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Lukas Rüetschi eidg. dipl. Vermögensverwalter
Hauptstrasse 43, 5070 Frick
www.ruetschi-ag.ch

Der jungen Generation wird (zu) viel aufgehalst
Es ist vielen bewusst und trotzdem wird nur sehr langsam etwas gemacht: Die ältere Generation schränkt die nächsten Generationen in ihrem Handlungsspielraum massiv ein und schwächt deren Möglichkeiten in der Zukunft. Das hören Ältere natürlich nicht gerne. Sie haben hart und meist auch noch körperlich für ihre Rente gearbeitet und wollen diese nun geniessen. Das ohne Abstriche. Dass aber das ganze Renten- und Gesundheitssystem nicht für eine weitere Lebenserwartung von 20 Jahren im Durchschnitt ausgelegt ist, will man nur teilweise wahrhaben. Wer laut über Sanierungsmassnahmen spricht, wird sofort in die konservative Ecke gedrückt und will den Rentnern etwas wegnehmen. Leider kommt nun noch die extreme und nun schon länger anhaltende Tiefzinsphase dazu. Längerfristig ansprechende Renditen zu erzielen, wird schwieriger. Auch wenn in den letzten Jahren die Zahlen durch starke Aktienrenditen noch recht gut waren. Hier deutet aber vieles darauf hin, dass die nächsten Jahre renditemässig schmaler werden. Ein Auffangen dieses Loches durch die sicheren Anlagen wie Obligationen und Immobilien kann man definitiv auch nicht erwarten. Unser System hockt in der Falle und kaum jemand wagt zu sagen, dass es rasch vernünftige Massnahmen braucht. Persönlich sehe ich nur den Kompromiss: Etwas höheres Rentenalter, leicht höhere Beiträge und leicht tiefere Renten. Ansonsten wird unser System schleichend zur totalen Umverteilungsmaschine: zu Lasten der jüngeren Generation durch zukünftige Verpflichtungen und zu Gunsten der älteren Generation, welche mehr bekommt, als die aktuelle Situation zulässt.

Auch im Umweltbereich halsen wir der Jugend möglicherweise grosse Verpflichtungen für die Zukunft auf. Wir konsumieren mehr, als die Natur wieder herstellen kann, leben also von der Vergangenheit zu Lasten der Zukunft. Im Anlagebereich würden wir Schulden machen. Darauf gehe ich hier aber nicht mehr weiter ein, da dieser Teilbereich aktuell ein Dauerthema ist.

Im Gesundheitswesen sehen wir auch eine ähnliche Tendenz. Die Kostensteigerungen, welche nur zum kleineren Teil von den 20-, 30-Jährigen verursacht werden, müssen aber stark von ihnen mitgetragen werden, direkt oder indirekt über einen immer grös­seren Staatsanteil oder immer mehr ausufernde Krankenkassenprämienverbilligungen.

Die Tiefzinsphase beraubt einen Teil der jüngeren Generation aber auch um Möglichkeiten. In jüngeren Jahren etwas sparen, damit man später Wohneigentum erwerben und/oder eine Familie gründen kann, ist viel schwieriger geworden. Ein guter, positiver Zins auf dem Konto hat früher dank Zins- und Zinseszinseffekt recht schnell viel Kapital dazu beigetragen. Da ist heute totale Fehlanzeige. Es entsteht der Eindruck, sparen mache gar keinen Sinn mehr. Umgekehrt wird suggeriert, der sofortige und totale Konsum sei möglich. Leasing und Kleinkredite sind so günstig wie noch nie zuvor. Richtig genervt habe ich mich an der Fernsehwerbung eines staatsnahen Finanzinstituts. Das Motto: Sparen ist out, man muss anlegen. Wieso? Weil es zuerst das Sparen braucht, damit man etwas zum Anlegen hat; weil Anlagen oft ein ganz anderes Risikoprofil haben und oft auch einiges teurer sind, und vor allem, weil das Grundproblem nicht so einfach gelöst werden kann.

Sicher ist das Generationenproblem nicht ganz so einseitig, wie ich das hier beschreibe. Längerfristig fair ist es aber kaum und die Jüngeren haben eine viel zu schwache Lobby.

Schlussendlich kommt durch (oft späte) Erbschaften wieder bei einigen etwas zurück. Aber längst nicht bei allen.

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Christoph Zehnder eidg. dipl. Vermögensverwalter
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Geisteszustand von US Präsident Trump
Wer twitterte letzte Woche über seine «grossartige und unvergleichliche Weisheit»? US Präsident Trump. Wer twitterte diese Woche «Der Deal, den ich gerade mit China gemacht habe, ist bei weitem der grossartigste und grösste Deal der je gemacht wurde»? US Präsident Trump. Dass Trump in den europäischen Medien meist schlecht gemacht und über ihn einseitig berichtet wird, ist das eine. Das andere aber ist, dass er selber tatsächlich solche Dämlichkeiten in die Welt hinausposaunt. Ob solcher Aussagen zweifle ich ernsthaft an seinem Geisteszustand. Könnten Sie sich die gleichen Äusserungen zum Beispiel von den Vorgängerpräsidenten Obama oder Bush vorstellen?
Psychotische Finanzmärkte
Die Finanzmärkte reagieren kurzfristig oftmals sprunghaft oder gar entgegen aller Logik – das ist nichts Neues. Trump scheint mit seinen realitätsfremden Tweets aber diese Neigung der Finanzmärkte zu verstärken und verlängern. Vor über zwei Jahren hat er den Handelsstreit mit China losgetreten und seit eineinhalb Jahren verhandeln die USA und China. Trotz unzähligen Ankündigungen in diesen zwei Jahren, dass grossartige Fortschritte gemacht worden seien und ein Trade Deal mit China unmittelbar vor Abschluss stehe, hat es bislang keinen Deal gegeben. Bei jeder Ankündigung reagierten die Aktienmärkte euphorisch und stiegen stark, um bei der folgenden Ernüchterung über das Ausbleiben eines Deals etwas nachzugeben. Dieses Muster funktioniert nach wie vor. Algorithmen, welche auf Trumps Twitterbotschaften reagieren, scheinen die Aktienmärkte kurzfristig mehr zu bewegen als Anleger mit Bodenhaftung.
Was steht im Trade Deal denn drin?
Was steht denn drin im aktuellen Deal? Unbekannt. Die Details sollen in den nächsten drei Wochen ausgehandelt und festgelegt werden. Kommt Ihnen das bekannt vor? Immerhin bekannt ist, dass die USA ihre auf 15. Oktober angekündigte Zollerhöhung vorerst verschoben haben. Zuerst Zölle ankündigen, dann diese aussetzen, aber potentiell einfach später einführen – dies müsste aus Sicht der Finanzmärkte an sich netto negativ sein: Zuerst waren keine Zölle da, jetzt drohen allenfalls später folgende Zölle. Im besten Fall, wenn die angedrohten Zölle definitiv wieder wegfallen, sind wir wieder da, wo wir vor der Ankündigung der neuen Zölle waren.
Kommt vielleicht wirklich der grosse Durchbruch?
Vielleicht folgt ja aber tatsächlich der grosse Durchbruch und es werden nicht nur die angedrohten Zölle eliminiert, sondern der Handelsstreit löst sich in Minne auf. Dafür müssten aber sehr viele Hindernisse noch überwunden werden. Ich glaube nicht dran, dass die beiden Parteien schon so weit sind. Die USA haben beispielsweise eine schwarze Liste mit chinesischen Technologiefirmen eingeführt. Huawei als bekanntestes Ziel wird vorgeworfen, es würde im Auftrag von China Spionage betreiben. Allerdings haben die USA für ihre Anschuldigungen keinerlei Beweise vorgelegt. Zudem wurde Huaweis CFO letzten Dezember in Kanada verhaftet.
Technologische Führerschaft
Die Attacken auf chinesische Technologiefirmen zeigen denn auch v.a. Folgendes auf: Erstens haben die Chinesen enorme technologische Fortschritte gemacht und spielen in gewissen Bereichen mit den US Firmen auf Augenhöhe mit. Und zweitens: Bei diesem Handelstreit geht es nur teilweise um Handelsfragen, sondern primär um die Frage, wer künftig die technologische Führerschaft innehat. Dass die USA diese nicht kampflos den Chinesen überlassen wollen, ist nachvollziehbar. Ob die gewählten Mittel allerdings zum Erfolg führen, ist eher fraglich.

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Lukas Rüetschi eidg. dipl. Vermögensverwalter
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Klimahysterie – Einfluss auf die Finanzmärkte
Dies hier ist keine politische Kolumne oder Ratgeber. Trotzdem wage ich mich im Zusammenhang mit den Finanzmärkten auf dieses Glatteis (das sicher noch nicht weggeschmolzen ist...). Dass wir nicht so weiter machen können und sollten wie in den letzten 100 Jahren, das steht für mich ausser Frage. Unsere auf Konsum und Wachstum ausgerichtete Gesellschaft (schauen wir nur mal das weltweite Bevölkerungswachstum in den letzten 50 Jahren an) nimmt zu wenig Rücksicht auf unsere natürlichen Ressourcen und das Klima. Was nun aber abgeht, ist schon fast hysterisch, und es braucht wieder viel mehr Leute mit kühlem Kopf und einem längerfristigen, realistischen und internationalen Plan. Wenn alles chaotisch verläuft, wird wahrscheinlich unsere Wirtschaft massiv darunter leiden, was dann ganz neue Probleme gibt respektive teilweise kontraproduktiv für den Natur- und Klimaschutz wird. Die stetig wachsende Bevölkerung und der zunehmende weltweite Wohlstand haben viele Gewinner hervorgebracht, aber leider auch die Wirkung vieler technologischen Verbesserungen und Sparanstrengungen im Keime erstickt. Änderungen brauchen Zeit und ohne internationale Koordination ist der Erfolg bescheiden. Dafür braucht es auch den Mut, diverse Grundprobleme anzugehen und nicht nur auf den technischen Fortschritt zu hoffen. Mit vielen neuen und überstürzten Gesetzen und Verboten ist es auch nicht gemacht. Bei der ernsthaften Diskussion darf es keine Tabuthemen (Atomkraft als kleineres Klimaübel? Wie kann das Bevölkerungswachstum gebremst werden? Was bringt wirklich etwas und was können wir uns leisten?) geben. Die ganze Welle schwappt nun auch auf die Finanzmärkte. Themenfonds und Themenprodukte schiessen wie Pilze aus dem Boden. Hier ist eine grössere Vorsicht geboten. Eine gute Idee heisst noch lange nicht, dass sie längerfristig aufgeht. Auch enthalten die Preise, welche man dafür bezahlt, oft viel warme Luft, welche dann schnell entweicht, wenn das Thema wieder aus den Medien verschwindet. Persönliches Fazit: Ja, wir müssen zu unserer Erde mehr Sorge tragen. Hysterie ist aber der völlig falsche Ratgeber. 

 Wohnungsüberproduktion geht munter weiter
Der Leerstand an Wohnungen steigt weiter an. Einerseits, weil die Produktion weiterhin hoch ist, anderseits weil das Bevölkerungswachstum zwar noch vorhanden ist, aber sich etwas abgeschwächt hat. Aktuell kann man über alles gesehen noch nicht von einem grossen Problem sprechen. Die Situation verschärft sich aber von Monat zu Monat. Das Hauptproblem sind die extrem tiefen Zinsen, welche Fehl­entscheide nicht oder erst viel später bestrafen. Ich bin nicht gegen Neuengagements. Nur die Anforderungen an Lage, Grundrisse und Preise müssen hoch sein. Noch mehr vom schon Vorhandenen wird kaum erfolgreich sein.

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Christoph Zehnder eidg. dipl. Vermögensverwalter
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Schweden in einigen Jahren komplett bargeldlos?
In Schweden wird es immer schwieriger, mit Bargeld zu bezahlen. Immer mehr Geschäfte und Restaurants akzeptieren kein Bargeld mehr und stellen «No cash»-Tafeln auf. Bancomaten werden abgebaut, überhaupt können Banken auf das aufwändige Cash-Handling verzichten. Die Schweden schätzen offenbar mehrheitlich das unkomplizierte digitale Bezahlen.
SBN präsentiert neue 100er-Note
Am 3. September 2019 hat die SNB die neue 100er-Note vorgestellt. Sie ist die sechste und letzte Stückelung der neuen Banknotenserie. Als erste Stückelung wurde im April 2016 die 50er-Note präsentiert. Alleine, dass es über drei Jahre dauerte, um die ganze Notenserie aufzugleisen, zeigt, dass die SNB wohl derzeit keine Pläne à la Schweden hat, Bargeld mittelfristig abzuschaffen. Die offizielle Position der SNB, dass das Publikum die Wahlfreiheit haben soll, ob es Bargeld oder digitale Alternativen bevorzugen will, scheint mir sehr sinnvoll.
Bargeld als Zahlungsmittel
Was für eine Funktion hat denn Bargeld überhaupt? Die erste Funktion liegt auf der Hand: Bargeld ist ein Zahlungsmittel. Ich kann mir gut vorstellen, dass auch in der Schweiz, wo derzeit Bargeld mit Abstand das beliebteste Zahlungsmittel ist, digitales Bezahlen zulegen wird. So schnell wird Bargeld in der Schweiz aber nicht verschwinden.
Bargeld als Wertaufbewahrungsmittel
In Zeiten der Null- und vor allem Negativzinspolitik bekommt Bargeld eine ganz neue Funktion, nämlich die des Wertaufbewahrungsmittels. Wer gezwungen ist, Geld auszuleihen im Wissen, dass er weniger zurückerhält, würde finanziell besser fahren, diesen Betrag als Bargeld zu beziehen und liegen zu lassen. So wenig es volkswirtschaftlich Sinn macht, einen Haufen Papier am Bankschalter zu beziehen und einen Stock tiefer in den Banktresor zu legen, so sehr macht es ab einer gewissen Höhe von Negativzins für den Einzelnen Sinn. Man spricht denn auch von der so genannten Nullzinsgrenze, wo es für Zentralbanken schwieriger wird, die Zinsen weiter zu senken. Natürlich ist der Grenzbetrag nicht genau bei Null, sondern irgendwo leicht im Negativbereich, denn mit der Auszahlung in Form von Bargeld geht natürlich auch das Risiko des Verlusts und ein gewisser Aufwand einher. So lange aber auf Bargeld ausgewichen werden kann, ist es jedenfalls völlig undenkbar, dass die Zinsen bspw. bei -10% liegen. Die Bankschalter würden schon weit davor gestürmt – so lange es denn noch Bargeld gibt…
Zwangsweise Bargeldabschaffung?
Die Einschränkung der Zentralbanken in ihrer Geldpolitik wäre ein ehrliches Argument für die Bargeldabschaffung (auch wenn ich die Schlussfolgerung in keiner Weise teile). Meist werden in der Diskussion aber Argumente vorgeschoben, die nicht stichhaltig sind. Der prominenteste Befürworter der Abschaffung von Bargeld ist der Ökonom Kenneth Rogoff. Er argumentiert vor allem mit der Rolle von Bargeld für Kriminelle. Angesichts der immer engmaschigeren Regulierungsvorschriften spielt Bargeld hier aber eher eine geringere Rolle als früher. Andere Ökonomen kommen denn auch zum Schluss, dass eine weitere Einschränkung oder gar Abschaffung von Bargeld keine signifikante Wirkung auf das Ausmass krimineller Aktivitäten habe.
Ohne Bargeld lückenlose Überwachung
Mit der Abschaffung von Bargeld würde die letzte Bastion gegen massive Negativzinsen eingerissen. Gleichzeitig würde damit die in heutiger Zeit eh drohende lückenlose Überwachung weiter verstärkt. George Orwell’s Big Brother lässt grüssen.

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Lukas Rüetschi eidg. dipl. Vermögensverwalter
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Keine Zinsen mehr in den nächsten 30 Jahren?
Schaut man die Zinssituation aktuell an, dann geht man von einer sehr lang anhaltenden „Zinsflaute“ respektive Nullrunde aus. Selbst sehr lange Schweizer-Franken- Zinsen notieren um den Nullpunkt. Wer jemand anderem Geld ausleiht, bekommt keine Entschädigung mehr. Auch mässige Schuldnerqualität kann sich aktuell fast gratis mit Neugeld eindecken. „Gratisgeld“ führt zu Fehlinvestitionen und Masslosigkeit. Die Finanzwelt spielt mit ungewissem Ausgang verrückt. Was mir gar nicht gefällt, ist die Planbarkeitshörigkeit. Geht es der Wirtschaft nur minimal schlechter, kommt sofort der Ruf nach weiteren Unterstützungsmassnahmen. Der Ruf nach immer mehr Finanzdoping gefällt mir gar nicht. Mein Vertrauen in in die Stabilität des ganzen Finanzsystems wird dadurch kaum gestärkt. Kurzfristig wird das aber kaum Auswirkungen haben, mittel- und längerfristig ist dies der mögliche Nährboden für grössere Finanzkrisen und noch turbulentere Zeiten.
Nestlé nimmt extrem viel Positives vorweg – Konjunkturresistente Aktien zu teuer
Die Aktienmärkte sind nahe an den Höchstständen. Wenn man aber genauer hinschaut, dann ist Lage viel heterogener. Wenig zyklische Aktien sind sehr gefragt und deshalb teuer, Banken und zyklische, also konjunkturabhängige Titel sind bereits seit längerer Zeit im Korrekturmodus. „Essen muss man immer“, dieser Spruch gilt immer und wird oft für Nestlé benutzt. Ja, Lebensmittel braucht es immer und Nestlé ist eine erfolgreiche und gut geführte Firma. Kann man damit aber jeden Aktienpreis rechtfertigen? Kaum. Zudem gebe ich immer zu bedenken, dass Lebensmittel zwar lebensnotwendig sind, aber das margenstarke Segment (in welchem sich Nestlé vor allem befindet) auch konjunkturabhängig ist. Wenn es nicht mehr so gut geht, fängt man auch bei den notwendigen Sachen auf den Preis zu schauen. Nochmals: Nestlé hat einen langfristigen, sehr guten Leistungsausweis. Der Preis, den man aktuell dafür bezahlt, lässt sich aber nicht nur mit Qualität begründen, weshalb ich von Neuengagements klar abrate.

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Lukas Rüetschi eidg. dipl. Vermögensverwalter
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Gibt es einen wirksamen Schutz vor den Negativzinsen?
Seit mehreren Jahren haben wir nun Negativzinsen. Nicht nur die kurzen Zinsen sind negativ: nein, auch 10-jährige Obligationen der Schweizer Eidgenossenschaft sind klar negativ. Aktuell kann man festverzinslich also nur anlegen, wenn man bereit ist, Risiken einzugehen. Dabei muss aber genau geprüft werden, ob das nach allen Kosten (Kauf-/Verkaufskosten, Depotgebühren) auch wirklich Sinn macht. Risiko ohne jegliche Entschädigung macht kaum Sinn. Normale Kontolösungen bringen (inkl. zu zahlender Spesen) gar nichts mehr. Trotzdem macht es keinen Sinn, um jeden Preis Anlagen zu suchen. Da die Teuerung sehr, sehr tief war und ist, behält das Geld grösstenteils seine Kaufkraft. Falls in Zukunft die Negativzinsen noch schärfer umgesetzt würden, gäbe es noch die Variante, auf Bargeld umzusteigen. Natürlich birgt auch das Risiken, welche gut abgewogen werden müssen. Man könnte aber wenigstens die schizophrene Situation vermeiden, dass man Geld ausleiht und weniger zurückbekommt. Würden Sie einem Nachbarn ihren Rasenmäher ausleihen, wenn Sie sicher wüssten, dass er defekt zurückkommt? Ich habe auch kein Patentrezept. Aber um jeden Preis Anlagen machen, welche nach allen Kosten auch nichts bringen, das ist definitiv keine vernünftige Lösung.

Widersprüchliche Signale
Die Signale der Finanzmärkte sind teilweise widersprüchlich. Die aktuelle Zinssitua­tion deutet eher auf eine Abschwächung der Wirtschaft oder sogar eine Rezession hin. Gleichzeitig boomen aber die Aktienmärkte und die Bewertungen sind auf einem Mehrjahreshoch. Die Jagd nach potenziellen Renditequellen ist weiterhin im vollen Gange. Wie lange das so weiter geht, kann niemand genau sagen. Trends dauern oft lange und enden immer wieder in einer Übertreibung.

Beteiligungsgesellschaft Newventuretec wird liquidiert
Die Aktionäre haben an einer ausserordentlichen Generalversammlung die Liquidation und die Ausschüttung der Mittel der Gesellschaft beschlossen. Nach dem heutigen Wissensstand sollte ein Erlös von zirka 11 Franken möglich sein, was nochmals rund 10 Prozent höher ist als der gegenwärtige Aktienkurs. Diese volatile Aktie war vor einem Jahr noch bei rund 4 Franken und wird nun in den nächsten Monaten definitiv von der Börse verschwinden.

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Christoph Zehnder eidg. dipl. Vermögensverwalter
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Aberkennung Börsenäquivalenz
Die EU Kommission hat die Anerkennung der Gleichwertigkeit der Schweizer Börse ab Anfang Juli verweigert, obwohl die Schweizer Börse die technischen Kriterien für die Gleichwertigkeitsanerkennung erfüllt. Auch die EU hat das nicht bestritten.
Was hat die EU Kommission zu diesem unfreundlichen Akt getrieben? Die Begründung der EU ist zwar ehrlich, aber inhaltlich schwach: Die EU begründet den Entscheid völlig sachfremd und ohne Bezug zur Börse mit mangelnden Fortschritten bei den Verhandlungen über das Rahmenabkommen.
Was hat das mit dem Rahmenabkommen zu tun? Eigentlich nichts…

Die EU möchte die bilateralen Abkommen, welche zwischen der Schweiz und der EU
bestehen, unter ein Dach stellen und diese sektoriellen Abkommen nur unter diesem Rahmenabkommen weiterführen. Die Schweiz andererseits ist mit der aktuellen Situation der bilateralen Abkommen zufrieden und weniger positiv gegenüber dem bisherigen Verhandlungsergebnis des Rahmenabkommens. Sie macht deshalb nicht wahnsinnig schnell vorwärts und möchte weiterverhandeln.

EU Kommission am «täubele»
Die EU Kommission hat nun die Geduld und Nerven verloren und reagiert wie ein trötzelndes Kind: «Wenn du nicht endlich vorwärts machst und unsere Regeln akzeptierst (Rahmenabkommen), dann haue ich dir eins (Aberkennung Börsenäquivalenz) und spiele nicht mehr mit dir (Guillotineklausel).»

Wie du mir, so ich dir
Wie reagiert ein Kind, das Haue angedroht bekommt? «Wenn du mich haust, dann hau ich zurück.» Der Bundesrat hat präventiv im Vorfeld eine Verordnung angekündigt und nun in Kraft gesetzt, wonach CH Aktien (Novartis, Nestle, etc) neu nicht mehr an EU Börsenplätzen gehandelt werden dürfen.

Gleichwertige, souveräne Gegenpartei oder Bittsteller?
Wer mit wem was spielen will, ist unter souveränen Parteien jeweils beiden Seiten überlassen. Wenn die EU und die Schweiz beide übereinstimmen, dass die bilateralen Abkommen für sich positiv sind, so sollten sie daran festhalten. Wenn die EU oder die Schweiz die bilateralen Abkommen als negativ erachten, so sollten sie sie kündigen. Auch das ist beidseitig gutes Recht, beide Seiten müssen allerdings auch mit den Konsequenzen leben. Wenn nun die EU die bilateralen Abkommen nur unter dem Dach eines Rahmenvertrags weiterführen möchte, so ist das auch hier ihr gutes Recht. Und wenn schliesslich die Schweiz der Ansicht ist, dass der aktuelle Vorschlag des Rahmenabkommens nicht im eigenen Sinn ist, dann ist das erneut und diesmal ihr gutes Recht. Wieso da irgendwelche «Schüsse vor den Bug» (Zitat EU Kommissar Hahn) nötig geschweige denn sinnvoll wären, erschliesst sich mir nicht. Das hat wohl eher damit zu tun, dass Herr Hahn mutmasslich die Schweiz weniger als gleichwertigen, souveränen Verhandlungspartner, sondern vielmehr als kleinen und lästigen Bittsteller ansieht.
Wenn irgendein autokratischer Diktator solche Täubelientscheide treffen würde, wären die Urteile klar: nicht nachvollziehbar, unlogisch, willkürlich, frech, typisch, idiotisch, … Dass sich gewisse EU-Kommissare auf solch ein Niveau herunterlassen, ist bedenklich und kurzsichtig.

Eskalation droht
Die Chancen einer Zustimmung der Schweiz zum Rahmenabkommen dürften damit nicht besser geworden sein und das Rahmenabkommen war ja doch eigentlich das Ziel der EU. Es bleibt zu hoffen, dass ruhigere Kräfte das Heft in die Hand nehmen und eine weitere Eskalation vermieden werden kann.

 

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Gedankenexperiment Aktienmarkt
Versetzen wir uns gedanklich zwei Jahre zurück. Es ist der 31. Mai 2017. Der SMI steht knapp über 9000 Punkten, der SP500 bei 2412. Wie immer stellt sich die Frage: Wie geht es weiter an den Börsen?
Wenn wir zu diesem Zeitpunkt bereits gewusst hätten, was Wirtschaft und Politik in den nächsten zwei Jahren brächten, hätten wir dies in Anlageerfolge ummünzen können?

Geldpolitik
Wir wüssten, die FED strafft zuerst die Geldpolitik bis Ende 2018, dann signalisiert sie eine Kehrtwende zu allenfalls wieder sinkenden Zinsen. Die Konsumentenpreisinflation bleibt im angestrebten Bereich von 2%. Die EZB kommt auch in dieser Zeit nicht weg von ihrer ultraexpansiven Geldpolitik. Draghi würde der erste EZB-Präsident sein, der in seiner Regentschaft die Zinsen nie anhebt.

Politik
Die Diskussionen um den Brexit drehen sich im Kreis. Es findet sich bis zum ursprünglich geplanten Brexit-Datum kein Kompromiss, den beide Seiten mittragen. Es gibt eine nochmalige Verlängerung, das Risiko eines harten Brexits nimmt zu. Zumindest die Unsicherheit, wie es weitergeht zwischen EU und UK, dauert länger als anfänglich geplant.
US-Präsident Trump tritt in der Aussen- und Wirtschaftspolitik zunehmend fordernd auf. Zwar stellt er einige Forderungen wie höhere Zölle auf europäische Autos vorerst zurück, andere Zollmassnahmen setzt er aber in Kraft. Anfänglich geht es um Zollerhöhungen für Solarpanels, es folgen höhere Zölle für Stahl und Aluminium. Wie erwartet folgen Gegenmassnahmen von EU, China etc. Insbesondere mit China gehen die USA forsch um. Trotz mehrmaliger Ankündigung über angeblich konstruktive Gespräche eskaliert der Streit. Ein Verhandlungsabschluss wird mehrfach verschoben, die Zollschraube dreht immer weiter.
Auch an sich nicht verknüpfte Dinge wie die bislang unbewiesenen Spionagevorwürfe an Huawei werden bewusst als Druckmittel eingesetzt. Die USA üben auch Druck aus auf Europa, keine Aufträge mehr an Huawei zu vergeben.

Wirtschaft
Kein Wunder gehen die globalen Handelsvolumen zurück. Dies ist zum Glück bislang nicht deutlich in den Gewinnzahlen der Unternehmen zu sehen. Immerhin hat die Trump’sche Steuerreform zu einem deutlichen Anstieg der Gewinne der US-Firmen im Jahr 2018 geführt.
Dieser Anstieg stagniert nun allerdings, die Gewinne dürften auf Jahresbasis sogar etwas abnehmen im 2. und 3. Quartal von 2019. Die Firmen bleiben zuversichtlich, jedenfalls bleiben die Rückkaufprogramme der eigenen Aktien auf Rekordniveau. Gleichzeitig weiss der informierte Investor, dass hohe Aktienrückkäufe weder zu Zeiten der Internetbubbles noch in der Finanzkrise etwas genützt haben und viele Firmen mit Aktienrückkäufen Geld vernichtet haben.

Wo hätten Sie die Aktienmärkte erwartet?
Zurück zur wesentlichen Frage in unserem Gedankenexperiment: Hätten Sie damals vor zwei Jahren die Aktienmärkte auf zwei Jahre später (also heute) höher oder tiefer erwartet mit diesem (heutigen) Wissen?

Zurück zur Gegenwart
Zum Vergleich: der SMI steht per heute 31. Mai 2019 etwas über 9500, der SP500 bei gut 2750. In der Zwischenzeit wurden zudem die Dividenden von zwei Jahren ausbezahlt.

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