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Trudi Hofer neben einem ihrer Bilder in ihrer Laufenburger Wohnung
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«Malen ist wie das Leben": Ein Porträt der Laufenburgerin Trudi Hofer

Über mehrere Fricktaler Stationen fand Trudi Hofer den Weg nach Laufenburg. Zuletzt hatte sie dort ihr Atelier «Quelle», gab Malkurse und war selbst auf unterschiedlichste Weise kreativ. Doch auch zwei Schicksalsschläge formten ihren Lebensweg.

ANDREA WORTHMANN

Eine junge Tamilin klingelt spontan bei Trudi Hofer und bittet um Hilfe bei einer Wohnungsbewerbung. Kein Problem. Sie ist eine von ihren ehemaligen Deutschschülerinnen und gut integriert. Die 71-jährige hilft gern, erklärt, was es braucht, und zeigt das Vorgehen am Handy. Dankbar verabschiedet sich die junge Frau. Im Anschluss zeigt Hofer, die seit vielen Jahren kreativ tätig war und ist, ihre Wohnung am Rhein. Ihr Atelier, welches sie eigentlich nicht mehr nutzt, aber sich dennoch nicht von den Dingen trennen kann. 730 Bilder oder Kunstwerke hat sie geschaffen, in Fotobüchern katalogisiert, und einige davon schmücken ihre Wände. Zu jedem gibt es eine Geschichte.

Vom Kanton Zug ins Fricktal

1954 in Hünenberg im Kanton Zug geboren und aufgewachsen, war es ihr Wunsch, nach der Schule Chemielaborantin zu lernen. Die Lehre brachte sie nach Basel, und während ihrer Ausbildung lernte sie ihren Mann kennen. Von Muttenz über Rheinfelden landeten die beiden schliesslich in Zeiningen, wo sie ein Haus bauten.
Mitte der 80er-Jahre erlitt Trudi Hofer einen Hirnschlag. Ein Schicksalsschlag, der Folgen hatte: Sie arbeitet vorerst in reduziertem Umfang weiter, zwei Jahre später wieder Vollzeit. Im Zuge einer Reha-Massnahme begann sie, Aquarelle zu malen und Malkurse zu besuchen. In dieser Zeit machte sie sich auch Gedanken um die weitere Zukunft, darum, dass ihre Arbeit im Labor sie nicht mehr erfüllt. «Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, weiter so zu arbeiten», sagt die Laufenburgerin.

Adoptivmami und Malerin

Der geplante Kinderwunsch ging nicht in Erfüllung, und so beschloss das Ehepaar, ein Kind zu adoptieren. Über eine ordentliche Organisation bekamen sie ein brasilianisches Mädchen im Alter von sechs Monaten, und Trudi Hofer kündigte ihren Job. «Dann war ich Mami, und ich habe trotzdem weitergemalt. Einmal die Woche hatte ich einen Abend frei zum Malen», erinnert sich Hofer. Und weitere 15 Jahre sei sie in Kurse gegangen. «Was gibt es noch? Was kann ich noch lernen? Ich wollte alles ausprobieren», erzählt sie weiter. Ihr Stil ist abstrakt, ihre bevorzugten Techniken sind Acryl und Mischtechnik sowie Collagen. Mitte der 90-er Jahre hatte sie ihre erste Ausstellung, der über 50 weitere folgen sollten. Zu dieser Zeit adoptierte Trudi Hofer gemeinsam mit ihren Mann ein weiteres Mädchen, dieses Mal aus Guatemala. Das Mädchen war bereits sechs Jahre alt. Beide Mädchen sind mittlerweile über 30 und gehen ihren Berufen nach.
Trudi Hofer probierte künstlerisch vieles aus, arbeitete mit Holz oder Materialien, die sie auf der Strasse oder in der Natur fand, und verwandelte sie in Kunstwerke. «Aus Abfall kann Kunst entstehen», sagt sie bestimmt. 2004 eröffnete Trudi Hofer zum ersten Mal ein Atelier, zusammen mit dem Künstler Paul Bachmann. Ein halbes Jahr später hatte sie ihr eigenes in der Quellenstrasse in Rheinfelden. Sie nannte es passenderweise «Quelle». Sie begann, selbst Malkurse zu geben.

Malerei erleidet einen Bruch und wird vielseitiger

Dieses Palettenbild ist eines von Trudi Hofers Liebllngsbildern und hängt in ihrem Atelier.Im Jahre 2010 zwang ein weiterer Schicksalsschlag sie zu einer mehrmonatigen Pause: Durch mehrere Thrombosen und schlechte Wundheilung musste ein Teil des Fusses – bis auf die Ferse – amputiert werden. Beim Malen gab es zu diesem Zeitpunkt einen Bruch. «Ich fand den Faden zur Malerei nicht mehr und besuchte Kurse mit anderen Techniken, arbeitete mit Marmormehl, Sumpfkalk oder Rost.» Ihre Kunst wurde dadurch vielseitiger. Es entstanden Collagen, aber auch Palettenbilder, in denen sie selbst Nägel und Schrauben verarbeitete und die sie mit Bildern, welche sie gefunden hatte, beklebte.
2018 kam Trudi Hofer nach der Trennung von ihrem Mann nach Laufenburg in die Untere Wasengasse und eröffnete ihr Atelier «Quelle» in der Marktgasse, wo sie bis 2022 Kurse gab. Mit der letzten Malschülerin hörte Hofer auch auf zu malen. «Ideen, die ich hatte und umsetzen wollte, sind einfach nicht mehr gelungen. Ich habe kein Brennen mehr gehabt, aber das war dann auch in Ordnung.» Nach wie vor liebt sie das kreative Fotografieren und hält die Umgebung mit dem besonderen Blick in Bildern fest.

Kreativ für Laufenburg und im Ehrenamt

Kunstobjekte in einem alten RegalIst Kreativität in Laufenburg gefragt, lässt Trudi Hofer es sich nicht nehmen, ihren Beitrag zu leisten und sich mit Freuden einzubringen, wie bei der Strick- oder Fahrradaktion vom Altstadt-Deko-Team Laufenburg. Auch für die neueste Aktion, der Gestaltung von Stühlen, wird sie wieder mit von der Partie sein.
Ausserdem engagiert sie sich bei der Integration von Geflüchteten oder Menschen, die Deutsch lernen möchten. Sie hilft mit bei der kreativen Sprachwerkstatt, in der Frauen mit ausländischen Wurzeln ihr Deutsch verbessern wollen. Mit dieser ehrenamtlichen Tätigkeit unterstützt sie Helga Kunsemüller, die Unterricht für Fortgeschrittene anbietet und den Lernstoff vorbereitet. Auch Schweizerdeutsch ist Teil davon. Zudem gibt es einmal im Monat den Lesezirkel: Interessierte SchülerInnen können kommen, und gemeinsam werden Zeitungsartikel oder Texte mit regionalem Bezug gelesen. Auch für die Geflüchteten aus dem GOPS (Geschützte Operationsstelle) Laufenburg bietet Hofer Deutschunterricht im Binkert-Haus an. Zur Zeit sind aber auch Ukrainerinnen und Syrer dabei. Damit aber noch nicht genug: Als Stammgästin im Keramikcafé in Laufenburg nimmt sie sich auch gerne die Zeit, der jungen Afghanin Basira Deutsch beizubringen. «Wenn jemand meine Hilfe braucht, ist die Tür offen», sagt sie abschliessend und in Bezug auf die junge Tamilin, die nun hoffentlich einen Schritt weiter bei der Wohnungsbewerbung ist.

Bild 1: Trudi Hofer neben einem ihrer Bilder in ihrer Laufenburger Wohnung
Bild 2: Dieses Palettenbild ist eines von Trudi Hofers Liebllngsbildern und hängt in ihrem Atelier.
Bild 3: Kunstobjekte in einem alten Regal
Fotos: Andrea Worthmann