(mr) Schon die Römer pflanzten im Umland des heutigen Dorfes Kaisten Weinreben an. 1973 schlossen sich Hobbywinzer, Berufswinzer und zahlreiche Wein-Enthusiasten zu einer Interessensgemeinschaft zusammen. Am vergangenen Wochenende feierte der lokale Rebbauverein seinen 50. Geburtstag in ausgelassener Atmosphäre.
In der bis auf den letzten Platz ausverkauften Mehrzweckhalle brachte es der Präsident des Rebbauvereins Kaisten, Martin Leder, zu Beginn seiner unterhaltsamen Adresse ans Publikum auf den Punkt: «Hätte der Herrgott gewollt, dass wir Wasser trinken, hätte er nicht 94 Prozent davon versalzen.» So steht denn der vergorene Traubensaft auch ein halbes Jahrhundert nach Gründung fest im Mittelpunkt des Vereins.
Während zahlreiche Vereinigungen und Clubs infolge Überalterung oder mangels Neuzugängen einer unsicheren Zukunft entgegensehen, ist die Mitgliederbasis des Rebbauvereins Kaisten über die Jahrzehnte beneidenswert hoch geblieben. Im Jubiläumsjahr prägen 59 Frauen und Männer die Geschicke der Vereinigung.
Einen besonderen Stempel drückten dem feierlichen Jubiläumsanlass Dr. Markus Dieth, Landstatthalter und Aargauer Regierungsrat, sowie Roland Michel, Präsident von Swiss Wine Aargau, auf. Dieth, Vorsteher des aargauischen Departements für Finanzen und Ressourcen, ist nicht nur Fan lokaler Pinot- Noir-Weine, er ist auch aargauischer Weinbaudirektor. Nachdem er die lokalen Tropfen gekostet und als sehr gut bewertet hatte, erläuterte Dieth die Bedeutung des Weinbaus aus kantonaler Sicht: «Lediglich drei Schweizer Kantone haben verstanden, dass Finanzen, Ernährung mit Landwirtschaft und der Genuss von Wein von einem einzigen Regierungsrat betreut werden.» So verantwortet Dieth mit seinen Kollegen in den Kantonen Tessin und Waadt als einziger Vertreter in der deutschsprachigen Schweiz dieses gewichtige Dreier-Portfolio.
Der Vorstand des Rebbauvereins Kaisten griff für den Jubiläumsabend in eine abwechslungsreiche Trickkiste und stellte eine vielseitige musikalische Umrahmung sicher. Nachdem die Musikgesellschaft Kaisten unter der Leitung von Christoph Rehmann und die Alphorngruppe Kaisten ihr vielseitiges Repertoire vorgestellt hatten, trumpfte das spontan aus Mitgliedern des Rebbauvereins und Vertretern des Männerchors Frick für das Jubiläum zusammengestellte «Winzerchörli»
auf. Die begeisterten Gäste verdankten es den Sängerinnen und Sängern mit einer Standing Ovation. Im Anschluss sorgte die Ländlerkapelle «Tubetänzig» für lüpfige Unterhaltung. Den kurzweiligen Abend moderierte gekonnt Karin Zimmermann.
Der Vorstand und alle Mitglieder des Rebbauvereins waren den ganzen Abend und bis in die frühen Morgenstunden – die Küche schloss um vier Uhr am Sonntagmorgen – ohne Unterbruch im Einsatz. Nachdem die Mehrzweckhalle mit mehr als 220 Plätzen im Handumdrehen ausverkauft gewesen war, improvisierte der Verein im Eingangsbereich spontan mit Platz für weitere 40 Gäste. Für Präsident Martin Leder war der Ansturm eine weitere Bestätigung der Bedeutung des Rebbauvereins im Dorf: «Dass wir über die Kapazität der Halle hinaus Gäste willkommen heissen durften, ist eine grosse Genugtuung für unseren unermüdlichen Einsatz.»
Das erste halbe Jahrhundert Vereinsgeschichte fand mit dem Jubiläumsanlass einen würdigen Höhepunkt – und ist gleichzeitig der Startschuss für eine optimistische Zukunft des Rebbauvereins Kaisten.