Es ist ein Angebot, das immer mehr Schule macht und mit dem sich vielleicht sogar der eine oder andere Zweitwagen einsparen lässt: E-Carsharing. Seit Freitagmorgen hat auch die Stadt Laufenburg mit dem Renault Zoe der Firma «my-e-car» ein erstes Elektroauto, das man mieten kann und das mit Ökostrom fährt.
SONJA FASLER HÜBNER
Das hätte sich der legendäre Bauernhauptmann Hans Müller von Bulgenbach, der im Jahre 1525 im Schwertlisturm gefangen gehalten und schliesslich enthauptet wurde, wohl in seinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können: Der aus dem 13. Jahrhundert stammende Turm dient heute nicht nur der Elektrizitätsversorgung als Trafostation sondern beherbergt seit dem Sommer letzten Jahres auf seinem Vorplatz Ladestationen für Elektro-Fahrzeuge. Um das Angebot komplett zu machen, ist jetzt mit etwas Lieferverzögerung ein E-Carsharing-Fahrzeug hinzugekommen.
Angebot auf deutscher Seite wird rege genutzt
Es sei das erste reine E-Carsharing-Angebot, das die Firma «my-e-car», eine Tochtergesellschaft der in Laufenburg (Baden) ansässigen Energiedienst Holding AG, ennet dem Rhein anbiete, sagte Nils Hoesch, bei der Energiedienst Holding AG zuständig für Photovoltaik und E-Mobilität und Geschäftsleiter von «my-e-car», anlässlich des Pressetermins am Freitagmorgen. Auf deutscher Seite gebe es das Angebot bereits seit rund einem Jahr und es werde rege genutzt – auch von Schweizer Kunden. Bei der Firma Kopa in Laufenburg Schweiz hat «my-e-car» auch ein Fahrzeug stehen, welches zu Geschäftszeiten für die Firma, darüber hinaus aber von jedermann in Anspruch genommen werden kann. Davon werde fleissig Gebrauch gemacht, so Hoesch.
Ein Informationsanlass Anfang letztes Jahr habe zudem deutlich gemacht, dass in Laufenburg eine entsprechende Nachfrage bestehe, doppelte Stadträtin Rebecca Melton, zuständig für das Ressort Standortmarketing und Bildung, nach.
«Einfaches Prinzip mit übersichtlichen Gebühren»
«Das Prinzip von my-e-car ist sehr einfach», betonte Nils Hoesch und machte auf die Website my-e-car.ch aufmerksam, wo alles Schritt für Schritt erklärt werde, auch mit Videos. Die Gebühren seien sehr übersichtlich. Egal, wo man Energie tanke, der Preis bleibe gleich.
Das Fahrzeug kann entweder über eine App oder die Buchungshotline reserviert werden, je nach Verfügbarkeit Tage oder Wochen im Voraus oder unmittelbar vor der Nutzung. Der Führerschein muss eingescannt und hinterlegt werden und schon steht das Angebot offen. Der Renault Zoe (das Standard-Modell von «my-e-car») habe eine Reichweite von bis zu 300 Kilometern. Und er sei nicht nur an «my-e-car»-Ladestationen, die zu 100 Prozent mit Strom aus regionaler Wasserkraft angetrieben werden, sondern an 95 Prozent aller Ladestationen in der Schweiz und in Europa aufladbar. Das Fahrzeug kann mit 22 kW Wechselstrom innerhalb von zweieinhalb Stunden voll geladen werden. Und auch wenn sein Äusseres vielleicht anderes vermuten lasse, sei er ein wahres «Raumwunder», lobte Hoesch. Das Fahrzeug sei sehr bedienungsfreundlich und noch mit Knöpfen und Tasten ausgerüstet, um Neu-Nutzer nicht zu überfordern. Wer trotzdem eine Frage hat, kann eine 24/7-Hotline anrufen und wird beraten.
«Es muss unkompliziert sein und das ist es», freut sich Stadträtin Rebecca Melton, die hofft, dass man vielleicht in einem halben Jahr schon feststellen könne, dass es eine Aufstockung der Fahrzeugflotte brauche. Momentan gibt es beim Schwertlisturm einen «my-e-car»-Parkplatz. Zwei weitere Parkfelder sind zum Laden von weiteren E-Autos reserviert. Eventuell müssten also weitere Parkfelder hinzukommen.
Idealer Standort
Ideal sei der gut sichtbare Standort in der Nähe von Altstadt und Bahnhof, so Melton. Man habe zwar bei der Planung festgestellt, dass der Boden dem Kanton und nicht der Stadt gehöre, aber man habe beim Kanton offene Türen eingerannt und die Baubewilligung sei schnell da gewesen. Gerade in Anbetracht des abgelehnten Bahn-Halbstundentaktes könne das Carsharing-Angebot eine gute Alternative sein, so Melton. Zum Beispiel für Altstadtbewohner dank der Nähe zu ihrem Zuhause oder für Paare, die dadurch eventuell auf einen Zweit-Wagen verzichten könnten.