Seit dem 1. Januar ist Herznach-Ueken offiziell eine Gemeinde. Um dieses Ereignis gebührend zu feiern, waren die Einwohnerinnen und Einwohner am Sonntagnachmittag zum «Start-Event» in die Mehrzweckhalle Ueken eingeladen. Gemeindepräsident Stephan Gemmet sprach zu den rund 200 Anwesenden. Die Grüsse von kantonaler Seite überbrachte der Aargauer Regierungsrat Dieter Egli. Musikalisch umrahmt wurde der Anlass von der Musikgesellschaft Herznach-Ueken.
SONJA FASLER HÜBNER
«Wir sind fusioniert», mit diesen Worten begrüsste der Gemeindepräsident Stephan Gemmet die Anwesenden. In einer Zeit, in der die Energie knapp werde, zwinge sich eine Fusion praktisch auf. Die Wissenschaft sei sich sicher, dass die Kernfusion noch eine grössere Energie freisetze, als die Kernspaltung. So gesehen kann es mit den fusionierten Gemeinden im Staffeleggtal also nur in die richtige Richtung gehen.
Wie in einer Ehe
Gemmet zog auch den Vergleich mit einer Hochzeit bei, was einer Fusion sehr nahe komme. «Man wünscht dem Brautpaar Glück, Segen und viel Toleranz. Und jeder kennt Sprüche wie: In der Ehe versucht man Probleme zu lösen, welche man allein nicht hat.» Sicher werde es solche Sitationen geben, dennoch hoffe man, dass die positiven Momenten überwiegten. Jetzt gelte es aber erst einmal, auf das junge Glück anzustossen.
Gemmet hielt eine kurze Rückschau darauf, wie alles begann: «Zwei alte Musikkollegen trafen sich im Frühjahr 2017 zu einem lockeren
Gespräch – Thomas Treyer, damaliger Gemeindeammann von Herznach, und Robert Schmid, damaliger Gemeindeammann von Ueken. Ein Wort ergab das andere und irgendwann fiel das Wort Fusion.» Wie bei der Musik habe es auch für den Fusionsprozess gegolten: üben, üben, üben. Schön sei gewesen, dass sowohl die Behörden als auch die Bevölkerung anhand einer Umfrage Ende 2018 dem Ansinnen von Beginn weg positiv gegüber gestanden hätten. Ab dann habe es nur noch geheissen: Vollgas.
In diversen Arbeitsgruppen sei die neue Gemeinde «definiert» worden. «Anschliessend waren wir in der Umsetzungskommission ein Jahr lang alle zwei Wochen mit der Umsetzung des Fusionsvertrags beschäftigt,» erinnert sich Gemmet. «Das erste kleine Konzert war dann die Fusions-Gemeindeversammlung vom 18. November 2022», zog er den Vergleich zu einem Orchester. «Meist tönt es harmonisch, aber zwischendurch sind auch Disharmonien zu hören. Eine Stimme muss sich manchmal etwas zurücknehmen und einer anderen den Vortritt lassen.» Wichtig sei, dass das Gesamtbild passe.
Eine Wiedervereinigung
«Wenn wir uns heute zu diesem Gemeindezusammenschluss treffen, können wir eigentlich auch von einer Wiedervereinigung sprechen», verriet Regierungsrat Dieter Egli der verdutzten Zuhörerschaft, um des Rätsels Lösung gleich nachzuliefern: «Vor einiger Zeit bildeten Herznach und Ueken zusammen mit dem Weiler Oberzeihen und dem Weiler Benken die Vogtei Herznach, die seit dem Mittelalter abwechselnd unter der Macht der Habsburger und Eidgenossen stand. Beim Anschluss des vorderösterreichen Fricktals durch Napoleon an den Aargau im Jahr 1803 – nach dem legendären kurzen Aufleben des Kantons Fricktal – trennte sich Ueken politisch von Herznach.»
Dabei sei es ganz abgesehen von der geschichtlichen Ereignissen schon klar, dass die beiden Gemeinden zusammengehörten, wenn man von der Staffelegg hier in dieses wunderschöne Tal fahre, meinte Egli, der danach noch vertiefter über die Geschichte der Dörfer berichtete. Dabei ging er auch auf einen berühmten Ueker ein, nämlich den Schriftsteller, Pädagogen und Politiker Heinrich Zschokke, der 1804 eingebürgert wurde, und eine zentrale Figur des Übergangs von der alten Eidgenossenschaft zum modernen schweizerischen Bundesstaat war. «Er verkörpert den Geist, der auch den Neuanfang von Herznach-Ueken gut widerspiegelt.»
Mit gutem Beispiel voran
Herznach-Ueken gehe mit gutem Beispiel voran für das, was auch in anderen Gemeinden des Kantons Aargau geschehe: «Denn lange bevor Ihr zu einer Einheit geworden seid, ist auf verschiedenen Ebenen auf organische Art eine Zusammenarbeit gewachsen», betonte Egli. Dies habe auch dazu geführt, dass eine deutliche Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger an der Urne ihr Einverständnis dazu gegeben hätten, als Einheit weiterzumachen. «Was zusammengehört, kommt zusammen», habe Thomas Treyer als wichtiger Drahtzieher zum Zusammenschluss einmal gesagt. «Und das ohne Druck aus Aarau», diese Aussage habe ihn besonders gefreut, betonte der Regierungsrat. Es werde zu weiteren Zusammenschlüssen kommen im Kanton. «Und wenn immer ich auf Skepsis in der Überzeugungsarbeit stosse, werde ich sagen: Geht nach Herznach-Ueken und fragt dort nach, wie das geht.»
Neues Erscheinungsbild
Wie der Gemeindepräsident informierte, erhält die 2600-Seelen-Gemeinde einen neuen gemeinsamen Auftritt verbunden mit einer neuen Website. Das Büro «Kommpakt» von Jürg Krummenacher und Martin Perini, das vor einem Jahr damit beautragt worden war, der Gemeinde Herznach-Ueken ein neues Erscheinungsbild zu verpassen, stellte dieses vor. Ziel sei dabei gewesen, der Gemeinde eine «passende Positionierung» im Umfeld der anderen Jurapark-Gemeinden zu verleihen. Aus fünf Vorschlägen sei einstimmig derjenige mit dem verbundenen «h» und «u» in Gelb als Symbol der Fusion entstanden. Das neue Signet, verbunden mit dem Slogan «typisch Staffeleggtal», der unter anderem auf die Landschaft, den Zusammenhalt, das Brauchtum, die Schule, das Bergwerk und die attraktive Lage der Gemeinde hinweist, prangt neu ab Montagmorgen auf allen Kanälen, sei das auf der Website, den Briefköpfen oder in den sozialen Medien wie Facebook und Instagram, zusammen mit immer wieder neuen Fotos aus der Gemeinde. Aber das markante gelb-schwarze Wappen bleibe der Gemeinde natürlich erhalten, versprach Krummenacher.
«Es bitzeli frech»
«Mit Ecken, aber schwungvoll. Schön, modern und ‚es bitzeli frech’. Es sticht heraus, atypisch, aber eben typisch», kommentierte der Gemeindepräsident den neuen Auftritt in seinem charmanten Walliser Dialekt und lud hernach zum gemeinsamen Apéro.