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(pd) Die Coronavirus-Infektionszahlen im Kanton Aargau haben sich auf hohem Niveau eingependelt. Im Gesundheitswesen besteht seit Ende August 2021 auf den Intensivstationen eine Überlastung. Einige Aargauer Patienten mussten in ausserkantonale Spitäler verlegt und elektive Operationen verschoben werden. Der Regierungsrat begrüsst deshalb die vom Bundesrat beschlossene schweizweite Ausweitung der Zertifikatspflicht. Sie hilft mit, noch einschneidendere Massnahmen wie Schliessungen oder einen erneuten Lockdown zu verhindern. Angesichts der starken Zunahme der Infektionsfälle an Aargauer Schulen und den damit verbundenen Problemen beim repetitiven Testen prüft der Regierungsrat Anpassungen im Bereich des repetitiven Testens an den Schulen.

«Wir betrachten mit Sorge die Auswirkungen der seit den Sommerferien stark gestiegenen Infektionszahlen auf das Aargauer Gesundheitswesen», stellt Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati, Vorsteher des Departements Gesundheit und Soziales, fest, «seit Ende August besteht eine Überlastung der Aargauer Spitäler im Bereich der Intensivpflegestationen.» Der Anteil an Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen (IPS) hat wieder deutlich zugenommen. Während schweizweit rund ein Drittel der Intensivbetten durch Patientinnen und Patienten mit Covid-19 belegt sind, liegt dieser Wert im Kanton Aargau bei nahezu 50 Prozent. Die Spitäler müssen deshalb wieder Massnahmen ergreifen, um diese Belastung bewältigen zu können. So mussten wieder Patientinnen und Patienten ausserkantonal verlegt und elektive Operationen verschoben werden; letzteres um mehr Personal für die Intensivstationen bereitzustellen und Covid-19-Patientinnen und -Patienten behandeln zu können.

«Durchseuchung kann keine Option sein»
«Genügend Intensivpflegekapazitäten sind in einer Pandemiesituation sehr wichtig, speziell im Personalbereich», be-tont Gesundheitsdirektor Gallati, «die seit anderthalb Jahren andauernde starke Belastung macht den IPS-Pflegerinnen und -Pflegern stark zu schaffen, und die Rekrutierung und Ausbildung neuer IPS-Pflegekräfte ist für die Spitäler ein sehr aufwändiger und langwieriger Prozess.» Der Gesundheitsdirektor weist darauf hin, dass mit einem Ausbau der IPS-Plätze oder der -Personalkapazitäten alleine das Kernproblem einer Pandemie nicht gelöst werden kann: «Viele Covid-19-IPS-Patientinnen und -Patienten leiden unter schweren Langzeitfolgen mit langen Reha-Aufenthalten und nachhaltig eingeschränkter Arbeitsfähigkeit. Eine Durchseuchung kann deshalb keine Option sein. Umso wichtiger ist eine hohe Impfquote.»

Wirksamster Ausweg aus der Pandemie ist die Impfung
Der wirksamste Ausweg aus der Pandemie ist nach Ansicht des Regierungsrats weiterhin die Impfung gegen Covid-19. Die Impfung schützt zu über 90 Prozent vor einem schweren Krankheitsverlauf (Hospitalisierung). Die täglichen Impfzahlen waren zuletzt gestiegen, stagnieren aber derzeit wieder bei rund 1500 Erstimpfungen pro Tag. Mittlerweile sind fast 70 Prozent der Aargauer Bevölkerung im Alter von 20 oder älter geimpft. Bei der impfberechtigten Bevölkerung (Personen ab 12 Jahren) sind es 66 Prozent. Zugenommen hat zuletzt der Anteil geimpfter Personen bei den 12- bis 19-Jährigen.
Dazu beigetragen hat die laufende Impfkampagne an Aargauer Schulen. Das Departement Gesundheit und Soziales (DGS) führt zudem weitere Sensibilisierungsaktivitäten wie Informationsveranstaltungen oder zuletzt auch einen Live-stream mit Fragen und Antworten zur Impfung durch und prüft weitere Massnahmen für Personen mit Migrationshintergrund.

Regierungsrat begrüsst Einführung der Zertifikatspflicht
Der Bundesrat hat am Mittwoch, 8. September, eine Zertifikatspflicht für verschiedene Bereiche des öffentlichen Lebens beschlossen. Angesichts der epidemiologischen Lage im Kanton und der zunehmenden Überlastung der Aar-gauer Spitäler begrüsst der Regierungsrat die Einführung von schweizweit einheitlichen Zertifikatsbestimmungen. «Die Bundesratsbeschlüsse vom 8. September 2021 tragen dazu bei, das Übertragungsrisiko im öffentlichen Leben erheblich zu reduzieren; sie helfen, härtere Massnahmen wie zum Beispiel erneute Schliessungen oder gar einen Lockdown zu verhindern», erklärt Jean-Pierre Gallati.

Umsetzung Zertifikatspflicht im Kanton Aargau
Im Kanton Aargau können geimpfte oder mit Covid-19 diagnostizierte genesene Personen ihre Zertifikate über die Webseite www.ag.ch/covid-zertifikat schnell und einfach herunterladen. Das Angebot gilt auch für Personen, die sich im Kantonsspital Aarau oder Kantonsspital Baden haben testen lassen. Die übrigen «Getestet»-Zertifikate müssen über den Testanbieter bezogen werden.
Für Änderungsanträge (beispielsweise bei fehlerhaften Daten auf dem Zertifikat oder einer neuen Mobiltelefonnummer) steht auf derselben Internetseite ein Meldeformular zur Verfügung. Für die Kontrolle des Zertifikats stellt das Bundesamt für Gesundheit BAG die App «COVID Certificate Check» in den App Stores von Google und Apple zur Verfügung. Die Kontrolle der Umsetzung der Zertifikatspflicht erfolgt im Rah-men der Schutzkonzeptprüfungen durch die zuständigen kantonalen Stellen.

Konsultation zu Einreisebestimmungen
Der Regierungsrat hatte sich in seiner Stellungnahme vom 31. August gegenüber dem Bundesrat auch für eine Wiedereinführung von Massnahmen im internationalen Reiseverkehr eingesetzt, namentlich für verschärfte Bestimmun-gen bei der Einreise in der Schweiz. Der Regierungsrat wird ihm Rahmen des Konsultationsverfahrens zu den vom Bun-desrat vorgeschlagenen Varianten Stellung nehmen.

Repetitives Testen an den Schulen
Mit dem Ende der Sommerferien hat sich die Zahl der Covid-19-Infektionen im Kanton Aargau sprunghaft erhöht. Zum einen gab es dreissig Mal mehr positive Mischproben beim repetitiven Testen in den Schulen. Zum anderen haben die Infektionen auch ausserhalb der Schulen stark zugenommen. Teilweise bis zu 40 Prozent aller Ansteckungen konnten auf Reiserückkehrer zurückgeführt werden. Diese Umstände haben mit der Wiederaufnahme des Projekts repetitives Testen in den Schulen am 16. August zu einer Überlastung der vorhandenen Ressourcen geführt, die sich in der Folge auch auf das Contact Tracing auswirkte, welches beim repetitiven Testen personelle Unterstützung leistete.
Die Folgen waren und sind teilweise mehrtägige Wartezeiten bei Nachtestungen oder Kontaktaufnahmen. Erschwerend kamen krankheitsbedingte Ausfälle hinzu. Beim Contact Tracing besteht eine Verzögerung von bis zu einer Woche, res-pektive 1400 Fälle, die noch nicht vollständig bearbeitet wurden. Die schnelle Bekanntgabe der Testresultate funktio-niert weiterhin ohne Verzögerung. Zur Unterstützung der fixen Mitarbeiter des Contact Tracing Centers wurde der flexible einsetzbare Pool von Mitarbeitenden, die auf Abruf zur Verfügung stehen, aktiviert. Aktuell können die Nachtestun-gen in Schulen wieder zeitnah – in der Regel innert 24 Stunden – durchgeführt werden. Die Ausbrüche in Schulen führen aber weiterhin zu einer hohen Belastung. In der aktuellen Woche waren zeitweise 62 Klassen in Quarantäne und 3 Schulstandorte geschlossen.
Der Regierungsrat gab deshalb eine Überprüfung und Verbesserung der Prozesse beim repetitiven Testen an den Schulen in Auftrag. In diesem Zusammenhang werden für die Schulen auch Alternativen zum repetitiven Testen ge-prüft, unter anderem die Option eines erweiterten Ausbruchsmanagements. Der Regierungsrat wird zeitnah über die Weiterführung des repetitiven Testens an den Schulen entscheiden.

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