(eing.) Noch keine Strassenlampe brannte, als sich die Musikantinnen und Musikanten der Musikgesellschaft Sulz, begleitet von ihren Veteranen Ewald und Geri sowie ihrem Ehrenmitglied (und Tausendsassa) Alex, der vom Gasttubisten Kurt gleich als persönlicher Tubaträger eingespannt wurde, um 3.15 Uhr auf dem Turnhallenplatz in Sulz einfanden, um die Reise in das gut 1000 Kilometer entfernte polnische Rybnik anzutreten.
Die erste Etappe führte mit dem Bus von Sulz zum Flughafen Zürich. Auf der Fahrt dorthin überraschte Beat die Reisegruppe mit roten Hüten, die er und seine Tochter extra mit weissen Hutbändern versehen hatten. Wie besser als mit den Farben Rot und Weiss, die sowohl in der Schweizer als auch in der polnischen Flagge vorkommen, hätte man die Reise der Musikgesellschaft Sulz aus der Schweiz an das Musikfestival im polnischen Rybnik symbolisieren können. Die Hüte wurden denn auch für den Rest der Reise das Erkennungszeichen der Musikantinnen und Musikanten aus Sulz. Wo immer die Musikgesellschaft Sulz war, fiel sie durch ihre rot-weissen Hüte auf.
Das Festival der Blasorchester «Zlota Lira» in Rybnik kann auf eine lange Geschichte zurückschauen. Es wurde 2026 zum 35. Mal ausgetragen. 2026 nahmen 18 Musikgesellschaften und Orchester aus Tschechien, der Slowakei, Ungarn, der Ukraine, Litauen, Mexiko und der Schweiz teil. Aufmerksam wurde die Musikgesellschaft Sulz auf das Festival, weil Georg Weiss, der Vater des Dirigenten der Musikgesellschaft Sulz, Jochen Weiss, der Präsident der Wettbewerbsjury war.
Am Flughafen in Zürich angekommen, galt es, das Gepäck und die Instrumente für den Flug nach Krakau einzuchecken. Überraschend, wie viele Reisende an einem Freitag zu dieser frühen Stunde, lange bevor die ersten Flugzeuge starteten, am Flugplatz unterwegs waren, so dass sich vor den Schaltern bereits lange Schlangen bildeten. Da die Musikgesellschaft zum ersten Mal mit dem Flugzeug zu einem Auftritt reiste, war auch die Aufgabe der Musikinstrumente eine Premiere. Je nach Grösse des Instruments konnten diese im normalen Gepäck untergebracht oder mussten am speziellen Sondergepäckschalter aufgegeben werden, wo die Musikinstrumente neben dem sonst meist aus Sportgeräten wie Fahrrädern, Surfbrettern oder Golfschlägern bestehenden Sperrgut auffielen. Nachdem alle Koffer und Instrumente eingecheckt waren, blieb noch genügend Zeit für eine kleine Stärkung in den zum Teil gerade erst öffnenden Cafes des Terminals, bevor der Flug in Richtung Krakau startete.
Vom Flughafen Krakau, wo die Musikgesellschaft von Magdalena, ihrer persönlichen Betreuerin während des Aufenthalts in Polen, herzlich empfangen wurde, brachte ein Bus die Musikgesellschaft in einer gut eineinhalbstündigen Fahrt nach Rybnik. Auf einem Parkplatz wurde die Reisekleidung gegen die Musikuniform getauscht, da um 14 Uhr die offizielle Eröffnung des Festivals mit einem Umzug sämtlicher teilnehmender Musikgesellschaften und Orchester durch die Innenstadt von Rybnik begann. Der Umzug, auf dem die Musikgesellschaft Sulz die Stücke «El Pedro» und «Flott voran» spielte, endete mit dem Einzug der teilnehmenden Musikgesellschaften und Orchester auf dem Markplatz. In einem kleinen Festakt, bei dem Vertreter des Festivals und der Stadt Ansprachen hielten, stellten sich die teilnehmenden Musikgesellschaften und Orchester jeweils mit einem kurzen Musikstück vor. Die Musikgesellschaft Sulz spielte zur Präsentation einen Ausschnitt aus dem Stück «Crazy train». Musikalischer Höhepunkt der Eröffnungsfeier war aber zweifellos das gemeinsame Spiel der Fanfare «Sygnal ‘Zlota Lira‘ 2000», des Stücks «Hajnal miasta Rybnika» sowie schliesslich der Europahymne («Freude schöner Götterfunken») durch alle teilnehmenden Musikgesellschaften und Orchester.
Nur eine Stunde später stand der nächste Auftritt im Rahmen des musikalischen Programms des Festivals an. Jeweils zwei Musikgesellschaften bzw. Orchester richteten sich auf der grossen Bühne auf dem Markplatz von Rybnik nebeneinander ein und spielten während knapp einer Stunde abwechselnd Musikstücke aus ihrem Repertoire. Die Musikgesellschaft Sulz trat gemeinsam mit der Harmonie Sternberk aus Tschechien auf, den späteren Siegern des Festivals. Vor allem eine der beiden Dirigentinnen, die das Orchester neben einem Dirigenten leiteten, trat so entschlossen auf und dirigierte mit todernstem Blick und ausladender Gestik, so dass der ehrgeizige Wille zu siegen geradezu spürbar wurde und manch Musikantin und mach Musikant dadurch fast schon eingeschüchtert wurde. Mit den Stücken «From Lucerne to Weggis», «The incredibles» und «Rosmarie» unterhielten die Musikgesellschaft Sulz die anwesenden Zuhörer, welche es ihnen mit grossem Applaus dankten.
Mit dem Auftritt auf dem Markplatz war das musikalische Programm für den ersten Tag abgeschlossen. Nach einem kurzen Stopp im Hotel und in weniger formeller Kleidung, dafür aber wieder mit dem rot-weissen Reisehut, mischten sich die Musikantinnen und Musikanten unter das Publikum rund um den Marktplatz in Rybnik, um dort beim einen oder anderen kühlen Getränk ein paar gemütliche Stunden zu verbringen. Die von den Musikantinnen und Musikanten ausgehende gute Laune war ansteckend. So kam es, dass einige Musikantinnen und Musikanten zu später Stunde mit einem Taxi zurück ins Hotel fahren mussten, da sich der Chauffeur mit dem Vereinsbus schon früher in den Feierabend verabschiedet hatte. Auf der Internetseite des «Dom Kultury Niedobczyce w Rybniku» stand darauf (übersetzt) zu lesen: «Die Schweizer Musiker der Musikgesellschaft Sulz feierten am Freitag bei internationalen Bläserfestival ‹Goldene Lira› bis spät in die Nacht mit uns und spielten am nächsten Morgen schon bei den Vorspielen im Theater von Rybnik.»
Für die Dauer ihres Aufenthalts in Rybnik war die Musikgesellschaft in einem an einem idyllischen Stausee gelegenen Hotel mit kleinen Bungalows, in denen die Musikantinnen und Musikanten wohnten, untergebracht. Die malerische Umgebung verleitete einige Musikantinnen und Musikanten dazu, morgens dem See entlang zu spazieren oder gar darin schwimmen zu gehen. Andere genossen einfach die Ruhe zwischen den Auftritten.
Am Samstag wurde der eigentliche Wettbewerb ausgetragen. Im Theater von Rybnik fand «das Wettbewerbsvorspiel um den Pokal des Ministers für Kultur und nationales Erbe ‹Zlota Lira› 2026», so der offizielle Titel des Festivals, statt. Nach einer halbstündigen Vorprobe betrat die Musikgesellschaft die grosse Bühne des Theaters von Rybnik und präsentierte sich der Jury des Festivals. Im Verlauf des halbstündigen Konzertvortrags spielte die Musikgesellschaft Sulz die Stücke «The Incredibles», «The Pink Panther», «Rosmarie», «From Lucerne to Weggis» und «Let me entertain you». Eine besondere Erwähnung verdient dabei das Stück «Rosmarie», das im Gegensatz zu den anderen Stücken nicht nur instrumental vorgetragen wurde, sondern auch eine – von einem aus sechs in «Sennechuteli» gewandeten Musikanten bestehenden Männerchor mit viel Gefühl gesungene – Passage beinhaltete, die eine geradezu andächtige Stimmung während der Darbietung im Theater schuf.
Der Pokal des Ministers für Kultur und nationales Erbe ging nicht an die Musikgesellschaft Sulz, sondern an die Harmonie Sternbek, die für ihren Vortrag sagenhafte 100 von 100 Punkten erhielt. Das erste Mal offenbar, dass eine so hohe Wertung am Festival von Rybnik vergeben wurde. Die Musikgesellschaft Sulz landete mit soliden 72 von 100 möglichen Punkten auf Rang 6 der teilnehmenden Mu-sikgesellschaften und Orchester und wurde mit einem silbernen Band ausgezeichnet. Den musikalischen Abschluss bildete ein Konzert im Amphitheater des Parks Henryka Czempiela in Niedobczyce, an dem die teilnehmenden Musikgesellschaften und Orchester, so auch die Musikgesellschaft Sulz, unter der Konzertmuschel nochmals eine Kostprobe ihres Könnens geben konnten.
Dabei wurde vor allem das mexikanische Orchester «Troyanos Marching Band» auf eine harte Probe gestellt, als während ihrer Darbietung ein veritabler Platzregen losging und das Wasser in Bächen durch den Park lief, so dass die Anwesenden versuchten, so schnell möglich unter ein Dach zu kommen. Nur die «Troyanos Marching Band» spielte unbeirrt und gutgelaunt weiter, auch wenn am Ende alle Musizierenden klatschnass waren. Sie rissen, allen Umständen zum Trotz, einmal mehr die Zuschauer mit ihrer Energie mit. Völlig zu Recht wurde sie schliesslich mit einer besonderen Auszeichnung der Jury bedacht. Zwischen der Musikgesellschaft Sulz und der «Troyanos Marching Band» entwickelte sich aufgrund der offenen und liebenswürdigen Art der zumeist jungen mexikanischen Musi-kantinnen und Musikanten, die bei jedem Zusammentreffen fröhlich winkten und ein paar Worte wechselten, ein herzliches Verhältnis, das in einer Einladung nach Mexiko gipfelte.
Den letzten Abend in Rybnik verbrachte die Musikgesellschaft in einem Lokal in der Innenstadt von Rybnik, wo an einem langen Tisch erstmals auf dieser Reise mit dem (gemäss KI) «unbestrittenen Nationalgetränk» Polens, dem Wodka, gefeiert und gutgelaunt auf den Abschluss des Festivals «Zlota Lira» und den gelungenen Ausflug nach Rybnik angestossen wurde. Es entwickelte sich ein fröhliches und ausgelassenes Fest, an das sich die Musikantinnen und Musikanten und ihre Reisegefährten immer gerne erinnern werden.
Am Sonntagmorgen hiess es dann aber, Instrumente verstauen und Koffer packen. Auf dem Weg zum Flugplatz in Krakau machte die Musikgesellschaft Sulz in Krakau Halt. Nach einem Spaziergang durch die malerische Altstadt trafen sich die Musikantinnen und Musikanten sowie ihre Reisegefährten, gerade als es wieder zu regnen begann, im Restaurant «Padre» zum gemeinsamen Mittagessen vor der Rückreise. Nach einer mehrstündigen Heimreise mit Flugzeug und Car traf die Musikgesellschaft Sulz um Mitternacht traf wieder auf dem Turnhallenplatz in Sulz ein, auf dem es dunkel war, wie bei der Abreise.
In einem Dankesbrief des «Dom Kultury Niedobczyce w Rybniku» an die Musikgesellschaft Sulz steht zu lesen: «Die künstlerischen Darbietungen Ihres Orchesters haben unser Jubiläumsfestival in besonderer Weise bereichert und wesentlich zu dessen festlichem Charakter beigetragen. Sie wurden sowohl vom Publikum in Rybnik als auch von den zahlreichen Gästen, darunter viele aus dem Ausland, mit grosser Begeisterung aufgenommen. Darüber hinaus fanden sie ein beachtliches Echo in den traditionellen Medien sowie den Netzwerken. Wir würden uns sehr freuen, die erfolgreiche Zusammenarbeit auch in der Zukunft fortsetzen zu können und hoffen, Ihr Orchester bei den kommenden Ausgaben der ‹Zlota Lira› erneut in Rybnik begrüssen zu dürfen.»
Magdalena, die Betreuerin der Musikgesellschaft Sulz in Rybnik, ergänzte in einer Nachricht: «Ich bin der Meinung, dass sich eure Gruppe musikalisch sehr schön präsentiert hat. Das ist nicht nur meine Meinung, sondern auch die der Festivalorganisatoren sowie des Publikums, das euch auf dem Marktplatz und ihm Park zugehört hat. Darüber hinaus habt ihr aufgrund eurer sehr sympathischen Art grosse Anerkennung gewonnen. Es handelt sich um einen Musikwettbewerb, aber vor allem um ein Festival, bei dem neue Bekanntschaften zwischen Menschen aus verschiedenen Ländern entstehen. (…) Ausserdem wart ihr die einzige Gruppe, die sich abends auf dem Marktplatz so toll mit den anderen integriert und gemeinsam Zeit verbracht hat (…)»
Nicht nur die Musikgesellschaft Sulz, sondern auch die Gastgeber in Rybnik blicken auf eine gelungene Teilnahme am Festival der Blasorchester «Zlota Lira» in Rybnik und eine unterhaltsame Reise nach Polen zurück. Und wer weiss, vielleicht steht der Musikgesellschaft ja schon bald wieder eine Reise nach Rybnik bevor – oder gar nach Mexiko …