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Laufenburg: Solarstrom für Altstadt- und Mietshausbewohner möglich dank Solarsharing

Laufenburg: Solarstrom für Altstadt- und Mietshausbewohner möglich dank Solarsharing

Es ist ein zukunftsweisendes Pilotprojekt, das die Stadt Laufenburg vergangene Woche vorgestellt hat und welches Anfang 2025 realisiert werden könnte. «Könnte», weil es nur dann angepackt wird, wenn genug Laufenburgerinnen und Laufenburger mitmachen. Die Rede ist von einer Solaranlage, die sich die Einwohnerinnen und Einwohner teilen können.
ANDREA WORTHMANN

Die hohen Stromkosten haben die Laufenburger Bevölkerung in letzter Zeit sehr bewegt. Das Thema war allgegenwärtig und Gegenstand vieler Diskussionen und Presseberichte. Die Konsequenz: Viele Eigenheimbesitzerinnen- und besitzer haben sich für den Bau einer Photovoltaikanlage auf ihrem Dach entschieden. Die eingereichten Baugesuche machen dies sichtbar. Die Investition in eine Solaranlage auf dem Dach kann langfristig Stromkosten sparen, da der Strom selbst produziert wird. Diese Möglichkeit bietet sich allerdings nicht allen Bewohnerinnen und Bewohnern Laufenburgs. Menschen, die in der Altstadt oder zur Miete wohnen, können keine eigene Anlage auf ihrem Dach installieren lassen. Erstere müssen die Auflagen zur Gestaltung des Stadtbildes befolgen (Schutzstatus) und Mieter haben keine Entscheidungsbefugnis.
Bild 2Abhilfe soll nun ein Pilotprojekt schaffen, denn die Laufenburger Dächer haben gemäss Solarkataster grundsätzlich mehr Solarpotential als der Gesamtverbrauch aller Einwohner Laufenburgs. Alessandro Medici, Geschäftsführer der Firma «Powerblox» in Frick, stellte gemeinsam mit Stadtammann Herbert Weiss und Vize Christian Rüede das Projekt vor. Medici ist selbst Bewohner der Laufenburger Altstadt. Seine Firma sucht nach Ursachen der steigenden Strompreise, aber vor allem auch nach Lösungen.
Ungenutzte Gemeindedächer sollen bebaut werden
Für Laufenburg hat sich ein Lösungsansatz herauskristallisiert, der ab Anfang 2025 realisiert werden könnte. Dabei werden ungenutzte Gemeindedächer für Solaranlagen genutzt. Die dann darauf installierten Solarmodule können von Interessierten gekauft und damit eine bestimmte Menge Solarstrom auf der Stromrechnung gutgeschrieben werden. Konkret kostet der Kauf eines Solarmoduls 560 Franken. Dafür bekommt man eine fixe, jährliche Gutschrift von 240 Kilowattstunden. Und das 20 Jahre lang. Das Grundprinzip ist also, dass – je nach dem wieviele Solarmodule jemand besitzt – die Gutschrift für 20 Jahre lang einen fixen Wert bedeutet. Ziehen Solarstromnutzer im Versorgungsgebiet um, kann der Vertrag weiterhin bestehen bleiben, bei Wegzug kann verkauft werden.
Bedingung: Insgesamt müssen mindestens 75 Module gekauft werden
Bild 3In einem ersten Schritt soll nun eruiert werden, wie gross überhaupt das Interesse der Laufenburger Bevölkerung ist. Deshalb können sich Interessierte ab sofort auf der Webseite laufenburg.power-blox.com informieren und sich bereits für den Kauf von Modulen registrieren lassen. Wenn für mindestens 75 Module eine Registrierung erfolgt ist, wird das Projekt angegangen. Es besteht auch die Möglichkeit, die Anzahl gekaufter Module aufzustocken. Beim Bauamt gibt es eine Liste von geeigneten Gebäuden wie beispielsweise das Schulhaus aber auch die Turnhalle in Sulz. Private Hausbesitzer können ihre Dächer ebenfalls zur Verfügung stellen und bekämen dann einen Mietwert dafür. Ist denn damit die Möglichkeit einer eigenen PV-Anlage in der Altstadt vom Tisch? Herbert Weiss will sich nicht festlegen, sagt aber, dass es noch länger dauern könnte. Medici gibt dabei auch zu bedenken, dass die PV-Anlagen für die Altstadt vier bis fünfmal teurer wären, da nur spezielle, unauffällige Konstruktionen in Ziegelform gestattet wären. Das Altstadtbild würde dadurch weniger verändert.
Beispiel für Einfamilienhaushalt
Zur Veranschaulichung: Ein Einfamilienhaushalt benötigt im Jahr durchschnittlich 4000 bis 4500 Kilowattstunden. Um also komplett von dem angebotenen Solarstrom zu profitieren, müsste man circa 18 Module kaufen, was einem Einkaufswert von 10 080 Franken entspricht. Es sei erwähnt, dass in der Laufenburger Altstadt jedoch häufig auch mit Strom geheizt wird. Das würde die Kosten nochmal erhöhen. Seit 2012 wird bereits ein ähnliches Projekt in Lenzburg betrieben. Auf dem Dach der Mehrzweckhalle der Berufsschule sind Solarmodule verbaut, die jährlich 230 000 Kilowattstunden produzieren und 70 Haushalte mit Strom versorgen. In dieser Form allerdings - mit direktem Kauf von Solarmodulen für eine kleine Gemeinde - ist das Projekt neu. Weitere Informationen erhält man unter unter
laufenburg.power-blox.com

Bild 1: Die Dächer von Laufenburg. Auch ohne PV-Anlage könnte die Altstadt bald mit Solarstrom versorgt werden.
Bild 2: Stadtamann Herbert Weiss, Alessandro Medici und Vizeammann Christian Rüede präsentierten das Projekt für die Laufenburger Solarangebote. 
Bild 3: In Lenzburg wurde bereits 2012 ein ähnliches Projekt realisiert. 
Fotos: 1 und 2: Andrea Worthmann, 3: zVg