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Von Franz Meier, Stein, ehemaliger Ortschef Zivilschutz

Zurzeit herrscht in den Gemeinden noch «Ruhe vor dem Sturm». In den nächsten Wochen wird sich das aber ändern. Die Bevölkerung wird zunehmend um Hilfe nachfragen – insbesondere dann, wenn auch noch Ausgangssperren angeordnet werden sollten.
Vor allem Alten, Kranken, Gebrechlichen, Hilflosen und überforderten Familien mit Kindern wird geholfen werden müssen. Es wird sich die Frage stellen, an wen sich diese wenden können. Der Kanton hat zwar die Hot-Line 0900 401 501 eingerichtet. Wer aber kennt diese Nummer? Die «Alertswiss»-App haben längst auch noch nicht alle auf ihrem Smartphone installiert.
Die Gemeindebehörden müssen sich nun darauf vorbereiten, dass in den nächsten Wochen sehr viele Anfragen und Hilfegesuche auf sie zukommen werden. Alle, die sich im bisherigen Leben gerade noch so «knapp über Wasser» gehalten habe, werden nun externe Hilfe benötigen – für Einkäufe, Hilfe und Pflege zu Hause etc. Es werden auch vermehrt Rotkreuz-Fahrten für Arztbesuche notwendig sein.
Als erstes sollten Gemeinden deshalb eigene «Hot-Lines» bekannt geben, wo man 24 Stunden und 7 Tage in der Woche um Hilfe nachfragen kann? Es sollten in den Gemeinden auch Care-Teams gebildet werden, die die Gemeindebehörden entlasten können?
Zwar ist der alte Geist der Nachbarschaftshilfe jetzt wieder aufgeweckt worden. Die Gefahr besteht nun aber, dass solche Nachbarschaftshilfe auch selbst zum Problem werden kann. Es ist ja noch viel zu wenig bekannt, wie der Coronavirus übertragen wird. Selbst die Fachleute wissen zurzeit selber noch nicht wirklich, wie man sich ganz konkret in bestimmten Situationen verhalten soll. Es wird deshalb darum gehen, Helfer laufend zu schulen und zu instruieren. Wie sollen Autotransporte zum Arzt durchgeführt werden, wie müssen die Autos anschliessend desinfiziert werden? Ich denke da nicht zuletzt an die Wallbacher Pfadfinder und die KISS-Helfer, die nun ihre Hilfe anbieten, selber aber nicht gefährdet werden sollen. Und – sind für diese Helfer Ausweise und Armbinden vorbereitet?
Neben den am Coronavirus Erkrankten, gibt es auch weiter viele andere – nicht weniger als sonst – Mitmenschen, die Betreuung und – auch psychologische – Hilfe benötigen. Und nicht jeder dieser Fälle ist ein wirklicher Notfall. Unser Gesundheitswesen ist nun aber voll auf die Corona-Situation und echte Notfälle fokussiert – und soll es auch bleiben. Es gilt also – möglichst auf Gemeindestufe, dort wo man die Leute noch persönlich kennt – Hilfsangebote einzurichten, so dass die Gesundheitsdienste nicht noch zusätzlich mit Bagatellfällen belastet werden.
Andererseits sitzen jetzt auch viele Berufstätige zu Hause herum, weil sie ihrer angestammten Arbeit nicht mehr nachgehen können. Ich denke da z.B. an Leute aus dem Dienstleistungsbereich, an Physiotherapeuten/innen und andere. Sie könnten nun für Hilfeleistungen und Assistenzdienste eingearbeitet und vorbereitet werden. Zudem könnten auch Pensionierte aus medizinischen und andern Berufen – nun selber zur Risikogruppe gehörend – helfen. Natürlich nicht mehr direkt an «der Front». Aber auch hinter den Kulissen wird es viel Arbeiten geben – z.B. bei einem Not-Telefon-Dienst. Es könnte geholfen werden, ohne sich selber zu exponieren.
Und da ist ja auch noch der Zivilschutz. Der ist sicher so gut – wie kaum je zuvor – ausgebildet und einsatzbereit. Aber – die Bestände sind in den vergangenen Jahren aus Kostengründen stark reduziert worden. Es wäre deshalb durchaus sinnvoll, wenn in den Gemeinden – zusätzlich zum «offiziellen» Zivilschutz - weitere Hilfsdienste aktiviert werden könnten.
Ich rufe deshalb dazu auf, dass nun gemeindeinterne Ressourcen aktiviert werden, und sich für lokale Hilfeleistungen bereit machen.
Der Kanton, die Kantonspolizei und der regionale Zivilschutz werden in den nächsten Wochen und Monaten – wegen Überlastung – in vielen Fällen nur teilweise helfen können. Die Gemeinden werden deshalb auf sich selbst gestellt sein. Bereiten wir uns darauf vor!

 



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