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Der Eisvogel, erklärt von Lehrer Ralph-Peter Wagner. Foto: zVg
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Die Ueker Natur als Lehrmeisterin – Naturtag der Schule Ueken

(mh) Am Donnerstag erhielten die Kinder der Ueker Primarschule einen besonderen und einmaligen Einblick in die Natur.

«Seht ihr die Nester der Mehlschwalben?», fragte Ralph-Peter Wagner, Lehrer der 5. Klasse. Die Blicke richteten sich nach oben, wo sich einige künstliche Nester befinden, oder wie Lehrer Wagner sagte, von Menschenhand gemachte Unterkünfte. «Warum hat es ein Gitter davor?» Die Kinder der Primarschule Ueken überlegten nicht lange. Nachdem sie schon herausgefunden hatten, dass der Turmfalke ein Todfeind des Seglers ist, ist es klar: Das Gitter dient der Abwehr des Raubvogels.
Die Mehlschwalben sind aber noch nicht in Ueken angekommen. «Sie befinden sich momentan noch etwas südlicher, treffen aber bald ein.» Da der elegante Vogel mit seinem weissen Bürzel sich nicht zeigen wollte, zeigt dafür der Lehrer seiner versammelten Mannschaft ein Bild des Ueker Luftreisenden. Während dessen hielten zwei Lernende einen kleinen Vortrag über den Zugvogel, den der Lehrer, wo nötig, fachkundig ergänzte, ist er nebenbei doch auch Experte auf dem Gebiet der Ornithologie und sowieso ein begeisterter Naturliebhaber.

Nester der Mehlschwalben, ein Gitter schützt vor dem Falken. Foto: zVgEs war etwas los an diesem Gründonnerstag in Ueken, denn hier fand ein Naturtag statt. Die ganze Primarschule und der Kindergarten waren auf den Beinen, insgesamt 83 Kinder, um im Dorf fünf Posten zu besuchen, die ein besonderes Naturschauspiel bereit hielten. Begleitet wurden die Klassen von ihren Lehrpersonen, unterstützt von Fachleuten umliegender Naturvereine und einigen Grauschnäppern, denn so heissen die älteren Naturfreunde mit dem Ziel, dann und wann zu helfen, wie eben an diesem Tag.
In unterschiedlicher Reihenfolge wurden die Posten besucht, unterwegs und vor Ort gab es jeweils Erklärungen zur Natur. Verena Kläusler, Präsidentin des Naturvereins Herznach-Ueken, initiierte und organisierte den Anlass, der den ganzen Morgen dauerte und bewies, dass die Natur doch auch ein ideales Schulzimmer ist, vielleicht ein amüsanteres und spannenderes. Der Anlass stiess jedenfalls auf grosse Begeisterung, auch wenn die Kinder etwas zum Gelingen beitragen mussten: Sie hielten an den jeweiligen Stationen kurze Referate, denn Schule ist Schule.

Kindergärtner lauschen dem Glögglifrosch. Foto: zVgAuf dem Rundgang durchs Dorf und den Gemeindebann ging es einmal bis tief in den Forst hinein, so dass der Postenlauf doch einer kleinen Schulreise glich. Zurück zu den Mehlschwalben: Der Besitzer des Rauchschwalbenhauses zeigte sich bei der Erkundung durch die Schule ebenfalls und erklärte, wie der Turmfalke die Mehlschwalben zu Strecke bringt: Mühelos könne er sich unten am Nest festkrallen und darauf lauern, bis ein unvorsichtiger Jungvogel seine letzte Reise antrete. Doch das Gitter wird ihm nun das makabre Vorhaben verwehren.
Die weiteren Stationen waren alle ebenfalls lehrreich: Nachdem der NVHU, ebenfalls in einem Projekt mit der Schule Ueken, vor zwei Jahren eine Nisthilfe für den Eisvogel am Lauf des Staffeleggbaches montiert hatte, ist der bunte Vogel, übrigens Vogel des Jahres, auch in der Gemeinde Herznach-Ueken angekommen. Auf die Wasseramsel müsse man noch warten, und ob die Bergstelze schon da sei, werde sich bald offenbaren, hiess es vom Experten, der sich auch dem Biber annahm, dessen Spuren am Bachlauf nicht zu übersehen sind. Er hat schon grosse Teile des Bachs besiedelt.

olonie der Ueker Graureiher. Foto: zVgDie Schülerinnen und Schüler zeigten sich motiviert und genossen mit viel Elan den Naturtag, so dass es doch auch einmal hiess: «Seid nicht so laut, sonst hört ihr die Mönchsgrasmücke und den Zipzalp nicht.» Doch diesen Gesang, den der kundige Führer aus dem gefiederten Waldchor heraushörte, wollte sich niemand entgehen lassen. Nebst den Vogelstimmen bewunderten alle die Graureiher, die zurzeit mit Baumaterial im Schnabel eine imposante Kolonie mit riesigen Nestern errichten. Bewundernswerte Architekten!
Am Weiher im Ueker Forst galt es schliesslich, auf den Spuren des Glögglifroschs zu wandeln. Sein Glockengeläut liess noch etwas auf sich warten, doch manche gaben an, ihn gehört zu haben. Als Ersatz hörte man einen aufgenommen Klang. Die Geburtshelferkröte, wie man das kleine und stark bedrohte Amphibientier auch nennt, ist ja mittlerweile im Jurapark bekannt. Doch schön ist es immer, ihrem Klang zu lauschen, was ja doch wiederum beweist, wie wertvoll die Sorge zur Natur ist. Und das ist ja der Sinn eines solchen Anlasses, den Kindern den unvergleichlichen Wert der Natur zu vermitteln. Das Ziel wurde jedenfalls erreicht. Zum Abschluss gab es für die freiwilligen Helfer und Fachleute eine Weinrose für den Garten und ein kleines Osterhäschen für den Gaumen.

Bilder
Erstes Bild: Der Eisvogel, erklärt von Lehrer Ralph-Peter Wagner. Foto: zVg
Zweites Bild: Nester der Mehlschwalben, ein Gitter schützt vor dem Falken. Foto: zVg
Drittes Bild: Kindergärtner lauschen dem Glögglifrosch. Foto: zVg
Viertes Bild: Kolonie der Ueker Graureiher. Foto: zVg