Seit 2024 hat die Integrationsfachstelle «mit.dabei-Fricktal» einen zusätzlichen Auftrag: die direkte Projektförderung. Der Lesezirkel in Laufenburg ist ein Kleinprojekt, das durch die Fachstelle finanziell unterstützt wird. Mehr als ein Duzend Migrantinnen erweitern dabei ihre Deutschkompetenzen.
KUJTIM SHABANI
Jannek ist 16 Jahre alt. Für ein paar Tage besucht er seine alleinstehende Oma in einem Dorf. Am ersten Abend geht er mit einem älteren Freund zu einem Weiher angeln. Was er rausfischt, ist erschreckend: Überreste eines Menschen! Mitgeborgen wird noch die Hälfte eines Pflugs. Eine Entdeckung sorgt für noch mehr Anspannung: In der Scheune seines verstorbenen Opas findet Jannek eine Pflughälfte…
Das ist der Stand des 4. Kapitels des Romans «Der Tote im Dorfteich» von Franciska Gehm. An dieser Stelle ist der Lesezirkel beim letzten Treffen stehen geblieben. 19 Personen zählt der Lesezirkel insgesamt. Allesamt Frauen, sagt die Projektleiterin Helga Kunsemüller. Die Teilnehmerinnen haben sich selber für diesen Roman entschieden, führt sie weiter aus. «Ein Krimi ist spannend, die Teilnehmerinnen kommen dabei schnell voran!», fügt Trudi Hofer hinzu, die Kunsemüller ehrenamtlich assistiert. Der Lesezirkel verwendet allerdings eine Sonderausgabe in einfachem Deutsch.
Die Teilnehmerinnen kommen aus verschiedenen Ländern. Ihre Muttersprachen sind Albanisch, Portugiesisch, Russisch… «Genau diese Vielfalt macht den Lesezirkel umso interessanter», betont Hannelore Haberthür, ehemalige Primarschullehrerin, die mit Kunsemüller und Hofer – ehrenamtlich – zusammenarbeitet. Es sind dieselben Teilnehmerinnen, die das Angebot «Kreative Sprachwerkstatt» in Laufenburg besuchen. Doch die Sprache ist mehr als Wortschatz und Grammatik. Im Lesezirkel üben sie gezielt das Lese- und Hörverstehen.
Neues Angebot
Der Lesezirkel ist ein Integrationsprojekt, das «mit.dabei-Fricktal» unterstützt. Die Integrationsfachstelle hat im Jahr 2024 einen neuen Auftrag: Die direkte Projektförderung. Damit ist sie berechtigt, Einzelpersonen und Organisationen dabei zu unterstützen, Ihre Integrationsprojekte zu entwickeln und sie umzusetzen. Sei es durch Projektberatung oder auch unmittelbar durch direkte Gewährung von kleineren finanziellen Beiträgen. Sie vergibt Projektgelder bis maximal 2000 Franken. Für Projekte mit höherem Finanzierungsbedarf wird auf das Kantonale Integrationsprogramm (KIP) verwiesen.
Der Lesezirkel ist das erste Projekt, dass die Integrationsfachstelle durch ihr Projektbudget unterstützt. Es erfüllt alle Voraussetzungen dafür. In Bezug auf die Kriterien für eine Unterstützung führt Aurelia Munz, Leiterin von «mit.dabei-Fricktal» und zuständig für Angebots- und Projektförderung, aus: «Wir unterstützen regionale Kleinprojekte mit dem Fokus soziale Integration und einem mehrheitlichen Freiwilligenengagemet.» Interessierte an einer Projektberatung sollen sich bei der Integrationsfachstelle «mit.dabei-Fricktal» melden.
Es geht weiter
Dem Lesezirkel wurde eine Unterstützung von 17 Sitzungen zugesichert. Im Herbst ist er voraussichtlich mit dem jetzigen Roman fertig. Kunsemüller und die Teilnehmenden sind aber motiviert, weiterzumachen. Dann legt der Zirkel mit einem anderen Buch los. Für Tatjana Blinnikova ist es wichtig, so schnell wie möglich «Deutsch auf einem guten Niveau zu lernen». Der Projektleiterin und den Freiwilligen gibt sie die beste Note. Ausserdem schätzt sie die angenehme Atmosphäre im Lesezirkel und schätzt den sozialen Kontakt als sehr wertvoll für die Integration.
Der Lesezirkel trifft sich monatlich. Immer an einem Dienstagnachmittag von 13.30 bis 15 Uhr in der Stadtbibliothek Laufenburg.
Die Stadt stellt diesen Raum zur Verfügung. Er eignet sich bestens für den Lesezirkel. Das Ambiente in der Bibliothek ist sehr inspirierend. Die Teilnehmerinnen sind sehr interessiert, die Leiterin und die Freiwilligen sehr engagiert. Andere Interessierte am Lesezirkel sind herzlich willkommen.
Bilder:
1. Der Lesezirkel trifft sich einmal pro Monat in Laufenburg. Foto: zVg
2. Leiten den Lesezirkel: Helga Kunsemüller, Hannelore Haberthür und Trudi Hofer. Foto: zVg