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Laufenburg: Spaziergang zwischen «Verrottung» und «Augenweide»

Laufenburg: Spaziergang zwischen «Verrottung» und «Augenweide»

Ich mag Kunst, ich mag die Natur und ich mag Laufenburg. Da trifft es sich gut, dass die Freiluftausstellung des Rehmann Museums «Schimelrych bis Chrottenhalde» alles vereint und auch noch in einen Spaziergang verpackt ist. Unabhängig von der Ausstellung im Museum selbst können Interessierte jederzeit diesen knapp sieben Kilometer langen Weg abschreiten und die naturnahen Exponate oder Installationen anschauen. Also mache ich mich auf den Weg.

ANDREA WORTHMANN

Am Morgen gegen 8.30 Uhr schnappte ich den Hund, ein bisschen Verpflegung und machte mich auf den Weg. Ich startete den Weg im «Schimelrych», also beim Rehmannmuseum, wo die erste Station nicht weit weg beim Stadtgraben zu finden ist. Die Laufenburger Künstlerin Dora Freiermuth zeigt in einem Hochbeetschaukasten Bananenschalen auf einer Lehmfläche, die dem Zerfall ausgesetzt sind. Bereits im April – so kann ich mich erinnern – war der Zustand der Bananenschalen ähnlich. Braun und mittlerweile geschrumpft fristen sie ihr Dasein und sollen später einen Abdruck im Lehm hinterlassen. Mittlerweile ist Juli und die Zersetzung der Schalen hat sich nicht gross verändert. Genauso verhält es sich in der Natur, weshalb eben dieses Naturprodukt nicht in selbiger zu entsorgt werden sollte. An jeder Station des Rundgangs befindet sich ein Schild mit der Beschreibung des Kunstwerkes und einer Frage, die eine Brücke bauen soll zu Themen, die auch der Jura-Park Aargau regelmässig behandelt. Ich folge der Ausschilderung und erreiche den Wasenbrunnen. Hier gibt es leider nichts mehr zu bestaunen, denn die Arbeit von Lorenz Olivier Schmid war nur während zwei Wochen zu sehen. Allerdings können die Baumnüssen, die im Brunnen angestochen, gewässert und sich mittlerweile schwarz verfärbt haben, als eingekochte Spezialität im September bei einer Veranstaltung verköstigt werden. Die passende Frage handelt vom achtsamen Umgang mit Lebensmitteln. Ich muss zugeben, dass ich mich nicht ganz an die Ausschilderung gehalten habe, was mir jedoch erst später auffällt.Bild 2 Via Bahnhof bin ich zuerst zum Ziegelweiher marschiert, da ich wusste, dass dort gleich zwei Stationen zu erkunden sind. Zum einen hat das Künstler-Duo Landra eine von vier Stellen mit Holzstecken gekennzeichnet und untersucht auf einem Quadratmeter die Vielfalt und Dichte von Mikroorganismen. Am Weiher handelt es sich um Gewässerboden, die drei weiteren Stellen markieren Wald-, Wiesen- und Stadtboden. Im Museum selbst sind die Organismen mit einer Tuschezeichnung und einer Klanginstallation zu sehen. Die finnische Künstlerin Riikka Tauriainen hat eine Keramikskulptur im Weiher versenkt, die unter bestimmten Umständen auch von ausserhalb sichtbar sein soll. Ich habe leider nichts entdecken können. Was ich beim Suchen der Skulptur auf der Wasseroberfläche entdeckte und kurze Zeit später auch spürte, waren Regentropfen.


Warte mal und schau auf die «Augenweide»
Also schnell in den schützenden Wald oberhalb des Weihers, wo ich nach kurzer Zeit eine weitere Station entdecke. «WARTE MAL» von Ursula Rutishauser will einladen, an einer Kuhweide zu verweilen und Unscheinbares zu entdecken. Auf den ersten Blick sehe ich auch hier nichts Auffälliges, was sich jedoch ändert, als ich weiter hoch gehe. Im Stacheldraht der Weide sind auch aus Stacheldraht die Worte «Warte Mal» geformt und an deren Ende entdecke ich ein hübsches Naturwerk, eine «Augenweide», wie es heisst, an der ich mich erfreue und mir bewusst werde, dass ich ohne diesen Hinweis, ja ohne diesen Rundgang wahrscheinlich daran vorbeigegangen wäre. «Achtsamkeit» schiesst es mir durch den Kopf. Einfach mal achtsamer durch Wald und Wiese gehen und es gibt mehr zu entdecken, als man glaubt. Ich gehe weiter und nach einem ordentlichen Anstieg komme ich zur nächsten Station am Waldrand Chrottenhalde, wo Landra das Stück Waldboden abgesteckt haben, um auch diesen zu untersuchen und künstlerisch im Museum aufzubereiten. Ein paar Meter weiter zwei Bänke und ein Lautsprecher am Baum, aus dem normalerweise Musik tönen soll, die von der Künstlerin Hannah Weinberger ausgewählt wurde.


Musik mit Gänsehaut-Effekt
Die Box funktioniert allerdings nicht, so dass ich die Musik über den auf dem Schild angegebenen QR-Code abrufe. Ich bekomme sofort eine Gänsehaut, da der Gesang pur und ohne Instrumente auskommt. Ein schöner Moment, denn gleichzeitig geniesse ich die schöne Aussicht auf Laufenburg. Weiter geht’s, mittlerweile mit Regenschirm, entlang des Vita-Parcours ein gutes Stück bis zu den deutlich sichtbaren Exponaten von Isabelle Krieg und Marianne Engel. Der Flurname «Blauen» wird hier wörtlich genommen, denn als Erstes fällt mir ein blaues Baumstück auf, dann rundherum in den Bäumen und im Gehölz lauter Flechtwerke, kreiert für Wildtiere. Das gefällt mir richtig gut. Langsam geht es wieder runter und just hinter dem kleinen Bächlein taucht das grosse, gelbe Schild mit den Worten «Bäume Bild 3selber Pflanzen» auf. Ich muss nachlesen. Der Künstler Stefan Strumbel hat 50 Weisstannen vom Südschwarzwald in das Museum gebracht. In den Wald dürfen sie nicht gepflanzt werden. Das zu heisse Klima macht ihnen zu schaffen. Im Museum werden sie in einer Zeitung porträtiert. Ich gehe weiter, passiere den gekennzeichneten Nussbaum, von dem die Nüsse im Wasenbrunnen stammen, und finde einen weiteren Quadratmeter «Wiesenboden» von Landra. Kurz danach merke ich dann endgültig, dass ich den Weg nicht ganz korrekt gelaufen bin, denn an der nächsten Station suche ich weitere Schilder. Mittlerweile befinde ich mich beim ehemaligen Kindergarten.


Pflanzenlabyrinth in Herzform
Hier lädt die Künstlerin Agnes Barmettler zu einem Gang durch ein angelegtes Pflanzenlabyrinth in Form eines herzförmigen Lindenblattes ein. Ich verzichte aufgrund der Nässe, kann es mir aber durchaus schön vorstellen. Primarschüler haben hier auch essbare Pflanzen gesät. Auf die Aktion von Jan van Oordt war ich besonders gespannt, sollte sie sich doch im Laufe der Ausstellungzeit erst entwickeln und zeigen, an welchen Stellen in der Neuhofstrasse verwilderte Stellen zu sehen sind.


Wer lässt freiwillig seinen Garten verwildern?
Bewohner wurden angefragt, ihre Gärten für die Zeit der Ausstellung nicht zu bewirtschaften. In manche Gärten konnte ich aufgrund von Sichtschutz gar nicht reingucken. Tatsächlich habe ich dann aber doch neben einer kleinen öffentlichen Wiese auch ein Gartenstück entdeckt, bei dem der Rasen mittlerweile kniehoch gewachsen ist. Schön, dass doch jemand mitgemacht hat.Bild 4
Von meiner letzten Station habe ich wieder einen schönen Blick über Laufenburg und finde dort den Landra-Quadratmeter, der den Stadtboden repräsentiert. Mir hat die Mischung aus Kunst, Natur und Bewegung gefallen, der einsetzende Regen weniger. Der Vollständigkeit halber ist ein Besuch im Rehmann-Museum empfehlenswert, aber der Rundweg funktioniert auch ohne. Zu allen Kunstwerken gibt es im Rehmann-Museum weiterführende Informationen, Bilder, Videos, die die Arbeit dokumentieren oder sich mit deren Thematik künstlerisch auseinandersetzt. Die Ausstellung läuft noch bis zum 27. September.
Infomaterial zu dem Rundweg und den Werken, Künstlerinnen und Künstlern sowie ein Karte, auf dem der Weg samt Stationen verzeichnet ist, gibt es am Rehmann-Museum oder hier: www.rehmann-museum.ch

Bild 1: «Warte Mal» heisst es an dieser Station und präsentiert eine natürliche Augenweise
Bild 2: Auf dem «Chrottehaldeweg» oberhalb Laufenburg kann man eine schöne Aussicht geniessen. Der Rundweg führt dort entlang. 
Bild 3: Es gibt viel Blaues im Wald am «Blauen» zu entdecken.
Bild 4: Bananenschalen verrotten sehr langsam.
Fotos: Andrea Worthmann