Für die Leseförderung sucht die Bibliothek in Laufenburg aufgestellte Mentorinnen und Mentoren.
ANDREA WORTHMANN
Monika Marbot und Helga Kunsemüller sind Lesementorinnen. Sie sitzen mit Lorraine und Sergiu am Tisch in der Bibliothek und lesen in einem Buch. Die Kinder dürfen sich dafür aussuchen, was sie lesen möchten. Das kann ein Bilderbuch sein, ein Comic oder eine längere Geschichte, die beim nächsten Mal einfach fortgesetzt wird. Es spielt keine Rolle, Hauptsache, es wird gelesen.
Nicole Prions, Leiterin der Bibliothek Laufenburg, erklärt, wie das Lesetandem funktioniert: «Einmal die Woche für zirka 45 Minuten treffen sich Kind und Erwachsener, um gemeinsam zu lesen und zu spielen. Den Zeitraum machen beide unter sich aus. Momentan sind die Zeiten mittwochs und freitags von 14 bis 14:45 Uhr und donnerstags ab 15:15 Uhr. Dies kann variieren, auch weil mancher Erwachsener erst gegen Nachmittag oder Abend verfügbar ist. Wichtig ist eine Regelmässigkeit», betont Nicole Prions. Das Lesetandem ist gratis und freiwillig, jedoch verbindlich. Das Angebot nehmen vor allem Kinder ab der zweiten und bis zur fünften Klasse in Anspruch, und es steht auch Kindern aus anderen Gemeinden zur Verfügung.
Ein Freizeitangebot für Kinder
Dabei ist es Nicole Prions wichtig zu sagen, dass es keine Aufgabenhilfe oder Leseförderung im klassischen Sinn ist, sondern ein Freizeitangebot darstellt, welches Freude bereiten soll. Die Idee dabei ist, dass die Kinder freiwillig kommen und Lust auf's Lesen haben. Dennoch könne es natürlich sein, dass ein Kind auch mal auf Empfehlung einer Lehrperson oder auf Wunsch der Eltern zum Lesetandem komme.
Das Angebot ist ein weiterer Baustein der allgemeinen Leseförderung in der Bibliothek. Diese beginnt bereits im Alter von neun Monaten bis drei Jahren. Für die Kleinsten, die «Leseknöpfe», gibt es am ersten Samstag im Monat die Möglichkeit, mit einer Bezugsperson gemeinsam Geschichten, Fingerverse, Lieder und Kniereiter zu erleben und so schon früh in die Welt der Wörter einzutauchen. Angeleitet wird dies von Bibliotheksmitarbeiterin Madlen Kümin. Das Angebot wird unterstützt von Emmenegger’s Hofladen mit einem leckeren Zopf fürs anschliessende Znüni. Das «Vorleseabenteuer» richtet sich an Kinder zwischen drei und sechs Jahren. Hier werden jeweils am letzten Mittwoch im Monat Geschichten vorgelesen, und es wird gebastelt und gemütlich zusammengesessen. Die Leseförderung in der Bibliothek wird vom Kanton bezuschusst.
Die LesementorInnen erhalten einen Kurs
Momentan gibt es sechs Lesementorinnen in der Bibliothek. Für das Lesetandem besuchen die Mentorinnen oder Mentoren im Vorfeld einen zweitägigen Kurs in Aarau. Dort lernen sie den Umgang mit Kindern, die unterschiedlichste Hintergründe haben. Sie können dort auch Ideen und Inspiration sammeln für die Gestaltung der gemeinsamen Zeit. Denn es geht nicht nur stur um das Lesen, sondern generell um den Umgang mit Wörtern, Sprache und Kommunikation. All das kommt beim Lesetandem zum Einsatz und wird ganz nebenbei gefördert. Manche Kinder können bereits richtig gut lesen, manche brauchen ein wenig länger. Das variiert. Beim Lesen eines Textes geht es manchmal auch darum, ein Wort oder eine Textstelle zu erklären und gemeinsam das Geschriebene zu erkunden. Ganz automatisch wird so der Wortschatz erweitert.
Lesen ist die Basis des Lebens
Es geht also um das Grosse und Ganze, deshalb findet Nicole Prions die Leseförderung so wichtig. «Lesen ist Alles. Wer nicht lesen kann, der hat es schwer im Leben», sagt sie. Auch gehe es um das Leseverständnis, erklärt Prions. Einen Text zu lesen, ist das Eine, aber den Text auch zu erfassen, zu verstehen, ist das Andere.
Eine der Lesementorinnen ist Helga Kunsemüller. Sie war bis 2022 auch in der Aufgabenhilfe tätig und merkte dort schon, dass ihr das Arbeiten mit Kindern Spass macht und liegt. «Jemanden beim Lesenlernen zu begleiten, ist für mich etwas vom Grössten, vom Schönsten, was man erleben kann.» Die beiden Kinder, die Helga Kunsemüller momentan betreut, hat sie abwechselnd im Turnus, und einmal im Monat wird gespielt. Es sei immer ein spannender Austausch und eröffne teilweise ganz neue Lebenswelten, schwärmt die Mentorin über die Arbeit mit den Kindern. Das kann wirklich spannend sein. Wenn die Kinder dann erwähnen, dass es ihnen gefällt und sie gerne kommen, ist das ein Riesenlob für die Mentorin und tut gut. «Schön ist es, wenn eine Bindung entsteht, die beide trägt», sagt Helga Kunsemüller.
Die Bibliothek Laufenburg sucht zur Zeit zwei Lesementorinnen oder Lesementoren als Verstärkung. Wichtig ist, dass die Person gut mit Kindern umgehen kann und bereit ist, ohne Druck, dafür mit Empathie und Freunde ihrem Gegenüber das Lesen näher zu bringen. Mentorinnen und Mentoren profitieren von einer Gratis-Mitgliedschaft in der Bibliothek und gemeinsamen Aktivitäten, wie beispielsweise das «Mentorenzmorge», welches zweimal jährlich stattfindet.
Wer Interesse hat, kann sich gerne bei der Bibliothek melden, ob persönlich, telefonisch unter 062 874 1543 oder per Mail: