(ms) Am vergangenen Sonntagabend lud die Musikgesellschaft Gipf-Oberfrick zum traditionellen Palmsonntagskonzert in die St. Wendelinskirche ein - ein Konzert, das sich mit den schillernden Facetten des Menschseins auseinandersetzte. Unter dem Motto «Zwischen Licht und Schatten» entführte die MGGO die Zuhörer auf eine Reise durch die Höhen und Tiefen des Lebens, beginnend bei funkelnden Klängen bis hin zu den schattigen Momenten der Einsamkeit und des Verlustes.
Um 19 Uhr eröffnete die MGGO unter der Leitung von Christoph Köchli das Konzert. Den Auftakt bildete «Prismatic Light» von Alan Fernie. Die leuchtenden Brass Band-Klänge erinnerten an einen Lichtstrahl, der durch ein Prisma bricht – hell und glitzernd, aber immer wieder von dunkleren, spannungsvolleren Momenten durchzogen. Ein perfekter Einstieg, um die zentrale Thematik des Abends zu setzen. Doch mit «Eleanor Rigby» von den Beatles schlug das Konzert eine andere Richtung ein – ein Stück, das wie kaum ein anderes die Einsamkeit der modernen Welt thematisiert. Eleanor Rigby, eine Frau, die im Verborgenen lebt, und der Priester Father McKenzie, dessen Worte in der Stille verhallen, spiegeln das Gefühl von Isolation und Verlassenheit wider. Gerade in der Kirchenatmosphäre des Konzerts bekam die Musik eine besondere Intensität, die tief berührte. Danach folgte ein Moment der Besinnung: «A Little Prayer» von Evelyn Glennie. Mit Georg Schmid als Solist am Euphonium wurde dieses kleine Gebet zu einem stillen Moment der Einkehr, in dem Worte überflüssig wurden und Musik allein für sich sprach. Die Zuhörer schlossen die Augen und liessen sich von den sanften Klängen tragen. Nach diesem berührenden Moment, der mit gespannter Stille im Raum verhallte, brach ein begeisterter Applaus aus – der Zauber des Stücks war so greifbar, dass es eine Zugabe verlangte. So wurde «A Little Prayer» noch einmal vorgetragen.
Ein dramatischer Höhepunkt bot «The Phantom of the Opera» von Andrew Lloyd Webber für Brass Band arrangiert von Christopher Wormald. Die Musik, die Passion, Angst und Liebe zugleich transportiert, brachte die Gegensätze des Abends auf den Punkt. Das Phantom, verborgen im Dunkeln, doch getrieben von der Sehnsucht nach Licht und Anerkennung – auch hier schien die Musik den inneren Konflikt des Menschen zwischen Licht und Schatten eindrucksvoll darzustellen.
Mit «Midway March» von John Williams ging es dann in eine ganz andere Richtung. Das Stück aus dem Kriegsfilm «Schlacht um Midway» beschleunigte den Puls der Zuhörer mit kraftvollen, dynamischen Rhythmen. Hier stand der Kampf, der Mut und die Entschlossenheit im Mittelpunkt – eine Erinnerung daran, dass auch in den dunkelsten Momenten der Geschichte eine gewisse Stärke zu finden ist.
Mit «Faded» von Alan Walker folgte ein moderner Klassiker, der das Gefühl des Verblasstseins, des Verlorenseins, einfängt. Der Song, der 2015 veröffentlicht wurde, berührte das Publikum mit seiner Melancholie und gleichzeitigen Kraft, Verlust und das Zurückfinden zu sich selbst in einer zunehmend unsicheren Welt.
Das Finale des Abends führte die Zuhörer in die Welt von «The Rock» – Hans Zimmers Filmmusik, die mit ihrem epischen Klang die Geschichte von Hoffnung und Erlösung erzählte. Die Filmmusik aus dem Actionthriller bildete einen kraftvollen Abschluss und vereinte noch einmal die zentralen Motive des Abends.
Als krönender Ausklang folgte als Zugabe «Viva la Vida» von Coldplay. Der Song, der von einem gestürzten König erzählt, der alles verloren hat, aber dennoch das Leben feiert, hinterliess das Publikum nachdenklich und mit einem Gefühl von bittersüssem Triumph. Denn auch wenn der König alles verloren hat, bleibt das Leben dennoch lebenswert – ein letzter Gedanke, der die Thematik von Licht und Schatten auf eindrückliche Weise abrundete.
Doch damit war der Abend noch nicht zu Ende: Rhythmisch, mitreissend und voller Temperament setzte die MGGO mit «Hot Stuff» einen bewusst kontrastreichen Schlusspunkt.
«Zwischen Licht und Schatten» – dieser Abend war mehr als nur ein Konzert. Es war eine musikalische Reise, die die Gegensätze in uns allen widerspiegelte: das Streben nach Licht, die Konfrontation mit der Dunkelheit, die Sehnsucht nach Gemeinschaft und die innere Stärke, auch in den schwierigsten Momenten weiterzugehen. Präsident Lukas Schmid bedankte sich herzlich bei allen Konzertbesuchenden sowie bei den Aushilfen, Freunden, Sympathisanten, Sponsoren, der Kirchgemeinde und der Gemeinde Gipf-Oberfrick für ihre wertvolle Unterstützung. Ein besonderer Dank galt Gemeindeleiter Martin Linzmeier für die Führung durch das Konzertprogramm und Dirigent Christoph Köchli, der mit Engagement, Geduld und Humor die MGGO stets zu Höchstleistungen motiviert und damit Konzerterlebnisse dieser Art ermöglicht.
Traditionell klang der Abend bei Speis, Trank und fröhlichem Beisammensein im Gasthof Adler in Gipf-Oberfrick aus.