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Cornelia Pereira Notter. Foto: zVg
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Engagement aus Dankbarkeit – Pereira Notter ist Präsidentin des Schulvereins Lo Manthang

Wir sitzen in der reformierten Kirche Zürich-Unterstrass. Im Hintergrund hört man ein raspelndes Geräusch. Es stammt vom Chakpur, einem metallenen Sandtrichter, welchen die beiden Mönche beim Streuen des Mandalas verwenden. Einen Monat lang sind sie in der Schweiz; in Zürich, in Basel und in Kaiseraugst erstellen sie in verschiedenen Kirchenräumen während jeweils einer Woche ein Meditationsbild. Cornelia Pereira Notter betreut sie während ihres Aufenthalts, organisiert die Unterkunft, erteilt Besuchern Informationen, sammelt Spenden und Kollekten.

ANDREAS FISCHER *

Seit fünf Jahren ist Pereira Notter nun Präsidentin des Schulvereins Lo Manthang, einer kleinen, gemeinnützigen Organisation, welche sich zum Ziel gesetzt hat, Kindern und Jugendlichen aus armen Verhältnissen in strukturschwachen, entlegenen Berggebieten Nepals Zugang zu einer schulischen Grundausbildung zu ermöglichen. Die Organisation der Reisen der tibetischen Mönche in die Schweiz ist eine der Aktivitäten des Vereins.
Aufgewachsen ist Cornelia Pereira Notter in Pratteln, sie sei «ein Längi-Kind», sagt sie mit Bezug auf das damals als «Ghetto» verrufene Wohnviertel. Sie selber habe gute Erinnerungen, das Multikulti-Umfeld sei horizonterweiternd gewesen, sie sei offen und mit viel Freiraum aufgewachsen, «mit zwei Geschwistern, der Vater war Elektriker bei der Ciba-Geigy, und meine Mutter war eine spirituelle Frau, feinfühlig, vielseitig interessiert; sie hat mir viel mitgegeben für den eigenen Lebensweg».
Cornelia Pereira Notter absolvierte eine Lehre als Medizinische Praxisassistentin, arbeitete zwölf Jahre lang bei einem Kinderarzt, später, nach entsprechenden Weiterbildungen, zwölf Jahre in einer chirurgischen Praxis. Sie heiratete, zog nach Buckten im Oberbaselbiet, wurde Mutter.

Cornelia Pereira Notter. Foto: zVgDas Hobby wird zum Beruf
«Neben dem medizinischen Bereich gab es bei mir immer noch einen zweiten Schwerpunkt», erzählt sie. «Ich habe mich zeitlebens gern bewegt, machte klassisches Ballett, modernen Tanz, Jazz Dance. Dann absolvierte ich eine Ausbildung zur Tanz- und Bewegungspädagogin sowie zur Yogalehrerin und machte das Hobby zum Beruf.» Viele Weiterbildungen im komplementärtherapeutischen Bereich kamen hinzu, 1987 gründete sie das Studio movimento in Basel, welches Tanz-, Yoga-, Gymnastik- und Gesundheitskurse anbietet. «Das Studio zählt zehn Mitarbeiterinnen, seit 2021 ist meine Tochter Celine Mitinhaberin», erzählt sie.
Im darauffolgenden Jahr übernahm Pereira Notta das Präsidium des Schulvereins Lo Manthang. Dem Verein verbunden ist sie schon seit 2012. «Damals traf ich zufällig in Sissach eine Teilnehmerin eines Yogakurses. Sie erzählte mir, dass dort ein Mandala gestreut werde. Ich ging aus Neugierde hin und war beeindruckt.»
Just in jener Zeit dachte Pereira Notter darüber nach, sich in irgendeiner Weise sozial-karitativ zu engagieren, «aus Dankbarkeit», wie sie sagt, «für das eigene Leben und das meiner Tochter». Die Art, wie der Schulverein Lo Manthang arbeitet, überzeugte sie, und die Welt des tibetischen Buddhismus faszinierte sie. Sie übernahm Patenschaften von Kindern aus dem Dolpo, einer abgelegenen Bergregion Nepals, die an den Tibet angrenzt.

Cornelia Pereira Notter. Foto: zVgArmut und innerer Reichtum
Inzwischen hat sie die Gegend dreimal besucht, und bei diesen Aufenthalten habe es ihr «den Ärmel definitiv reingenommen». Pereira Notter erzählt von kargen Landschaften, einfachem Leben, der uralten Kultur, der warmen, authentischen Ausstrahlung der Menschen, die am Rand des Existenzminimums leben und innerlich unfassbar reich sind, von einem Mann, der mit vier Kindern auftauchte, das kleinste drei Monate alt. Die Mutter war nach der Geburt an Schwäche gestorben, später erfuhr sie, dass auch das Kleinkind gestorben war. Die Kindersterblichkeit, erzählt Pereira Notter, sei extrem hoch.
2024 war sie erstmals als Präsidentin des Schulvereins dort. Die Dankbarkeit der Menschen, dass es nach dem Rücktritt der Gründerin und langjährigen Präsidentin Sonngard Trindler weitergeht, sei riesig gewesen. Gleichzeitig musste sie lernen, mit Regierungsmitgliedern hart zu verhandeln, Schwerpunkte festzulegen, nein zu sagen. Das sei für sie nicht einfach, das sei ein Lernprozess, sagt sie. Doch zu sehen, wie die Projekte gedeihen und den Menschen wirklich helfen, das sei beglückend. Unter anderem habe man anlässlich ihres Aufenthalts 2024 ein neues Lehrerhaus einweihen können, das alte sei in einem unzumutbaren Zustand gewesen; dies wiederum motiviere ehemalige Schüler, die inzwischen in Katmandu, der Hauptstadt Nepals, eine Ausbildung absolviert haben, als Lehrer ins Dolpo zurückzukehren.

Cornelia Pereira Notter. Foto: zVgMehr als nur Fundraising
Die Unterstützung der Mönchsschule in jenem Kloster, welches der Abt Kungka Tenzing leitet, ist ein weiteres Projekt des Schulvereins Lo Manthang. Die Schule läuft inzwischen sehr gut, die Unterstützung kann zurückgefahren werden. Die Mandala-Tourneen des Abts in der Schweiz indessen unterstützt Pereira Notter gern. Es geht dabei nicht nur um Fundraising. Das Streuen von Mandalas ist eine spirituelle Praxis, für jene, die sie ausüben, und auch für jene, die zuschauen. Cornelia Pereira Notter erzählt, dass es sie auf verschiedenen Ebenen nährt, wenn sie sich in einem Raum befindet, in dem ein Mandala gestreut wird, das raspelnde, raffelnde Geräusch des Trichters, die gemurmelten Mantras, das habe eine beruhigende und auch heilsame, heilende Energie.
Sie selber sei katholisch aufgewachsen und habe, wie so viele, mit den kirchlichen Zeremonien nicht viel anzufangen gewusst. «Als Kind zählte ich jeweils die Lättli an der Kirchendecke», erinnert sie sich lachend. Doch die Rituale der tibetischen Mönche haben ihr den Sinn der christlichen Bräuche erschlossen. «Das Rosenkranzgebet hat dieselbe beruhigende Kraft wie die Mantras, und ein Sakrament wie die letzte Ölung sind zweifellos hilfreich beim grossen Übergang, welcher das Sterben bedeutet.» Pereira Notter meditiert jeden Morgen. Dann zieht sie sich zurück, setzt sich auf einen Yogablock und achtet auf den Atem, lässt Gedanken los und bleibt zugleich präsent.

Die letzte Reise
«Was glaubst du, wohin wir einst gehen?», fragt man am Ende des Gesprächs im Kirchenraum, das in unerwartete Tiefen eingetaucht ist. Sie sei überzeugt, dass es weitergehe, ob als Teil, als Aspekt eines Ganzen oder als eigene Entität, das wisse sie nicht. Sie vermute aber, dass wir uns selber und unsere ungelösten Themen in irgendeiner Weise mitnehmen, sagt sie. Das beeindrucke sie am Buddhismus, diese Selbstverantwortlichkeit. Da ist niemand, der mir irgendwas zufügt, ich bin selber für mein Leben verantwortlich. Was ich säe, das ernte ich.»

Bilder: Cornelia Pereira Notter. Fotos: zVg

* Andreas Fischer ist Pfarrer in der reformierten Kirchgemeinde Region Rheinfelden.

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Sandmandalas:
Sandmandalas haben im tibetischen Buddhismus eine uralte Tradition. Sie werden auf rituelle Weise hergestellt und dienen zur Meditation. Der bunte Sand wird präzise platziert, so dass nach tagelanger Arbeit ein detailreiches Bild entsteht. Mandalas symbolisieren die Vergänglichkeit allen Lebens, denn nach Fertigstellung eines Sandmandalas wird es wieder zusammen gewischt und in einen Fluss gestreut.
Vom 31. Januar – 6. Februar erstellen im reformierten Kirchgemeindehaus Kaiseraugst Khenpo Kunga Tenzing und Nawang Funchok aus Mustang/Nepal ein solches Sand-Mandala. Die Eröffnungszeremonie findet am Samstag, 31. Januar, um 11 Uhr, (musikalische Mitwirkung: Bettina Berger, Flöte; mit anschliessendem Apero Riche, ausgerichtet vom mongolischen Restaurant Sole & Sar in Rheinfelden), die Schlusszeremonie am Freitag, 6. Februar, um 15 Uhr statt. Interessierte können den Zeremonien und auch der täglichen Arbeit der Mönche beiwohnen. Öffnungszeiten: täglich 9 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr (Mittwoch von 17 bis 20 Uhr). Der Eintritt ist frei, Kollekten kommen der Klosterschule in Lo-Manthang zugute.

Weitere Informationen finden sich auf www.lo-manthang.ch.