(af) Zum dreiundzwanzigsten Mal fand am 25. Januar der Chaiseraugschter Fasnachtsgottesdienst mit der lokalen Gugge «Grossschtadtchnulleri» statt, zum elften Mal mit Theobald, em Pfaff sim Aff.
Dem Publikum präsentierte sich zunächst ein ungewohnter Anblick: Da sassen ein paar Chnulleri vorn in der Kirche und chlefelten. Die beschauliche Szenerie währte nicht lange; dann zog, mit wie immer ohrenbetäubendem Lärm, die ganze Gugge ein, in ihrem diesjährigen Kostüm, rot-weiss kariert. «Chnulleri Gäng» lautet das Sujet, in Anlehnung an «Stubete Gäng», «eine Bänd / aus dem Zürcher Hinterländ», wie der Zürcher Pfaff mit Genugtuung feststellte. «Stubete Gäng», erklärte Theobald, des Pfaffen gelehrter Affe, verbinde die uralte Schweizer Tradition der Stubete, zu der auch das Chlefele gehört, mit neuen Sounds. «Örbn Ländler» heisse dieser Stil.
Theobald wusste auch, weshalb der Song, den die Chnulleri zum Einzug spielten, «Dunne mit de Gäng» heisst: «Dunne», das schweizerdeutsche Wort für «unten», sei eine Anspielung auf den englischen Slang-Ausdruck «to get down», was «feiern, tanzen, voll dabei sein», bedeute. «Ich bin voll dabei», rief er begeistert in den Raum, «kapiert?! / Drum bin auch ich rot-weiss kariert». Tatsächlich war der Affe von seiner Hofschneiderin Gerda Hollenstein im Stil der Chnulleri Gäng eingekleidet worden.
Easy Muni
Hinter seiner Horde tauchte Major Kimon auf, in Gestalt eines gigantischen Muni, der, um überhaupt durch die Eingangstür zu kommen, auf den Knien in die Kirche kriechen musste. «Easy Muni», spottete Theobald, «will Aff‘ das Fürchten lehren / – sein Versuch in Ehren! / Doch gelingen wird ihm das nie: / Schon beim Einzug geht er in die Knie!». Für einmal war es der Pfaffe, der die peinliche Szene mit einer Erklärung entschärfen konnte: «‘‹Easy Muni› ghört zu de Stubete Gänger / und gilt als coole Fäschtzältbänger: / Es Viich mit goldige Zää und Chette, / aber eigentli isch er ganz en Nette.»
Wie jedes Jahr stellten die Grossschtadtchnulleri im Fasnachtsgottesdienst nicht nur Kostüm und Sujet vor, sondern auch die neu einstudierten Songs. Dr. Dr. h.c. mult. Theobald («Pfaff, hast du’s noch immer nicht gerafft? / Ich bin Professor der Musikwissenschaft!»), übergab das Wort seiner Nachfolgerin Dr. Würmli. Das erstaunte Publikum erfuhr, dass der Affe inzwischen emeritiert ist. Er habe für die Professur keine Zeit mehr, erklärte er, es sei ausschliesslich mit dem Schreiben der Predigten des Pfaffen beschäftigt: «Neuerdings sind sie bekanntlich der Hit, / man raunt, da wirke KI mit. / Doch das ist nicht korrekt – / ich bin der Schreiber, habt ihr’s gecheckt?!» Dann war fertig Klamauk.
Das Thema jeder Religion: Wieder heichoo
Dr. Würmli erläuterte die tiefgründigen Texte der Songs, die die Chnulleri zum Besten gaben: «Castle of Glass» von Linkin Park und «From now on» aus dem Film «The Greatest Showman». Letzterer Song endet mit dem endlos wiederholten Refrain: «We will come back home again», «wir werden wieder nach Hause kommen».
«Wieder heichoo /», nahmen Pfaff und Aff das Thema in einer Spontanpredigt auf, «das isch gnau gnoo / s Thema vo jedere Religion; / zum Bischpil de verloreni Soon, / de will eifach nu hei; / Adam und Eva, die zwei / tüend nur druf waarte, / bis zrugg dörfed in Paradiisgarte; / s Gottesvolk im Wüeschtesand / sehnt sich nach em Globte Land… Und so wiiter und so fort, / zu allne Ziite, a jedem Ort / findet sich das Thema: / Mir wänd ali heigaa», radebrechte der Pfaff in seinem Zürislang; Theobald fuhr mit geschliffenem Hochdeutsch fort:
«‹Come back home again› –
Pfaff, auch ich mich danach sehn'.
Alle Kreatur will heimkommen
an den Ort, der uns einst genommen.
Aus dem Paradies vertrieben,
haben wir uns East of Eden aufgerieben
in Kämpfen und Kriegen, / jeder will siegen
und sein Ego durchsetzen,
es ist alles ein grosses Messerwetzen,
nicht? / Friede und Licht
sind‘s, wonach wir uns sehn':
‹Come back home again›.»
«What a Feeling»
Glücklicherweise beendete Theobald das andächtige Zwiegespräch vor gelangweiltem Publikum in der brätschvollen Kirche dann rechtzeitig: «Es warten die Herren und Damen, dass wir endlich sagen: Amen!» «Nach all dene tüüfe Sache /», kündete der Pfaffe den letzten Song an, sei’s Zeit für «en Song zum Schtimmig mache»: «De Kimon hät mer gseit, / es vertreit / es paar Harass Wii, / de Song kriegt d Gugge au dänn no hii: / ‹What a Feeling› ghöre mer no / und nachher ab zum Aperooo!!!»