«Schildkrötentempel – Kleine Skulpturen und Objekte»: So heisst die neue Kunstausstellung im Rehmann-Museum, die am kommenden Freitag, 1. September, um 19 Uhr eröffnet wird. Ausgehend von der teilweise zerstörten Plastik «Schildkrötentempel» von Peter Storrer aus dem Jahr 1966 wird die zeitgenössische Bildhauerei im Dialog mit derjenigen des 20. Jahrhunderts im Klein- und Miniaturformat thematisiert.
PETER SCHÜTZ
Die Idee, nur kleine Objekte auszustellen, stammte von Tyrone Richards, dem Vorgänger von Kurator Michael Hiltbrunner. Mit Hiltbrunner
ergaben sich konzeptuelle Veränderungen, unter anderem in Form von einem Aufruf an regionale Kunstschaffende, sich mit kleinformatigen Werken der Masse 20 mal 20 mal 20 Zentimeter zu bewerben. Der Rücklauf war beachtlich und führte schliesslich zu einer grossen Vielfalt an Techniken und Ausdrucksformen. 50 Kunstschaffende sind nun an der Ausstellung beteiligt, so viele wie nie zuvor im Rehmann-Museum. «Mir ist wichtig, dass das Rehmann-Museum die bestehende Besuchergruppe halten kann», erklärte Michael Hiltbrunner anlässlich einer Medieninformation vergangenen Freitag, «gleichzeitig möchte ich junge, kunstaffine Leute anziehen, um auch ihnen zu zeigen, was hier ganz Tolles los ist».
Alles aufgefrischt
Los ist tatsächlich allerhand. Für die Eröffnung der neuen Schau wurde das ganze Haus aufgefrischt, so dass es erheblich heller als zuvor erscheint. Was den Kunstwerken nur gut tut. Für diese hat Daniel Waldner, Museumstechniker und verantwortlich für das Sammlungsarchiv, im Obergeschoss eine spezielle Bühne aus mehreren Sockeln und Ebenen geschaffen. Sie lädt die Besucher zu einem kleinen Rundgang ein – ein Rundgang, der einige Zeit in Anspruch nehmen kann. Denn in den dort präsentierten Werken zeigt sich eine unmittelbare, poetische und intime Form der Skulptur. Nicht nur auf den Sockeln und Platten, sondern auch darunter oder fast unbemerkt mitten drin. «Kleine Arbeiten müssen zusammenrücken, damit sie sich wohlfühlen», hielt Michael Hiltbrunner fest.
Warum «Schildkrötentempel»?
Aber was hat es mit dem Titel «Schildkrötentempel» auf sich? Zumal gar keine Schildkröte in der Ausstellung zu finden ist. «Die Grösse in der Kleinheit erinnert uns an die Schildkröte, seit Urzeit im Fricktal nachgewiesen und vor Ort heute bedroht, der wir hier unsere Hochschätzung entgegenbringen» so Hiltbrunner. Im Fokus stehe die Ästhetik des kleinen Formats, von klassischen Materialien wie Bronze, bis hin zu experimentellen Medien der aktuellen Objektkunst. Hiltbrunner weiter: Die Ausstellung zeige den künstlerischen Wert kleiner Formate, die von vielen Kunstschaffenden als Möglichkeit verwendet werden, um neue, experimentelle Ansätze für ihren Arbeitsprozess zu finden. Was an dem kleinen Werk «Metallstudie» von Erwin Rehmann (1921 – 2020) deutlich wird. Die Ausstellung «Schildkrötentempel» beweist, dass Bildhauerei nicht zwangsläufig gross, schwer und monumental sein muss. Sie ist nicht an wuchtige Formate gebunden, sondern kann ihren Zauber quasi auf der Handfläche entwickeln.
Vernissage am Freitag
Die Vernissage am Freitag wird von «Junge Eko» (Drones und Soundscapes von Catia Lanfranchi, Zürich) musikalisch begleitet. Begrüssung: Rudolf Lüscher (Stiftungsratspräsident) und Patrizia Solombrino (Geschäftsführerin), die Laudatio hält Kurator Michael Hiltbrunner. An der Ausstellung sind beteiligt: Olga Allenstein, Vela Arbutina, Helen Balmer, Lorenz Balmer, Charles Benjamin, Vanessa Billy, Estrid Christensen, Manuela Cossalter, Trudi Demut, Norbert Eggenschwiler, Ilse Engel-Kühner, Corsin Fontana, Dora Freiermuth, Andrea Gerber, Viviana González Méndez, Florin Granwehr, Peter Hächler, Hermann Haller, Barbara Heé, Cécile Huber, Edith Kappeler, Owsky Kobalt, Ödön Koch, Roland Köpfer, Alina Kopytsia, Susi Kramer, René Küng, Beat Mazzotti, Melanie Meister, Laura Mietrup, Erwin Rehmann, Bernd Salfner, Lorenz Olivier Schmid, Uli Schoop, Markus Schwander, Roman Signer, Roman Sonderegger, Loredana Sperini, Eduard Spörri, Jacqueline Stieger, Peter Storrer, Gianluca Trifilò, Anouk Tschanz, Peter Volkart, Daniel Waldner, Ilse Werner, Agnès Wyler, Victor Zumsteg.
Am Samstag, 2. September, ist das Rehmann-Museum ab 18 Uhr an der Kulturnacht beteiligt. Die Ausstellung dauert bis 4. Februar 2024.