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Versiegelte Flächen soweit das Auge reicht: Der Bahnhof in Frick (Bild) weist eine starke Erwärmung auf. ETH-Studentin Chiara Wülser hat sich im Rahmen ihrer Bachelor-Arbeit mit sogenannten Wärmeinseln befasst. Wer dabei ausschliesslich an Städte denkt, irrt sich. Foto: Sonja Fasler

Wenn die Hitze zum Problem wird: ETH-Studentin Chiara Wülser nahm im Rahmen ihrer Bachelor-Arbeit Wärmeinseln im Jurapark unter die Lupe

Das Wort Wärmeinsel klingt eigentlich schon fast nach Ferien. Doch weit gefehlt. Wärmeinseln sind alles andere als wünschenswert und schaden unserer Gesundheit. Sie entstehen, wenn der Boden versiegelt ist, sich Fassaden erwärmen oder zu wenig Grün vorhanden ist. Wer aber meint, das Problem betreffe nur urbane Gebiete, irrt sich. ETH-Studentin Chiara Wülser hat im Rahmen ihrer Bachelor-Arbeit mit Jurapark Aargau zusammengearbeitet und dabei die Gemeinden Frick und Schinznach unter die Lupe genommen, denn Wärmeinseln gibt es auch im ländlichen Raum. In Vorträgen, heute in Schinznach und am kommenden Dienstag in Frick, gibt Chiara Wülser Einblick in ihre Forschungsergebnisse.

SONJA FASLER HÜBNER

Auch wenn man es aufgrund ihres Nachnamens vermuten könnte, ist Chiara Wülser keine Aargauerin, sondern im bernischen ETH-Studentin Chiara Wülser lädt heute und kommenden Dienstag zu ihrem Vortrag «Zukunftsfähige Siedlungen – Kühle Orte statt Wärmeinseln in Schinznach und Frick». Foto: zVgSteffisburg aufgewachsen und Wochenaufenthalterin in der Stadt Zürich. «Mein einziger Bezug zum Kanton Aargau ist, dass mein Grossvater väterlicherseits in Linn aufgewachsen ist», erklärt sie. Allerdings hat die 25-Jährige, die an der ETH Umweltnaturwissenschaften mit Schwerpunkt in Wald- und Landschaftsmanagement studiert und aktuell auf ihren Master hinarbeitet, einen weiteren Bezug zur Heimat ihrer Vorfahren geschaffen, indem sie bei ihrer Bachelorarbeit mit Jurapark Aargau zusammengearbeitet hat. «Das war von Anfang an ein fester Bestandteil meiner Arbeit. Nach Abschluss meiner Forschung zeigte der Jurapark Interesse daran, meine Arbeit weiter zu nutzen. Aus diesem Grund präsentierte ich meine Arbeit auf der Tagung für Parkforschung in Lausanne. Anschliessend kontaktierte Jurapark Aargau die Gemeinden Frick und Schinznach und fragte nach, ob Interesse daran bestünde, meine Arbeit vor Ort vorzustellen. Beide Gemeinden haben positiv reagiert», freut sich Chiara Wülser über das Interesse.

Negative Auswirkungen auf die Gesundheit
Im Zentrum ihrer Arbeit stehen Wärmeinseln, wie man sie vor allem im Zusammenhang mit Städten kennt. «Generell bezeichnet man als Wärmeinseln Gebiete innerhalb von Siedlungen, in denen die Lufttemperatur im Vergleich zu den umliegenden ländlichen Gebieten erhöht ist. Diese Phänomene entstehen durch menschliche Aktivitäten, insbesondere durch Veränderungen an der Oberfläche. Baumaterialien, die für Gebäude und Strassen verwendet werden, absorbieren mehr Wärme, was zu einer Erhöhung der umgebenden Lufttemperatur führt. Zusätzlich sind viele dieser Baumaterialien wasserundurchlässig, was bedeutet, dass weniger Feuchtigkeit für die Abführung von Sonnenwärme zur Verfügung steht», erklärt die ETH-Studentin und betont, dass Wärmeinseln negative Auswirkungen auf den Menschen haben. «Die erhöhten Temperaturen und das Fehlen von ausreichendem Schatten beeinflussen die Gesundheit und Mortalität der Menschen. Darüber hinaus führen Wärmeinseln zu erhöhten Energiekosten, da vermehrt gekühlt werden muss, und tragen zur Luftverschmutzung bei.»
Während ihres Bachelorstudiums stiess bei Chiara Wülser eine Vorlesung über GIS und dessen Anwendungen auf besonderes Interesse. GIS steht für Geografisches Informationssystem und wird zur Erfassung, Verwaltung und Analyse von Daten verwendet. «Ich habe die Dozentin Monika Niederhuber kontaktiert, um zu erfragen, ob es möglich wäre, meine Bachelorarbeit unter ihrer Betreuung anzufertigen. Sie stimmte zu und schlug mir mehrere Themen vor. Eines davon war die Untersuchung der Thematik von Wärmeinseln und Siedlungsrändern in Zusammenarbeit mit dem Jurapark Aargau. Die spezifischen Fragestellungen haben wir gemeinsam erarbeitet.»

Eine Karte, welche die Wärmeinseleffekte in Frick zeigt. Die braunen Flächen bedeuten Versiegelung, hellgelb bis dunkelrot den Wärmeinseleffekt. Gelb ist dabei die kleinste Abstufung, also zwischen 0 und 1°K Erwärmung, je dunkler die Fläche wird, desto grösser ist die lokale Erwärmung. Grafik: zVgWarum Frick und Schinznach?
Bei Wärmeinseln denkt man eher an urbane Zentren. Warum dann ausgerechnet ländliche Orte wie Schinznach und Frick? «Es war natürlich naheliegend, Ortschaften im Jurapark zu wählen. Im Weiteren wurde darauf geachtet, dass möglichst interessante Wärmeinseleffekte nachweisbar sind. Persönlich hat es mich zudem interessiert, eher ländlichere Gemeinden anzuschauen, gerade weil man bei Wärmeinseln meist an urbane Zentren denkt», erklärt Chiara Wülser, die für ihre Arbeit keine eigenen Temperaturmessungen durchgeführt hat, sondern auf die GIS-Analyse und die auf bereits vorhandenen Karten des Kantons Aargau zurückgriff, um die Gemeinden und ihre Siedlungsränder hinsichtlich Versiegelung, Wärmeinseleffekten usw. zu analysieren und kombinieren. Besonderes Augenmerk lag auf unbebauten Bauzonen und anderen freien Flächen sowie Korridoren, die für den Luftaustausch von Bedeutung sind. «Diese Leitbahnkorridore verbinden Kaltluftentstehungsgebiete mit wärmeren Siedlungsbereichen und können Grünstrukturen oder breite Strassenräume umfassen. Auch bestehende Grünflächen um die Siedlungen herum können eine kühlende Wirkung haben und dazu beitragen, den Temperaturaustausch zwischen Siedlung und Landschaft aufrechtzuerhalten. Besonders interessant war dabei die unbebaute Bauzone, da ihre zukünftige Bebauung ihre kühlende Wirkung beeinträchtigen oder zerstören könnte», macht Chiara Wülser deutlich. Die Analyse der Siedlungsränder beider Gemeinden, die durch Begehungen überprüft und bestätigt wurden, ergab, dass es Standorte mit angenehmen und klimatisch ausgeglichenen Siedlungsrändern gibt, aber auch solche mit Verbesserungspotenzial. «Generell existieren in beiden Gemeinden Bereiche, in denen Massnahmen zur Verringerung der Versiegelung und der Wärmeinseleffekte empfohlen werden können. Obwohl die Problematik nicht akut ist, erscheint es angesichts zukünftiger Erwärmungen ratsam, bereits jetzt präventiv tätig zu werden. Für langfristigen Erfolg muss die Siedlungsentwicklung viele Faktoren berücksichtigen und sich kontinuierlich weiterentwickeln.»

Versiegelung vermeiden
Aber was können die Veranwortliche in den Gemeinden konkret unternehmen, um Wärmeinseln zu vermeiden? «Zum einen könnten bereits versiegelte Flächen teilweise entsiegelt oder begrünt werden. Zum anderen könnten starke Wärmeinseleffekte durch die Verwendung hellerer Beläge oder durch die Schaffung besserer Zugänge zu Gewässern reduziert werden. Des Weiteren könnten klimatisch wichtige Flächen in den Städten und Gemeinden identifiziert und geschützt werden. Falls sich diese Flächen in der noch unbebauten Bauzone befinden, könnte man diese auszonen und eine angepasste Bebauungsplanung erwägen, um die klimatischen Eigenschaften dieser Flächen zu erhalten. Die Gestaltung von möglichst entsiegelten und naturnahen Siedlungsrändern, also dem Übergangsbereich zwischen Siedlung und Umgebung, kann ebenfalls dazu beitragen, den Temperaturausgleich zu fördern und die Biodiversität zu erhalten», weiss Chiara Wülser und macht deutlich, dass auch jeder private Grundstückbesitzer seinen Beitrag leisten kann, indem auf versiegelte Flächen mit Asphalt oder Kies verzichtet wird. Falls dennoch eine Versiegelung erforderlich sei, könne die Wahl des Materials einen Unterschied machen. «Je wasserdurchlässiger das Material ist und je mehr Raum für Pflanzenwachstum besteht, desto besser für die Umwelt. Beispielsweise kann ein Parkplatz vor dem Haus entweder asphaltiert sein, was eine starke Versiegelung darstellt, oder mit Rasengittersteinen gestaltet werden. Letztere Variante ermöglicht den Wasserabfluss und unterstützt das Pflanzenwachstum, was insgesamt umweltfreundlicher ist und zudem weniger zur Erwärmung beiträgt.»

Könnte Chiara Wülsers Arbeit also als Anleitung dienen, wie man es besser machen könnte? «Ja», sagt sie. Sie könne als Leitfaden dienen, um Verbesserungen vorzunehmen oder als Beispiel zur Anwendung für andere Gemeinden. Sie verdeutlicht, wie bereits vorhandene Daten wie die Karten zur Klimaanalyse des Kantons Aargau genutzt werden können, um Flächen mit starken Wärmeinseleffekten, hoher Versiegelung, aber auch mit kühlenden Effekten zu identifizieren. «Obwohl meine Arbeit spezifisch für die beiden Gemeinden ist, gibt es auch allgemeine Handlungsmöglichkeiten. Des Weiteren werden in meiner Arbeit wichtige Aspekte zur Reduzierung von Wärmeinseln bei der Planung von Siedlungsräumen und -rändern zusammengefasst. Dabei werden verschiedene Massnahmen aufgezeigt, um diese Aspekte zu berücksichtigen und zu verbessern.»

Vortrag
Chiara Wülser: «Zukunftsfähige Siedlungen – Kühle Orte statt Wärmeinseln in Schinznach und Frick»:

Mittwoch 21. Februar, 19 Uhr
Kurslokal Zulauf Gartencenter,
Degerfelderstrasse 4, Schinznach

Dienstag, 27. Februar, 19 Uhr
1. OG Feuerwehrmagazin,
Neumattstrasse, Frick

Eine Diskussions- und Fragerunde mit Inputs von Johannes Zulauf (Co-Geschäftsführer/Verwaltungsratspräsident Zulauf AG) bzw. Gunthard Niederbäumer (Vizeammann/Gemeinderat Frick) schliessen die jeweiligen Veranstaltungen ab.
Alle Interssierten sind herzlich eingeladen.
Weitere Informationen unter
jurapark-aargau.ch/veranstaltungen

Bilder:
1. Versiegelte Flächen soweit das Auge reicht: Der Bahnhof in Frick (Bild) weist eine starke Erwärmung auf. ETH-Studentin Chiara Wülser hat sich im Rahmen ihrer Bachelor-Arbeit mit sogenannten Wärmeinseln befasst. Wer dabei ausschliesslich an Städte denkt, irrt sich. Foto: Sonja Fasler
2. ETH-Studentin Chiara Wülser lädt heute und kommenden Dienstag zu ihrem Vortrag «Zukunftsfähige Siedlungen – Kühle Orte statt Wärmeinseln in Schinznach und Frick». Foto: zVg
3. Eine Karte, welche die Wärmeinseleffekte in Frick zeigt. Die braunen Flächen bedeuten Versiegelung, hellgelb bis dunkelrot den Wärmeinseleffekt. Gelb ist dabei die kleinste Abstufung, also zwischen 0 und 1°K Erwärmung, je dunkler die Fläche wird, desto grösser ist die lokale Erwärmung. Grafik: zVg