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Die Arbeit geht nicht aus: Polizeichef Oblt. Werner Bertschi blickt auf ein intensives Jahr zurück. Foto: Sonja Fasler

So viele Fälle wie noch nie: Die Polizei Oberes Fricktal bewältigte mit reduziertem Korps ein arbeitsintensives Jahr

Wir verzeichneten 2022 einen markanten Anstieg der Arbeitsbelastung», zieht Werner Bertschi, Chef der Polizei Oberes Fricktal, Bilanz über das vergangene Jahr. Und das mit reduziertem Korps, musste die Regionalpolizei doch vier Abgänge verkraften, von denen 2022 erst zwei Stellen wieder besetzt werden konnten. Die Patrouillenstunden konnten trotzdem aufrechterhalten werden. Glücklicherweise, denn die Zahl der Diebstähle nahm massiv zu.

SONJA FASLER HÜBNER

Im Jahr 2022 behandelte die Polizei Oberes Fricktal 2244 Fälle. «Das entspricht einem Viertel mehr als im Vorjahr», gab Werner Bertschi an der alljährlichen Medienkonferenz zum Jahresbericht 2022 bekannt. Und das mit einem permanenten personellen Unterbestand. «Der Fachkräftemangel macht auch vor der Polizei nicht Halt. Leider gestaltet sich die Rekrutierung von jungen Frauen und Männern für den Polizeiberuf immer schwieriger. Eine Herausforderung, die sich allen Polizeikorps stellt. Erfreulicherweise konnten inzwischen alle offenen Stellen besetzt werden.» Bereits im vergangenen Jahr traten Christian Vogt und Raphael Schneider neu ein, ihnen folgen Keenan Feisst im März und Patrick Sangiovanni im April, was das Korps wieder auf den Normalbestand von 18 Mitarbeitern ansteigen lässt. Und erfreulicherweise gibt es auch Nachwuchs auf vier Pfoten: «Gin vom Bachsteinhaus» und «Gaia vom Team Eriz» befinden sich zurzeit in Ausbildung als Polizeihunde. Sind die Schäferhunde einmal soweit, sollen sie das Team der Polizei bei der Suche nach Einbrechern und als Schutzhunde verstärken.

Einbrüche nehmen zu
In Anbetracht der vielen Einbrüche im vergangenen Jahr kommt der Zuwachs wie gerufen. Obwohl die Polizei in den Gemeinden des oberen Fricktals wiederum täglich präventiv patrouillierte, nahmen die Delikte im Bereich der Einbruch- und Einschleichdiebstähle im Vergleich zum Vorjahr nochmals markant zu. «Die Anzahl der registrierten Delikte korrespondiert mit der gestiegenen Anzahl von Festnahmen und Anhaltungen durch unsere Patrouillen», stellt Werner Bertschi mit Besorgnis fest.
Zugenommen haben auch die Diebstähle aus unverschlossenen Fahrzeugen. «Die Tätergruppierungen streifen nachts durch die Wohnquartiere auf der Suche nach Wertgegenständen in unverschlossenen Fahrzeugen», weiss der Polizeichef. Dem wäre ganz einfach entgegenzuwirken, indem abgestellte Fahrzeuge konsequent abgeschlossen würden. Dasselbe gilt für die Wohnungs- bzw. Haustüre. «So könnten unangenehme Überraschungen und somit Delikte reduziert werden.»
Die Fahrraddiebstähle gingen letztes Jahr zwar leicht zurück, trotzdem waren es immerhin 67. Würden die Besitzer der Zweiräder deren Rahmennummer kennen, könnten gefundene Velos, immerhin 58 im letzten Jahr, teilweise wieder zugeordnet werden. Leider waren das aber nur deren fünf.

10 222 Stunden uniformierte Präsenz geleistet
Die uniformierte Präsenz in den Quartieren und an den sogenannten «Hotspots» des oberen Fricktal (diese Liste wird angeführt von Frick, gefolgt von Laufenburg und neu Böztal) konnte trotz Personalknappheit erfüllt bzw. mit 10 222 Stunden sogar um 30 Prozent über den geforderten Stunden übertroffen werden. «Das ist nur möglich mit einem Team, das funktioniert und grosse Flexibilität an den Tag legt», lobt Bertschi sein Korps. Die Fälle im Bereich häusliche Gewalt nahmen von 75 auf 77 zu. Die Kurve steigt in diesem Bereich langsam, aber stetig an.

Massiv mehr Ordnungsbussen
Im Bereich der Ordnungsbussen fällt die markant gestiegene Zahl im Bereich Strassenverkehrsgesetz ins Auge, von 2308 auf 3485, was vor allem auf Parkbussen zurückzuführen ist. 2022 wurden wiederum Schwerpunktkontrollen im Bereich Littering durchgeführt, was zu 26 Bussen führte. Allerdings kann nur gebüsst werden, wer in flagranti erwischt wird. Dann wird allerdings eine saftige Busse von 300 Franken fällig.
Ganz offensichtlich bewährt hat sich die semistationäre Radaranlage. Sie erleichtert der Polizei nicht nur die Arbeit, sondern kann über mehrere Tage und damit auch nachts an den betroffenen Orten eingesetzt werden. So gab es zwar weniger Kontrollen insgesamt und weniger mobile Messungen, aber trotzdem deutlich mehr Übertretungen (2021: 8466 und 2022: 19 427). Der grösste Anteil fällt dabei auf die Übertretung von 1 bis 10 Stundenkilometern, aber 312 (Vorjahr 129) fuhren über 15 km/h zu schnell, sodass sie der zuständigen Staatsanwaltschaft angezeigt werden mussten.

Jahresziele 2023
Leider hatte der reduzierte Personalbestand im vergangenen Jahr Auswirkungen auf eines der Jahresziele, die sich die Polizei Oberes Fricktal gesetzt hatte, nämlich die Prävention im Jugendbereich. «Dass präventive Ansätze zur möglichen Verhinderung von Delikten, gerade bei Jugendlichen, wichtig sind, zeigt sich zum Beispiel bei unseren Verzeigungen und Sicherstellungen im Bereich der Betäubungsmittel», so Bertschi. Der Mischkonsum von Medikamenten, Alkohol und Betäubungsmitteln sei bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen «ein besorgniserregender Trend». Die Betroffenen würden sich damit je nach Kombination und eingenommener Menge einem nicht abschätzbaren Risiko aussetzen, bis hin zur Überdosierung. Je schneller ein potenzieller Suchtmittelmissbrauch festgestellt werden könne, desto früher könnten die geeigneten Massnahmen getroffen werden, weiss der Polizeichef und möchte dieses Jahr wieder vermehrt auf diese Art der Prävention setzen.

Mehr Verkehrskontrollen
Die Zunahme der Verkehrstoten (2022: 22 im Kanton Aargau) bereitet der Polizei ebenfalls Sorge. Man will vermehrt Leute, die nicht fahrtüchtig sind aus dem Verkehr ziehen. Meist sind Alkohol oder Betäubungsmittel im Spiel. Ein Augenmerk liegt dabei auch auf den Fahrradfahrern, die vermehrt in Unfälle involviert sind. Auch die Ablenkung durch Handys ist dabei ein Thema. Im Weiteren wolle man Verkehrskontrollen vermehrt für Fahndungserfolge nutzen und damit einen weiteren Beitrag zur Kriminalitätsbekämpfung leisten, so Bertschi, der an dieser Stelle auch die gute Zusammenarbeit mit der Polizei Unteres Fricktal, der Kantonspolizei, dem Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit sowie den Behörden lobt.

Bild: Die Arbeit geht nicht aus: Polizeichef Oblt. Werner Bertschi blickt auf ein intensives Jahr zurück. Foto: Sonja Fasler