste tätig. Geschrieben wurde «Geh auf Bata – Du träumst gut!» von Walter Küng zusammen mit dem Autor Jens Nielsen.
«Das Theaterstück ist nicht chronologisch aufgebaut», erklärt Küng, «es gibt viele Vor- und Rückblenden, und verschiedene Teile der Geschichte fügen sich nach und nach wie ein Panoptikum zusammen – das ist das Spannende – und am Ende erhält man ein grosses Ganzes.»
Durch den Park zu den verschiedenen Schauplätzen
«Die Herausforderung liegt für uns auch darin, dass sich das gesamte Ensemble trifft, zudem sind wir noch mit der Kindergruppe am ‹Forschen›, wie wir sie und zudem 100 Zuschauer durch den Park zu den verschiedenen Schauplätzen führen», fügt Peter Ender hinzu. Es spielen Kinder der 2. bis 6. Klasse in Möhlin mit. «Als Zuschauer muss man zudem gut Acht geben, in welcher Welt, der Gegenwart oder der Vergangenheit, wir uns gerade befinden.» Dieter Schlachter, der nicht nur im Bata-Areal aufgewachsen ist, sondern heute noch im Bata-Park lebt, freute sich, dass Walter Küng, den er seit seiner Kindheit kennt, die Idee zu dem Stück hatte. «Es brauchte einen neuen Input, und den haben wir mit Walter, Peter, Jens und den Youngstars bekommen», erzählt Schlachter. Die «Youngstars», das sind Studierende der Zürcher Hochschule der Künste. Hauptdarsteller Ayhan Eranil ist einer von ihnen: «Es ist für uns sehr spannend, jetzt im Sommer Teil einer grösseren Arbeit zu sein und in die Bata-Welt einzutauchen.»
«Wir haben mit dem LTM ausserdem schon ewig nicht mehr draussen gespielt», ergänzt Dieter Schlachter, «zuletzt vor vielen Jahren im Sonnenpark; dieses Freilichtspiel wird aber etwas ganz anderes und mit 40 Mitspielenden natürlich viel grösser.»
Eine wichtige Rolle spielt auch die Musik
Auch die Musik spielt in dem Theaterstück eine wichtige Rolle: 21 Musikerinnen und Musiker aus der Region, einige davon von der Musikgesellschaft Möhlin, sind beteiligt. «Es gab damals sogar einen sogenannten Bata-Marsch», berichtet Walter Küng, «jedes Jahr im Mai gab es ein grosses Fest mit einer Führung durch das Areal.» Aus einer alten Aufnahme konnten die Noten des Bata-Marschs wiederhergestellt werden.
Das Pressegespräch, das im Restaurant des Bata Club Hauses stattfinden sollte, wurde zu Beginn kurzerhand nach draussen, an ein schattiges Plätzchen verlegt. Drinnen fanden gerade parallel Proben statt, doch die Temperaturen im Bata Club Haus seien im Sommer eine Herausforderung, erklärte Dieter Schlachter. Da das Gebäude, wie alle Bauten im Bata-Park, unter strengem Denkmalschutz steht, gibt es kaum Möglichkeiten, das Gebäude mit den vielen grossen Fenstern und der alten Bauweise zu klimatisieren. Abhilfe für die Proben schaffen grosse Bodenventilatoren. Das denkmalgeschützte Gebäude erfordert auch zusätzliche Massnahmen für den Bühnenbau. «Wir dürfen hier keinen Nagel in die Wand hauen, salopp gesagt», fügte Dieter Schlachter an und lachte: «Daher müssen alle Konstruktionen vorsichtig mit Pfosten und Balken erstellt werden, um nichts zu beschädigen.»
Die Premiere von «Geh auf Bata – Du träumst gut» findet am 23. August im Bata Club Haus bzw. im Bata-Park statt. Die letzte Aufführung ist am 21. September; 17 Aufführungen gibt es insgesamt.
Weitere Informationen unter: www.lehrertheater.ch