(eing.) Mitten im dunklen Winter in einem Abendgottesdienst tauchten die Rheinfelder Reformierten mit allen Sinnen in die nachösterliche Emmausgeschichte ein. Ein besonderer Genuss für die Ohren: Jazzige Chormusik unter der Leitung der Kirchenmusikerin Nina Haugen.
«Herr, bleib bei uns, es will Abend werden», sang der Chor beim Einzug in die Kirche. Diese in der berühmten biblischen Emmausgeschichte (Lukas 24, 13-35) an Jesus gerichteten Worte bildeten das Motto. Pfarrer Jonas Meier lud Gott im Gebet ein, zur Gemeinschaft dazuzukommen und mit der Gottesdienstgemeinde mitzufeiern. Aber wie gehen wir damit um, dass wir Gott nicht sehen können? Wie leben wir mit unseren Zweifeln? Auf dem Weg nach Emmaus begegnen die verzweifelten Jünger dem sehnlichst vermissten Jesus, der erst beim gemeinsamen Mahl am Tisch erkennbar wird, beim Genuss von Brot und Wein.
Am Tod zweifeln
Mit Blick auf die Jünger fragte Meier in der Predigt: «Ist es nicht viel gewagter und mutiger, am Tod zu zweifeln als an der Auferstehung?» In einer zweiten Lesung kam der zweifelnde Thomas zu Wort, der sich bei allem Zweifeln an Jesu Auferstehung trotzdem zaghaft traut, am Tod zu zweifeln (Johannes 20, 24-31). Ein Zweifel, der ihn befreit und ihm den Himmel für die sinnliche Gotteserfahrung öffnet.
Der Zweifel, fuhr Meier fort, werde unterschätzt; eigentlich sei er ein urchristlicher Akt: Ohne Zweifel am Tod kein Glaube an die Auferstehung! Der Zweifel schaffe einen «unerschöpflichen Möglichkeitsraum»: Es könnte auch ganz anders sein. So werden die grössten Zweifel zum Glaubensbekenntnis. Es sei dies, sagte Meier, sein persönliches Glaubens- und Zweifelsbekenntnis: «Ich zweifle dran, dass die Welt gottlos ist. Dass niemand über uns wacht. Ich zweifle daran, dass Jesu Passion keinen tieferen Sinn hat und die Leidenswege so vieler Menschen umsonst gewesen sind.»
Nidaros Jazzmesse
Diese fröhliche Perspektive auf den Zweifel stimmte hoffnungsvoll, und der Projektchor sang beschwingt und mit viel Gefühl die Sätze der Nidaros Jazzmesse des zeitgenössischen Komponisten Bob Chilcott (geb. 1955): Kyrie, Gloria, Benedictus, Sanctus und Agnus Dei. Nina Haugen hatte für die musikalische Gestaltung den Kontrabassisten Jean-Jacques Futterer und den Schlagzeuger Christian Brugger beigezogen und diverse Lieder eigenhändig arrangiert.
Beim Abendmahl sang dann die ganze Gemeinde im Kanon mit: «Dona nobis pacem», «gib uns Frieden». In Brot und Wein, sagte Meier einleitend, werde sinnlich erfahrbar, was nur schwer in Worte gefasst werden könne: «Schmeckt und seht, wie freundlich der Herr ist.»
Viele Gottesdienstbesuchende blieben noch zum Apéro und drängten sich in den kleinen Gemeindesaal im Anbau, um die Gemeinschaft zu geniessen und sich über die vielschichtige Gottesdiensterfahrung zu unterhalten.
Bild: Jazzige Chormusik in der Kirche von Kaiseraugst. Foto: zVg