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Die Qual der Wahl beim Nationalrat (Leserbrief)

Von Heiner Keller, Oberzeihen

Die zugestellten Wahlunterlagen quellen förmlich aus dem Couvert. 713 Personen auf über 50 verschiedenen Listen drängeln sich um die 16 Nationalratssitze des Kantons Aargau. Die Mandate müssen ja sehr lukrativ sein, dass sich für die paar Gewählten ein solcher Aufwand lohnt.
Der Nationalrat hat in seinen letzten Entscheidungen in der bisherigen Zusammensetzung nochmals gezeigt, wozu seine Mitglieder fähig sind: Energie- und Raumplanungserlasse hebeln den Natur- und Landschaftsschutz aus. Vor den Pharmaimperien wird gekuscht, die Krankenkassenprämien steigen unaufhaltsam, Wölfe werden dezimiert, Neutralität und Eigenständigkeit des Landes werden mit Füssen getreten. Viele der Entscheidungen widersprechen verfassungsrechtlichen Vorgaben, Gesetzen, früheren Volksentscheidungen oder ganz einfach der Vernunft. Neue Autos werden schwerer, die Verwaltungen und Abgeltungen nehmen wie der CO2–Gehalt der Luft unaufhaltsam zu. Alle Nationalräte und Nationalrätinnen pflegen enge Verbindungen zu Lobbyorganisationen. Ihre Anwesenheit bei Abstimmungen lassen sie sich mit Privilegien und Aufträgen abgelten. Die Misere und die Undurchsichtigkeiten beim Leben und Leben lassen werden bewusst verschleiert. Würden Wahlen und Abstimmungen an der heutigen Situation etwas ändern, wären die Spielregeln für das Volk schon lange geändert worden.
Wenn Sie sich die Listen- und Unterlistenverbindungen in den Wahlunterlagen anschauen, erkennen sie den inszenierten Filz. Sie können aus den 713 Personen diejenigen auswählen, die Ihnen passen. Ihre Stimme summiert sich mittels ausgeklügelter mathematischer Verrechnungen zur Verteilung der 16 Sitze auf die etablierten, bisherigen Gruppierungen, die sich Parteien nennen. Gewählt werden dann deren Spitzenkandidaten. Falls sie andere Kandidaten wählten, wissen sie nicht, wem Ihre Fliegenfängerstimmen tatsächlich geholfen haben. Ausser marginalen Sitzverschiebungen wird und kann sich gar nichts ändern.
Was tun? Nicht wählen ist keine Option. Also bleiben nur Listen und Kandidaten von Listen, die keine Listenverbindungen haben. Sie werden mit Sicherheit nicht gewählt. Sie wissen es auch. Aber sie sind wenigstens ehrlich. Und ich kann mich für Personen entscheiden. Leider ist die Auswahl sehr bescheiden.