Grosser Bahnhof für Chiara Leone: Die 26jährige Olympiasiegerin in der Königsdisziplin Dreistellung Gewehr 50 Meter wurde am Sonntag unter grossem Applaus durch Frick im offenen Oldtimer gefahren und anschliessend im Mehrzweckgebäude Racht gewürdigt.
PETER SCHÜTZ
Das Bild während des Ehrenmarsches durch die Ortschaft wiederholte sich auf dem Gelände der Primarschule und in der Halle: viele klatschende, der Olympiasiegerin zurufende, Fahnen schwenkende Leute, etliche Vereine und Gäste auch von weiter her. Als Chiara Leone das Mehrzweckgebäude betrat und in Richtung Bühne ging, schlug ihr frenetischer Applaus entgegen. Bei den Ehrengästen angelangt, drehte sich die Olympiasiegerin um und zeigte stolz ihre Goldmedaille – worauf die Begeisterung noch einmal deutlich hörbar zunahm. Kein Wunder: Die einzige Schweizer Goldmedaille an den Olympischen Spielen 2024 in Paris ist eine Fricktaler Goldmedaille. Die Schützenvereine aus der Region erwiesen Chiara Leone denn alle Ehre.
Ebenso die Redner: Gemeindeammann Daniel Suter sprach von einer «beeindruckenden Leistung, die uns alle tief bewegt hat.» Suter hatte noch an der Bundesfeier am gleichen Ort die Nachricht überbracht, dass Chiara Leone sich für den Final der besten Acht qualifiziert hatte und man ihr die Daumen drücken solle – offenbar hat es geholfen, denn die 26jährige Sportlerin, deren Heimverein die Sportschützen Frick ist, liess ihre Konkurrenz hinter sich. Die Spannung beim Final sei wie Hitchcock und Chiara Leone «so cool» gewesen, erzählte Daniel Suter. Die Olympiasiegerin habe nicht nur die Goldmedaille gewonnen, so Suter, «sondern sie hat auch gezeigt, was man mit harter Arbeit erreichen kann.» Deshalb sei es keine Frage gewesen, ob sie Erfolg haben würde, sondern wann. Daniel Suter: «Wir feiern einen unermüdlichen Einsatz und Wille.» Chiara Leones Reise sei «eine Inspiration für uns alle». Und an die Sportschützin gerichtet: «Wir sind unglaublich stolz auf dich.»
«Etwas Spezielles für den Sportkanton Aargau»
Schliesslich Regierungsrat und Sportdirektor Alex Hürzeler: «Chiara Leone hat Nervenstärke bewiesen.» Ihr Erfolg sei die «Frucht von jahrelanger unermüdlicher Arbeit», hielt er fest, aber auch eine Bestätigung, dass das Schweizer Sportwesen erfolgreich unterwegs sei. Die Goldmedaille sei «etwas Spezielles für den Sportkanton Aargau», so Hürzeler. Bis zu Chiara Leones Erfolg in Paris habe es erst drei Olympische Goldmedaillen von Aargauer Sportlern gegeben. 1948 gewann sie der aus Rothrist stammende Turner Michael Reusch in London am Barren. 1992 wurde Donat Acklin aus Herznach Olympiasieger im Zweierbob in Albertsville, zwei Jahre später erneut in Lillehammer. Nun also auch Chiara Leone, die im Schützenkanton Aargau ihre Wurzeln hat. Für den Aargau sei ihr Erfolg in Paris «historisch», so Alex Hürzeler. Deshalb sei es legitim, dass er als Noch-Sportdirektor «die paar Kilometer von Paris heimlaufen wird». Hürzeler hatte dieses Frühjahr öffentlich versprochen, dass er, sollte es an den Olympischen oder Paralympischen Spielen eine Aargauer Medaille geben, zu Fuss von Paris nach Hause gehen werde. Das sind immerhin rund 500 Kilometer. Hürzeler will dieses Versprechen bis zur nächsten Olympiade einlösen, sagte er.