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Von Michael Derrer, Unternehmer und Wirtschaftsdozent, Rheinfelden

In der Rheinfelder Altstadt stehen seit längerem rund ein Dutzend Ladenlokale leer. In einer Bevölkerungsumfrage wurde das «Lädelisterbe» ganz zuoberst auf der Liste von Problemen für die Lebensqualität in der ansonsten als Wohnort sehr beliebten Stadt genannt. Diese Entwicklung ist leider auch anderen Gemeinden des Fricktals nicht unbekannt.
Als einen möglichen Lösungsansatz zur Stimulierung der lokalen Wirtschaft könnten wir über die Schaffung einer regionalen Währung nachdenken – eines «FrickTalers». Ich untersuche das Thema Regionalwährungen an der Hochschule und stehe im Austausch mit Fachleuten.
Erfolgreiche Bespiele solcher Initiativen zeugen von der Machbarkeit des Ansatzes: zum Beispiel der seit 15 Jahren funktionierende «Chiemgauer» in Bayern (Jahresumsatz über 8 Millionen Euro), die «Langenegger Talente» im Vorarlberg, das «Bristol Pound» in England, oder der noch junge «Farinet» im Wallis. Die Idee ist einfach: Dank einer Regionalwährung entsteht ein zusätzlicher Geldkreislauf, und die Anbieter, welche sie als Zahlungsmittel akzeptieren, geben ihre Einkünfte wiederum in der Region aus. Damit fliesst das Geld nicht in die naheliegende Grossstadt, in die Supermärkte ennet der Grenze oder in den Online-Grosshandel ab. Die lokale Wirtschaft wird gestärkt – ein Gegengewicht auch zu den ökologisch schädlichen Transportwegen der globalisierten Welt.
In der Schaffung von Regionalwährungen können auch Fehler gemacht werden – es gibt gescheiterte Projekte, die eingehend studiert werden müssten. Für den Erfolg ist in erster Linie ein treibender Trägerverein und eine breite Abstützung im lokalen Gewerbe notwendig – ansonsten droht die Gefahr, dass das Geld bei einem einzigen grösseren Anbieter liegen bleibt und der Kreislauf stockt. Moderne Regionalgelder zirkulieren nicht nur als Noten/Gutscheine, sondern bieten auch elektronischen Zahlungsverkehr an. Ideal ist, wenn auch Dienstleistungen der Gemeinden (zum Beispiel Abfallmarken) in der Lokalwährung bezahlt werden können.
Fricktaler Regionalgeld hätte das Potentizal, nicht nur zur Belebung der Rheinfelder und der Laufenburger Altstadt beizutragen, sondern auch zum Kauf bei heimischen Landwirten oder zur Beauftragung von Handwerkern aus den Dörfern anzuregen – diese würden vielleicht im Gegenzug häufiger einen Besuch in den regionalen Zentren wagen und in der lokalen Gastronomie einkehren.

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