(eing.) Am Freitagabend verwandelte sich der Steinli Chäller in Möhlin in eine literarische Politbühne.
Beim siebten Chäller-Slam traten fünf Wortakrobatinnen und Wortakrobaten an. Doch an diesem Abend ging es um weit mehr als blosse Reime: Gesucht wurde symbolisch das neue Mitglied für den Bundesrat. Moderator Jeremy Chavez – frischgebackener Team-Sieger der deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften – führte mit gewohntem Witz und Charme durch das Programm.
Angesichts des angekündigten Rücktritts von Bundesrat Guy Parmelin und der bevorstehenden Ersatzwahl in Bern stand der Abend ganz im Zeichen der Schweizer Demokratie. Die fünf Slammerinnen und Slammer bewarben sich symbolisch um den freien Sitz in der Landesregierung. Umrahmt von humorvollen Fragen zur Bundesratsgeschichte und wechselnden Abstimmungsmodi entschied das Publikum direkt vor Ort: Runde für Runde vergab das Stimmvolk Wertungstafeln und Applaus, um die besten Talente in den finalen Wahlgang zu schicken.
Im Finale setzte sich schliesslich Sven Hirsbrunner gegen die Konkurrenz durch und holte sich das begehrte «Bundesratsmandat». Er begeisterte mit einer humorvollen, wunderbar absurden Reisegeschichte: Eigentlich wollte sein Protagonist lieber entspannt an einen See oder nach Neuenburg fahren, liess sich dann aber zu einer Wanderung durch die mongolische Steppe überreden. Hirsbrunner punktete mit witzigen Missgeschicken unterwegs, der unverhofften Rettung an einem einsamen Churros-Foodtruck und der vergeblichen Suche nach Kamelen – stets mit dem Augenzwinkern, dass es in Neuenburg wohl deutlich einfacher gewesen wäre.
Der anhaltende Schlussapplaus machte deutlich: Der Chäller-Slam geht in die nächste Runde. Ob es auch beim nächsten Mal wieder eine Bundesratswahl gibt, beschliessen die Bibliothek Möhlin und die Offene Jugendarbeit Möhlin in gewohnt demokratischer Manier.