Ist ein Mensch an Demenz erkrankt, stellt das Angehörige oft vor grosse Herausforderungen. Sie erleben verschiedene Belastungen im Alltag, die sie zu sozialer Isolation und physischer und psychischer Erschöpfung führen können. Die Angehörigengruppe der Pro Senectute entspricht einem Bedürfnis im oberen Fricktal. Sie ermöglicht, aus eben dieser Isolation auszubrechen und sich gegenüber Menschen, welche ähnliche Erfahrungen machen, zu öffnen. So ist im Fricktal, neben der schon bestehenden Angehörigengruppe in Rheinfelden, die Gruppe in Frick im Februar dieses Jahres gestartet. Geleitet wird sie von Susanne Briellmann.
SONJA FASLER
Susanne Briellmann, seit dreieinhalb Jahren Demenzberaterin bei der Pro Senectute Aargau, weist darauf hin, dass aufgrund der demographischen Entwicklung künftig vermehrt Menschen an Demenz erkranken. «Je höher das Alter, desto grösser ist die Gefahr, an einer Form von Demenz zu erkranken», weiss die Leiterin der Fricker Gruppe. Briellmann ist ursprünglich Pflegefachfrau, studierte später Psychologie und arbeitete unter anderem bei der Spitex und im palliativen Bereich, wo sie immer wieder mit an Demenz erkrankten Menschen in Berührung kam. «Meine Erfahrungen bewogen mich dazu, vermehrt in die Beratungsarbeit zu gehen», sagt Susanne Briellmann, die überzeugt ist, dass sie aufgrund ihres beruflichen Hintergrunds auch sehr gut einschätzen kann, wann und wie Angehörige Hilfe und Unterstützung brauchen. «Denn die Erkrankten brauchen meist früher oder später Pflege und können unter Umständen nicht mehr daheim sein.»
Zwölfte Gruppe im Aargau
Mit derjenigen in Frick gibt es im Kanton Aargau inzwischen zwölf Gesprächsgruppen für Angehörige von Menschen mit Demenz. Acht Gruppen stehen unter der Leitung von Alzheimer Aargau, vier Gruppen werden von Pro Senectute Aargau geleitet. Alzheimer Aargau und Pro Senectute Aargau erbringen beide Dienstleistungen im Bereich Demenz. Während die Pro Senectute in erster Linie für das Angebot «Zugehende Demenzberatung» zuständig ist, übernimmt Alzheimer Aargau als Fachorganisation Aufgaben in den Bereichen Beratung, Öffentlichkeitsarbeit, Ferienangebote und Gesprächsgruppen.
Für die Teilnehmenden einer Gesprächsgruppe ist es wichtig einen geschützten Ort zu haben, an dem sie ihre Erfahrungen austauschen und über die Auswirkungen der Krankheit Demenz sprechen können. Denn wenn ein Angehöriger an Demenz erkrankt, tun sich viele Fragen, Ängste und Sorgen auf. Die Angehörigengruppe ermöglicht in diesem Fall einen emotionalen Rückhalt.
Die eine Lösung gibt es nicht
In einer geleiteten Gesprächsgruppe können Angehörige von ihrem Alltag erzählen und ihre Erfahrungen austauschen. Ziel sei es nicht in erster Linie, eine «Lösung» zu finden, betont Susanne Briellmann, vielmehr gehe es darum zu erfahren, wie andere Betroffene mit ähnlichen Situationen umgehen. Und manchmal ergeben sich auch wertvolle Tipps für den Alltag mit dem Partner oder der Partnerin, dem Vater oder der Mutter. Etwa, wenn die an Demenz erkrankte Person partout nicht zum Arzt gehen will. Oder wenn es darum geht, dem Betroffenen schonend beizubringen, dass er oder sie nicht mehr Auto fahren sollte. Das führe zu vielen Missverständnissen und Spannungen in der Beziehung. «Wenn es ums Autofahren geht, könnte beispielsweise beim Strassenverkehrsamt um das Aufgebot zu einer Kontrolluntersuchung ersucht werden», nimmt Susanne Briellmann das konkrete Beispiel auf.
«Es muss in der Gesprächsgruppe aber nicht immer ernst zu und her gehen, auch Humor darf Platz haben», sagt sie. Der Erfahrungsaustausch kann dazu beitragen, gewisse Situationen im Alltag mit mehr Leichtigkeit anzugehen.
Nächstes Treffen am 12. Juni
Die Gruppe in Frick trifft sich jeweils am zweiten Mittwoch im Monat von 15 bis 17 Uhr in den Räumlichkeiten der Pro Senectute an der Widengasse 5. Das nächste Mal am 12. Juni. Anmelden kann man sich bei der Beratungsstelle in Frick oder direkt bei Susanne Briellmann (Tel. 062 837 50 46). Ein Einstieg in die Gruppe sei jederzeit möglich, betont sie. Nach einem Vorgespräch könne man einmal reinschnuppern und so herausfinden, ob man sich wohl fühle. Schon beim ersten Treffen im Februar waren es acht Angehörige. Der Leiterin ist es wichtig, für alle eine offene Türe zu bieten. «Es muss nicht immer der Partner oder die Partnerin oder ein Elternteil betreffen, es kann beispielsweise auch um eine gute Freundin gehen», sagt sie. Auch das Stadium der Erkrankung ist zweitrangig. «Bei einigen Betroffenen ist die Diagnose erst gestellt worden, bei anderen steht der Weg ins Pflegeheim an oder ist schon vollzogen», so die Beraterin. Zudem gibt es viele Arten von Demenz und spezifische Symptome, die damit einhergehen. «Gemeinsam haben sie die Wesensveränderung des Menschen. Demenz bedeutet ein Verlust, ein Abschiednehmen auf Raten sozusagen», beschreibt es Susanne Briellmann.
Was können die Angehörigen nach einem Treffen mitnehmen? «Sie sollten mit einem Gefühl des Verstanden- und Nichtalleinseins heimgehen, eventuell Tipps anwenden können und vielleicht sogar etwas mehr Gelassenheit entwickeln», so Susanne Briellmann, die sich gut vorstellen kann, dass sich auch die eine oder andere Freundschaft unter den Teilnehmenden entwickelt. Wichtig sei, dass das Gehörte nicht weitergetragen werde. «Ich stehe unter Schweigepflicht», betont sie. Betroffenen Angehörigen rät sie zudem, ihre bestehenden Kontakte aufrechtzuhalten, um so der Isolation entgegenzuwirken.
«Demenz passt nicht in unsere schnelllebige Gesellschaft»
«Wir sind eine schnelllebige Gesellschaft, in die eine Krankheit wie Demenz eigentlich gar nicht reinpasst», gibt Susanne Briellmann zu bedenken. «Oft können andere Menschen diese Situation gar nicht nachvollziehen. Sich in einer Gruppe auszutauschen, in welcher die Teilnehmenden wissen, was es bedeutet, einen Angehörigen Menschen mit Demenz zu betreuen, kann sehr hilfreich sein. Man kann sich gegenseitig stützen, um gestärkt den nächsten Tag zu meistern.»
ag.prosenectute.ch/demenz
Bilder:
Erstes Bild: Susanne Briellmann von der zugehenden Demenzberatung der Pro Senectute Aargau leitet die Gesprächsgruppe für Angehörige von Menschen mit Demenz in Frick. Foto: Sonja Fasler
Zweites Bild: Menschen, die an Demenz erkrankt sind, entgleiten dem Leben Stück für Stück. Das ist nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern auch für ihre Angehörigen extrem belastend. Foto: Willi Haimerl/pixelio.de