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Die Arbeit geht nicht aus: Polizeichef Werner Bertschi, Gemeindeammann und Präsident Führungsausschuss Daniel Suter sowie Polizeichef-Stellvertreter Daniel Meier (von links) anlässlich der Präsentation des Jahresberichts 2023. Foto: Sonja Fasler

Häusliche Gewalt nimmt erneut zu: Die Polizei Oberes Fricktal blickt auf ein sehr arbeitsintensives Jahr 2023 zurück

Der Polizei Oberes Fricktal geht die Arbeit definitiv nicht aus, wie die Zunahme der bearbeiteten Fälle im Jahr 2023 um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr deutlich macht. Polizeichef Werner Bertschi und sein Stellvertreter Daniel Meier blicken anlässlich der Vorstellung des Jahresberichts 2023 sorgenvoll auf eine stark angestiegene Zahl von Fällen häuslicher Gewalt. Im Bereich Verkehrssicherheit bereitet unter anderem die Zunahme von Elektro-Trendfahrzeuge Sorgen.

SONJA FASLER HÜBNER

Seit Corona steigt die Zahl der bearbeiteten Fälle massiv an – und das in praktisch allen Bereichen, wie der Jahresbericht 2023 deutlich macht.

Vollzähliges Korps
Umso wichtiger sei, dass man auf ein vollzähliges Korps zählen und alle vakanten Stellen wieder habe besetzen können, freut sich Polizeichef Werner Bertschi. Keine Selbstverständlichkeit, haben doch viele Polizeikorps mit Abgängen und fehlendem Nachwuchs zu kämpfen.
2023 stiessen die Polizisten Keenan Feisst und Patrick Sangiovanni sowie die Zivilangestellte Eveline Probst zum Team. Anfang Januar trat Polizist Cyrill Birrer seine Stelle in Frick an und Polizeiaspirant Florian Meier beginnt am 1. April und besucht parallel die Polizeischule in Hitzkirch. Per 31. Dezember 2023 arbeiteten 15 Polizistinnen und Polizisten, zwei Aspiranten sowie drei Zivilangestellte bei der Polizei Oberes Fricktal. Unterstützt werden sie zudem von zwei Fellnasen. «Gin» hat zusammen mit Herrchen Dewis Fuss die Ausbildung zum Polizeihund soeben erfolgreich abgeschlossen, seine Kollegin «Gaia» mit Herrchen Raphael Schneider ist auf bestem Weg dazu. Lange Jahre habe es keine Hunde bei der Polizei Oberes Fricktal gegeben. «Umso mehr schätzen wir diesen Zuwachs», so Daniel Meier, der betont, dass Hunde im Polizeidienst immer wieder von grossem Nutzen seien. «Sie unterstützen nicht nur unser Korps sondern werden nach Bedarf auch andernorts eingesetzt.»

Vom verbalen Streit bis zur tätlichen Auseinandersetzung
Überdurchschnittlich stark angestiegen sind 2023 die Fälle häuslicher Gewalt. 95 Mal mussten Patrouillen diesbezüglich ausrücken, 2022 waren es noch 77 Fälle. Dabei gehe es vom «einfachen verbalen Streit bis hin zur tätlichen Auseinandersetzung». Wichtig sei dabei, die Gewaltspirale möglichst früh zu stoppen und je nachdem verschiedene Fachstellen frühzeitig zu involvieren, um weitere Gewaltvorfälle möglichst zu verhindern. In seinem Jahresbericht hält Polizeichef Werner Bertschi fest, dass die Statistiken der vergangenen Jahre deutlich aufzeige, dass in der Schweiz nirgendwo so viele Gewaltdelikte verübt würden, wie im häuslichen Kontext. Wie lässt sich dieses Phänomen erklären? Ihm falle auf, dass die Leute dünnhäutiger geworden und die Akzeptanz einander gegenüber gesunken sei, sagt Daniel Meier dazu.

Draussen präsent
Die Polizei Oberes Fricktal konnte ihre Patrouillen-Tätigkeit 2023 nochmals steigern und markierte 10 754 Stunden uniformierte Präsenz in der Region. «Das ist eine unserer grossen Stärken», betonen Werner Bertschi und sein Stellvertreter Daniel Meier. Die guten Kenntnisse des Einsatzgebiets sei von grossem Vorteil und schärfe den Blick dafür, die «richtigen Leute» zu kontrollieren.
Während der Aufwand in den Bereichen der Kriminalitätsbekämpfung und der Verkehrssicherheit in etwa gleichgeblieben sei, stieg er im Bereich «Sicherheit und Ordnung» erheblich an. Darunter fallen beispielsweise die systematischen Kontrollen der Bahnhöfe im Einsatzgebiet. Spitzenreiter der sogenannten Hotspots in der Region ist nach wie vor die Zentrumsgemeinde Frick, gefolgt von Laufenburg-Sulz und Böztal. 2023 gab es 32 Festnahmen und 19 Anhaltungen, etwa gleich wie im Vorjahr.

Auffallend ist die Zunahme der fürsorgerischen Unterbringungen von 28 auf 35 Fälle. Bei den Anzeigen fällt der Anstieg auf 855 (Vorjahr 575) im Bereich des Strassenverkehrsgesetzes ins Auge. «Durch die verstärkten Kontrollen unserer Patrouillen bezüglich der Fahrfähigkeit der Lenker haben sich die Anzeigen in den Bereichen Fahren unter Alkohol- oder Betäubungsmitteleinfluss mehr als verdoppelt», kommentiert dies Polizeichef Bertschi. Auch die Anzeigen wegen «nicht bezahlter Bussen» im Bereich des Strassenverkehrs haben enorm zugenommen. 32 Fahrzeuglenkenden wurden im Rahmen von Geschwindigkeitskontrollen aus dem Verkehr gezogen, weil sie die signalisierte Höchstgeschwindigkeit «massiv überschritten» hatten. Insgesamt wurden 2023 40 Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt und dabei rund 810 000 Fahrzeuge gemessen, woraus 17 515 Übertretungen resultierten. 248 davon waren mit 15 km/h oder mehr zu viel unterwegs. Die Übertretungsquote sank leicht von 3 auf 2 Prozent.

Die Polizei Oberes Fricktal wird auch 2024 an den sogenannten Hotspots wie hier am Bahnhof Frick präsent sein. Foto: zVgWieder mehr Fahrraddiebstähle
Die Zahl der gestohlenen Fahrräder ist mit 95 gegenüber 67 im Jahr 2022 wieder stark angestiegen, wie aus der Statistik hervorgeht. «Auffällig dabei ist, dass gerade einmal etwas mehr als ein Drittel der Fahrräder gefunden werden. Nur deren neun konnten den rechtmässigen Besitzern zurückgegeben werden», so Werner Bertschi dazu. Leider fehlte bei jedem dritten gestohlenen Fahrrad bei der Anzeigeerstattung die Rahmennummer, mit deren Hilfe eine eindeutige Identifizierung möglich wäre, bedauert der Polizeichef.
In Sachen Prävention legt die Polizei Oberes Fricktal grossen Wert auf die Verkehrsinstruktion bei Kindern vom Kindergarten bis hin zur 5. Klasse. Speziell ausgebildete Polizisten unterrichten die Kinder vom sicheren Überqueren der Strasse bis hin zur Veloprüfung. Seit 2024 gibt es hier eine Neuerung. «Verkehrsinstruktion und Jugendpolizei werden zum neuen Dienst Prävention zusammengeschlossen», erklärte Werner Bertschi und macht deutlich, dass so Überschneidungen künftig vermieden werden. Zudem wird der Bereich Jugendpolizei mit der Einführung von Präventionslektionen an Oberstufen massiv erweitert. Diebstahl, Betäubungsmittel und Cybermobbing werden unter anderem thematisiert.

Schwerpunkte 2024
Im aktuellen Jahr liegt ein weiterer Schwerpunkt bei der Verbesserung der Verkehrssicherheit durch die vermehrte Kontrolle der Fahrfähigkeit der Lenker.
E-Trendfahrzeuge, wie zum Beispiel E-Scooter, werden zudem konsequenter kontrolliert. Hier geht es zum einen um die Fahrberechtigung, denn unter 14-Jährige dürfen diese nur mit entsprechender Fahrerlaubnis lenken, zum anderen um Tuning. Leider überschritten die Fahrzeuge, die übrigens auf die Strasse und nicht aufs Trottoir gehören, häufig die 20-km/h-Grenze, weil sie manipuliert worden seien, weiss man bei der Regionalpolizei.
Ein Augenmerk liegt im aktuellen Jahr auch bei Grossveranstaltungen in der Region. So wird die Polizei Oberes Fricktal bei der Outdoorsession Effingen, dem Regionalturnfest Sulz, dem SlowUp Hochhrein, dem Sichtfeld-Openair Gipf-Oberfrick oder dem Internationalen Landmaschinen- und Oldtimertreffen in Effingen präsent sein.

Eine Zusammenarbeit, die gut funktioniert: Die Polizei Oberes Fricktal und die Kantonspolizei Aargau teilen sich das Gebäude in Frick. Foto: Sonja FaslerWerner Bertschi zeigte sich überzeugt, dass die die Polizei Oberes Fricktal durch ihre Verankerung in den Gemeinden, ihre Orts- und Personenkenntnisse und die starke Präsenz in den Quartieren das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung stärke: «Kurze Wege garantieren rasche und auf die jeweilige Situation angepasste polizeiliche Massnahmen.» Durch den engen Kontakt mit den Gemeinden könnten Hotspots frühzeitig erkannt werden. Man schaue dabei auch über den Gartenzaun hinaus und unterstütze nicht nur die Nachbarn im unteren Fricktal oder in Brugg, sondern auch die Kantonspolizei, die in Frick unter dem gleichen Dach untergebracht ist. Auch mit den Mitarbeitern der Grenzwacht pflege man eine gute Zusammenarbeit.
Zum Teil herrsche die Meinung vor, dass die Regionalpolizei nicht alles könne, was die Kantonspolizei kann, «aber das Gegenteil ist der Fall», betonte der Fricker Gemeindeammann Daniel Suter, der Präsident des Führungsausschusses der Polizei Oberes Fricktal ist, mit Blick auf die im Grossen Rat anstehende Abstimmung zur Einheitspolizei. «Das Geld, das wir aufwenden, wird gezielt für die Region eingesetzt.»

Bilder: 
1. Die Arbeit geht nicht aus: Polizeichef Werner Bertschi, Gemeindeammann und Präsident Führungsausschuss Daniel Suter sowie Polizeichef-Stellvertreter Daniel Meier (von links) anlässlich der Präsentation des Jahresberichts 2023. Foto: Sonja Fasler
2. Die Polizei Oberes Fricktal wird auch 2024 an den sogenannten Hotspots wie hier am Bahnhof Frick präsent sein. Foto: zVg
3. Eine Zusammenarbeit, die gut funktioniert: Die Polizei Oberes Fricktal und die Kantonspolizei Aargau teilen sich das Gebäude in Frick. Foto: Sonja Fasler